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23:46 - March 06, 2019
Nachrichten-ID: 3000914
Als gläubiger Schüler in einem Land, in dem Religiosität und der Glaube an den einen Gott ein Fremdwort zu werden scheint, hat man einige Schwierigkeiten im Schulalltag..... Ein Beitrag von Muhammad Hassani

Sehr geehrter Leser,

als gläubiger Schüler in einem Land, in dem Religiosität und der Glaube an den einen Gott ein Fremdwort zu werden scheint, hat man einige Schwierigkeiten im Schulalltag. Heute, lieber Leser, nehme ich dich einmal mit in einen möglichen Schulalltag eines Muslims auf einem deutschen Gymnasium. Ich möchte allerdings anmerken, dass folgende Schilderungen keine Verallgemeinerung darstellen sollen, sondern nur reale Probleme, die Gläubige in dem angeblich so christlich geprägten Land Deutschland haben.

Auf dem Schulweg ist noch alles gut. In Gedanken versunken, fahre ich zur Schule. Viele Vorsätze fliegen durch den Kopf. „Bleibe standhaft“ lautet eine Parole, während man doch genau weiß, dass dies ein harter Weg werden wird. Und dann geht es los. Ich gehe die Treppen hoch in der Hoffnung, dass alles gut läuft. Ich bitte Gott, nicht die Haltung zu verlieren und stets seiner zu gedenken, doch dann, schon in dem Moment, indem man den Klassenraum betritt, wird man geprüft.

Ein Mädchen, das du nur flüchtig kennst, kommt dir entgegen und will dich umarmen. Klar, sie meint es nicht böse; dass jeder jeden umarmt, ist schon gängige Praxis, doch wie erkläre ich ihr nun, dass ich sie nicht mal berühren kann? Hier ist schon die erste Hürde, an der – wie ich von vielen muslimischen Schülern weiß – mindestens 60 % scheitern. Allerdings bitte ich auch um Verständnis für diese 60 %, die sich in einer riesigen Drucksituation befinden. Lehrer, Mitschüler und gefühlt die ganze Welt starren dich in diesem Moment an. Doch ich möchte den Leser natürlich durch einen perfekten Tag führen, bei dem wir an keiner Hürde scheitern, so Gott will. Falls man hier scheitert, fällt man in eine endlose Negativspirale, aus der zu entkommen nur durch Gottes Hilfe möglich ist. Wir gehen erstmal mal weiter.

Langweiliger Musikunterricht begleitet die Schüler, die nun anfangen, sich zu unterhalten. Was sie erzählen, möchte ich nicht genau schildern, allerdings kann ich verraten, dass es nur um Drogen, Party, nochmals Drogen und Sex geht. Übrigens ist es normal, dass Schüler ab der 8. / 9. Klasse anfangen, übers Wochenende sich dumm und dämlich zu saufen. In meiner Klasse kenne ich nur einen außer mir, der sich vorgenommen hat, nie im Leben Alkohol zu konsumieren. Ein anderer, der ebenfalls bis vor zwei Wochen noch nie getrunken hatte, antwortet auf die Frage, warum er trinken wird: „Ich werde nicht viel trinken, chill, aber so eine Flasche schadet jetzt eigentlich auch null. So bei Treffen und so muss man ja mal was trinken, ist doch normal.“

Aber wenn es nur das wäre, denn auch vor anderen Drogen wie z. B. Marihuana wird kein Halt gemacht. Im Gegenteil, es wird damit geprahlt, wie toll dies sei. Auf dem Schulhof kennt man immer einen, der etwas besorgen kann. Und der Gläubige, dem etwas an seiner Religion nicht gefällt, interpretiert seine Religion willkürlich um. Der Christ ist Christ mit der Einschränkung, dass Gott sich geirrt hat, denn Sex vor der Ehe ist doch längst normal und das Gegenteil kaum einzuhalten. „Gott war bisschen zu hart damals mit uns“, sagt dieser Christ. Doch wäre es nur, dass sie darüber reden würden und der einfache Muslim sich noch mit „euch eure Religion und mir meine Religion“ (109:6) zufriedengeben könnte. Nein, sie fangen an, Muslime zu fragen, wie sie es ohne diese ganzen weltlichen Zwänge aushalten können.

