IQNA

0:48 - February 01, 2019
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Die USA verhandeln mit den Taliban über einen Friedensvertrag in Afghanistan ohne dass die afghanische Regierung daran teilnimmt. Was auf den ersten Blick etwas seltsam erscheint, ist in Wirklichkeit nur ein weiteres Kapitel in den bizarren Beziehungen der USA zum radikalen Islamismus.

„Jetzt werden die Taliban den Preis zahlen", hatte der US-Präsident George W. Bush erklärt, bevor er im Rahmen des Krieges gegen den Terror nach den 9/11-Anschlägen in Afghanistan einmarschierte. Fast 18 Jahre nach der US-Militärintervention sind die Taliban in Afghanistan stärker denn je und trotzdem wollen die USA ihre Truppen abziehen. Im Gegenzug sollen die Taliban sich bereit erklären „Terroristen keinen Unterschlupf mehr zu gewähren“. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass der radikale Islam der Moderne in Afghanistan entstand und von den USA als Instrument benutzt wurde, um eigene Interessen durchzusetzen.

 

Die Wurzeln von Al Qaida

Im Jahr 1979 begann die CIA in Afghanistan „Islamische Brigaden“ heranzubilden, um dem Einfluss der Sowjetunion in der Region entgegenzuwirken und einen Bürgerkrieg zu provozieren. Dabei wurden die Mudschaheddin nicht nur finanziell unterstützt, sondern das Guerillatraining wurde in den Islamunterricht integriert und zahlreiche religiöse Schulen wurden geschaffen. Für den einflussreichen Berater Zbigniew Brzezinski war damals klar, dass „diese Unterstützung unweigerlich zu einer sowjetischen Militärintervention führen würde“.

In einem Interview bezeichnete Brzezinski die damalige Unterstützung des radikalen Islamismus als „hervorragende Idee“, da „der Zerfall der Sowjetunion weitaus wichtiger war, als ein paar verwirrte Moslems.“ Eine zentrale Rolle kam dabei dem pakistanischen Geheimdienst ISI zu, über den die CIA Araber im „islamischen Dschihad“ ausbildete. Somit wurde also auch Osama Bin Laden durch die CIA zur Bekämpfung „der sowjetischen Eindringlinge“ rekrutiert. Der Drogenhandel begann in dieser Zeit zu florieren und war neben Geldern aus den USA die Haupteinnahmequelle für Al Qaida.

Radikaler Islamismus als Mittel zum Zweck

Den USA gelang es, der Sowjetunion ihren Vietnamkrieg zu liefern, und nach 10 Jahren zogen die sowjetischen Einheiten erfolglos ab. Der Bürgerkrieg ging unterdessen weiter, doch die USA erkannten, dass der Dschihad ein gutes Mittel ist, um die eigenen außenpolitischen Interessen durchzusetzen. Darin vermutete der Autor Tim McGirk (Tim McGirk: Kabul Learns to Live with its bearded Conquerors. The Independent, London, 6. November 1996) auch den Grund, warum die USA „die Augen verschlossen, als die Taliban die Frauenrechte abschafften und die Scharia einführten“.

Russlands wichtigste Pipelines verlaufen durch Tschetschenien und Dagestan, weswegen diese Gebiete geopolitisch von enormer Bedeutung sind. 1994 organisierte der pakistanische ISI ein Trainingscamp in Afghanistan für die tschetschenischen Rebellen Shamil Basaev und Emir Khattab. Der Autor Levon Sevunts behauptete 1999, dass die Beteiligung der pakistanischen ISI „weit über die Versorgung der Tschetschenen mit Waffen und Fachwissen hinausgeht“: „Die ISI und ihre radikalen islamischen Vertreter bestimmen den Verlauf dieses Krieges.“ (Levon Sevunts: Who’s Calling The Shots? Chechen conflict finds Islamic roots in Afghanistan and Pakistan. The Gazette, Montreal, 26. October 1999)

Während des Tschetschenien-Kriegs zerfielen die staatlichen Strukturen und es wurden trotz des Widerstands der Bevölkerung eigene Scharia-Gerichtshöfe eingeführt. Diesen Gerichten stand Sheikh Abu Umar vor, der 1995 eigens aus Afghanistan eingereist war, um den tschetschenischen Mudschaheddin „Unterricht über die Lehren des Islam zu geben“.

