IQNA

Das Ramadan-Journal
0:43 - May 16, 2019
Nachrichten-ID: 3001233
Unsere Autorin Debora ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Eigentlich toll. Nur im Ramadan kann das manchmal echt anstrengend sein. Wie? Darüber schreibt sie heute in ihrem Ramadan-Journal.

Ich behaupte, dass Ausschlafen eine der größten Freuden für Berufstätige am Wochenende ist. Für Mütter ist Ausschlafen aber ein Privileg. Dies gilt im Ramadan ganz besonders. Wir verbringen die Nächte im Gebet und mit der Koranrezitation, brechen unser Fasten spät am Abend, stehen dann früh wieder zum Suhur auf. Da ist der Gedanke ans Ausschlafen verlockend. Jedoch völlig unrealistisch. Für mich als Mutter von zwei Kleinkindern hat das Wochenende rein gar nichts mit Ausschlafen zu tun. Zwar muss ich am Morgen nicht früh aus dem Haus, dennoch bedeutet das Wochenende für mich meist eins: Stress. Der Haushalt muss gemacht werden. Wäsche muss gewaschen, das Bad geputzt und Staub gewischt werden. Gleichzeitig müssen die Kinder irgendwie unterhalten werden, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen und die morgendliche Putzaktion völlig umsonst war. Im Ramadan ist das besonders verheerend, gehen die Kinder oft spät ins Bett und sind dann am Morgen quengelig und unausgeglichen. Denn während man meinen könnte, dass sie dann auch später aufstehen, tritt dieser Fall leider nie ein. An einen Mittagsschlaf ist übrigens auch nicht zu denken, um den Schlafmangel der Nacht auszugleichen. Wenn ich mich tagsüber hinlege, dann hüpfen ganz schnell zwei kleine Menschen neben mir auf dem Bett herum, damit ich ja nicht schlafe.

Am Sonntag habe ich mir dann mal erlaubt, die Kinder vor dem Fernseher zu parken, was eigentlich bei mir ein No-Go ist. Morgens und in Endlosschleife. Aber es war der 7. Ramadan, und Muttertag.


Das Gebet, die Kinder und ich

Doch der Schlaf ist nur das eine Problem. Auch die Gottesdienste werden mit Kindern zur reinsten Geduldsprobe. Wenn sie beim Gebet das Schlafzimmer auf den Kopf stellen, im Kleiderschrank herumklettern oder in der Küche heimlich an den Süßigkeitenschrank gehen. Am besten, sie stürzen sich in der Sajda auf mich und ich kippe zur Seite. Sie ziehen mir meinen Gebetsrock aus und den Gebetsteppich weg. Sie nutzen die Situation einfach schamlos aus. Besonders stört mich, wenn ich versuche, aus dem Koran zu lesen, aber meine Tochter lieber mit dem Leseband des Korans spielen will. Oder wenn die beiden sich neben mir streiten und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen während ich versuche, konzentriert zu lesen. Ich gehe dann erst dazwischen, wenn ich selber einen Schlag abbekommen habe. Wie egoistisch von mir, aber ich muss eben meine 25 Seiten am Tag durchbringen. Und das nimmt echt viel Zeit in Anspruch. Zeit, die halt auch meine Kinder – zu recht – beanspruchen. In solchen Momenten erinnere ich mich dann wieder, warum ich im letzten Jahr auf das Hatim (Durchlesen des Koran) im Ramadan verzichtet habe. Aber jetzt habe ich schon ein Drittel geschafft und es wäre zu schade abzubrechen.


Geduldsprobe im Ramadan

Auf die Probe stellen meine Kinder mich aber vor allem dann, wenn sie mal wieder nicht ihren Willen bekommen. Sie schreien, schmeißen mit Gegenständen rum, hören nicht auf mich und gehen mir tierisch auf die Nerven. Ich habe eigentlich ganz liebe Kinder.
Nur warum müssen meine Kinder gerade jetzt im Ramadan einen Wachstumsschub oder sowas bekommen und chronisch unzufrieden sein? Die Antwort findet sich wohl in diesem Koranvers: “Und wißt, daß euer Besitz und eure Kinder eine Versuchung sind und daß es bei Allah großartigen Lohn gibt!” (Sure 8, 28)


Die Kinder hätten es verdient

Wir sollen im Ramadan nicht wütend werden und schimpfen. Ich verstehe ihre Stimmung deshalb als einen Test in diesem Monat. Denn schon oft musste ich mich richtig zusammenreißen in diesem Ramadan. Nicht immer erfolgreich. Ich merke, dass ich diese Geduld aufbringen kann, auch wenn es nicht immer gelingt. So wäre es doch schön, wenn ich diese Geduld das ganze Jahr über zeigen könnte. Die Kinder hätten es jedenfalls verdient!

Doch nicht alles mit Kindern im Ramadan ist schrecklich. Gott gibt Eltern, und gerade uns Müttern, eine enorm anstrengende und schwierige Aufgabe. Gleichzeitig ist es einfach nur überwältigend, wie viel man für all den Schlafmangel, das Aushaltevermögen und die Geduld zurückbekommt. Aber davon erzähle ich ein anderes mal…

 

http://www.islamiq.de/2019/05/15/ramadan-mit-kindern-eine-geduldsprobe/

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