Schauen wir uns mal die Fächer Politik und Geschichte an ... Eigentlich ist alles gut. Der Unterricht hat in Deutschland in diesem Bereich relativ gute Qualität, jedoch ist es irgendwie komisch, dass die USA alle retten. USA scheint mir wirklich ein tolles Land zu sein, die befreien alle Länder von den anderen Bösen. Und so oft werden Lügen verbreitet über den Iran. Und so oft Israel verteidigt. Und du sitzt da und hörst das alles und hast nur eine Frage im Kopf: Gucken mich dann wieder alle so gemein an, wenn ich kritisch nachfrage oder eine andere Meinung habe? Wird der Lehrer genervt sein? Irgendwie seltsam, dass der Lehrer gerade noch von der Meinungsfreiheit gesprochen hat, die es nur im Westen gibt, und gleichzeitig traue ich mich nicht, kritisch zu fragen, aus Angst vor Unterdrückung, Kommentaren und schlechterer Benotung.

Während wir nun in einzelnen Gruppen etwas zum Thema „Aufklärung“ erarbeitet haben und unsere Ausarbeitung den anderen Gruppen vorstellen, geschieht etwas heutzutage leider nicht Unnormales. Wir haben wenig Interesse am Unterricht, bis wir Folgendes hören und dabei aufschrecken: Ein Teil der Aufklärung war auch mit der Wissenschaft verknüpft und dass es keinen Gott gibt und so, weil nur die Dummen und Ungebildeten an Gott glauben, sowie auch heute noch.

Weshalb herrscht so ein Hass gegen die Anhänger von Religionen, so dass immer die Liebe zu Gott mit Hass beantwortet wird? Auch in anderen Gesprächen wird klar, dass der Glaube an Gott verpönt ist!

Im Unterricht werde ich zum Teil nicht mehr ernst genommen. Da ich einmal auf den Fakt im Politikunterricht ansprach, dass Amerika den Nahostkonflikt durch ihr ständiges Einmischen befeuert hat, nennt man mich nur noch „den Verschwörungstheoretiker“. Achso, fast vergessen, dass all dies sich in dem Land abspielt, wo man die Meinungsfreiheit sehr hoch schätzt. Ich meine, der Westen hat ja recht. Kein Land hat so eine Meinungsfreiheit, wie es sie hier gibt: „Du darfst alles sagen, was wir dir erlauben.“

Ich kann persönlich verstehen, warum hunderte von jungen Muslimen den falschen Weg einschlagen und abirren. Und ich habe noch nicht mal alles erzählt, was sich im Schulalltag ereignet. Nach riesigem Gruppendruck fangen diese Jugendlichen an, sich immer weiter von Gott zu entfernen und in die Irre zu gehen.

Erst baut die Liebe zu Gott ab, falsche Freunde sind auch Hauptgründe einiger weiterer Katastrophen: Die Beziehung zu den Eltern wird schlechter, man fängt an, schlechte Musik zu hören etc. Die Ausmaße sind unterschiedlich. Einige kommen nie wirklich rein in diese Problemspirale, andere waren in kurzen Problemen, finden aber schnell wieder raus. Allerdings kenne ich allzu viele, die es nicht schafften, früh raus zu kommen und dann ewig darin bleiben. Das sind sogar die meisten.

Bei vielen läuft es ungefähr so ab: Erst waren sie sehr religiös, doch dann nahm alles langsam immer mehr Einfluss auf sie. Zuerst ein wenig Musik und schlechte Unterhaltungen. Falsche Freunde, dann die erste Party, die zweite Party und die nächste. Was dabei alles passiert, ist unvorstellbar und ich kann es auch nur aus Gesprächen wiedergeben, aber es ist zu traurig, um es wahrhaben zu wollen. Diesen Prozess der Transformation schätze ich auf allerhöchstens zwei Monate, wenn überhaupt. Doch ist ja klar, dass nicht die Masse entscheidet, sondern der Einzige der überzeugt ist!

Geehrter Leser, das waren unsere gemeinsamen Schulstunden und ich hätte noch so viel zu berichten, doch das soll fürs Erste reichen, denn ich kam nur mit Problemen. Wo ist die Hoffnung?

Die einzige Hoffnung ist die Hoffnung auf den, den sie bekämpfen wollen, ohne Wissen zu haben. Gott allein bringt das Licht ins Dunkle, denn nur er schenkt uns, wenn er will, eine starke Jugend. Und ich habe auch viel Positives zu berichten. Die Jugendarbeit in der ganzen islamischen Gemeinde wird von Tag zu Tag besser und immer mehr der Abgeirrten kehren zurück und erkennen, wie falsch sie lagen. Immer mehr bereuen ihre Unwissenheit, denn das Schlechte ist doch so einfach vom Guten zu unterscheiden. Und so beten wir zu Gott, mit der Bitte um eine starke Jugend, damit wir auf seinem Wege erfolgreich sein mögen.

 

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