Destabilisierung in Indien, China und Jugoslawien

Parallel zu den Operationen in Tschetschenien baute der ISI auch Mudschaheddin-Milizen in der abtrünnigen Region Kaschmir in Indien auf. Die Tätigkeiten dieser Milizen gipfelten 2001 in einem Anschlag auf das indische Parlament, der „Indien und Pakistan an die Schwelle eines neuen Krieges“ bringen sollte. Auch bei den islamischen Unruhen an Chinas Grenze im selben Jahr hatte die CIA ihre Finger im Spiel. Der pakistanische ISI bildete mehrere Milizen in den zentralasiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aus, um „ein islamisches Kalifat in der Region zu etablieren“ wie chinesische Quellen besagen.

Dieses Kalifat soll Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien und Uigur zu einer politischen Einheit zusammenfassen und würde sowohl Russland als auch China schwächen, was ganz im Interesse der USA ist. Die International Media Corporation berichtete auch davon, dass „die Vereinigten Staaten nun [1994] aktiv an der Aufrüstung und dem Training der muslimischen Truppen in Bosnien-Herzegowinas teilhaben“. In einem Kongressbericht der Republikaner wird der Clinton-Regierung auch vorgeworfen „dazu beigetragen zu haben, in Bosnien eine Basis für militante Islamisten geschaffen zu haben.“

Neben Waffenlieferungen sollen auch zahlreiche islamistische Söldner nach Bosnien gebracht worden sein, die dann auch in der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) kämpften. In den 1990er Jahren schlossen sich der BND und die CIA zusammen, um die UCK zu finanzieren, was Frank Ciluffo, ein Mitarbeiter des Globalized Organised Crime Programs scharf kritisierte: „Was der Öffentlichkeit größtenteils verschwiegen wurde, war die Tatsache, dass die UÇK einen Teil ihres Budgets aus dem Drogenhandel bezog.“ Aufgrund der engen Beziehungen zur Al Qaida und Osama Bin Laden soll die UCK Heroin im Wert von über 400 Milliarden Dollar über die Balkanroute gebracht haben.

9/11 und Krieg gegen den Terror

Die Anschläge auf das World Trade Center 2001 markieren einen Wendepunkt im Umgang mit dem radikalen Islamismus als Waffe, um Gesellschaften zu destabilisieren. Der Guardian zeigte sich damals sicher, dass der 11.September auf eine „Blowback-These“ zurückzuführen ist: „Die hochentwickelte Ausbildung, welche die Mudschaheddin genossen haben, sowie die Tausende von Tonnen an Ausrüstung, welche ihnen durch die USA und Großbritannien zur Verfügung gestellt wurden, wenden sich nun gegen den Westen in Gestalt des „Blowback“-Phänomens, bei dem eine politische Strategie sich gegen deren Erfinder richtet“.

Der Leiter des Centre for Research on Globalization, Michel Chossudovsky, zeigte sich bereits 2008 überzeugt, dass „die Blowback-Theorie eine Erfindung ist“ und die CIA ihre Verbindungen zum „Islamistisch-Militanten Netzwerk nie unterbrochen hat“. Der Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser hat in einem Sputnik-Interview erklärt, dass der radikale Islam seit 2001 dazu verwendet wird „illegale Angriffskriege“ in Afghanistan und im Irak zu rechtfertigen, die gegen die UN-Konvention verstoßen.

Syrien und der radikale Islam

Der Kreis schließt sich am Ende im aktuellen Konflikt in Syrien, wo die USA und die Golfstaaten mit dem IS und der Al Nusra Front radikale Fundamentalisten unterstützten, um den syrischen Präsidenten Bashar Al Assad zu stürzen. Nachdem sich langsam ein Ende des Bürgerkrieges abzeichnet, beginnen Forscher zu analysieren, wie der IS zu seinen Waffen gekommen ist. Damian Spleeters wundert sich „Wie schnell einzelne Waffen nach ihrem Export den Weg in die Arsenale des IS gefunden haben."

Als Beispiel nennt Spleeters eine Anti-Panzer-Rakete aus bulgarischer Fertigung, die im Dezember 2015 an die USA verkauft worden war und im Januar 2016 bereits in den Händen des IS war. Der Ex-Premier Katars gab indessen indirekt zu, dass lange mit der Al-Nusra Front gearbeitet wurde: „Als sie uns erzählten, dass Al-Nusra inakzeptabel ist, wurde die Unterstützung eingestellt". Mittlerweile gibt es auch im Herzen Europas zahlreiche Moscheen, die jederzeit dazu verwendet werden könnten, um die Gesellschaft zu stabilisieren.

 

https://de.sputniknews.com/kommentare/20190131323791599-beziehungen-islamismus-taliban-frieden/

 

Stichworte: IQNA ، IS ، USA ، Al-Nusra ، Al Qaida ، Taliban ، Afghanistan
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