IQNA

Indonesischer Medienaktivist im Interview mit IQNA:
23:36 - June 19, 2019
Nachrichten-ID: 3001356
IQNA - Indonesischer Medienaktivist Ramadan Abu Mahdi bezeichnete Ali Schariati** als einen Denker gegen Repression und erklärte: „Die Gedanken Ali Schariatis haben auf die indonesischen Studenten einen entscheidenden Einfluss gehabt. Die Studenten lesen Schariatis Bücher mit großem Interesse und interessieren sich für seine Gedanken.“

Anlässlich des 42. Jahrestages des Todes von Dr. Ali Schariati am 19. Juni 1977 hat IQNA ein Interview mit dem indonesischen Medienaktivisten Ramadan Abu Mahdi durchgeführt, welcher mit Schariatis Ansichten vertraut ist und seine Bücher gelesen hat. Im Interview erläuterte er, inwieweit die wissenschaftlichen und akademischen Zentren Südostasiens, insbesondere Indonesiens, über den iranischen Schriftsteller und Theoretiker Ali Schariati, seine Ansichten und Bücher informiert sind.

Ramadan Abu Mahdi sagte: „Wissenschaftler und Akademiker in Südostasien, insbesondere in Indonesien und Malaysia, kennen sich mit Schariati und seinen Büchern gut aus. Auf dem indonesischen Buchmarkt sind die Werke von Dr. Schariati leicht zu finden.“

Abu Mahdi betonte: „Unter indonesischen Studenten sind sozialistische Gedanken weit verbreitet, und da Schariati als islamischer Sozialist gilt, werden seine Bücher und seine sozialistischen Gedanken von indonesischen Studenten sehr positiv aufgenommen und wertgeschätzt. Allerdings gibt es in Indonesien auch einige Personen, die seinen Gedanken nicht zustimmen.“

Dieser indonesische Medienaktivist sagte weiter: „Unter Shariatis Büchern gefällt mir das Buch „Hadsch“ am besten. Ich glaube, dass es ein beispielloses, einzigartiges und unwiederholbares Buch in Schariatis Gesamtwerk ist und dass bis heute kein ähnliches Buch zu dem Thema erschienen ist.“

Er fügte hinzu: „Schariati war ein Denker, der sich gegen Repression gewandt hatte. Schariati kam nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Promotion an der Sorbonne in Paris in den Iran zurück und versuchte, seine Gedanken zu entfalten. Seine Gedanken waren neu, und man kann erkennen, dass sie erst unter dem Einfluß westlichen Denkens waren.“

Dieser indonesische Medienaktivist erklärte: „Shariati war kein islamischer Rechtsgelehrter (Mudschtahid); er hat sich also nicht über die Prinzipien des Islam geäußert. Er war ein Denker, und jeder, der seine Schriften liest, kann diese Tatsache sehr gut verstehen.“

Abu Mahdi wies darauf hin, dass Schariati in seinen Werken häufig aus dem Koran und aus islamischen Überlieferungen zitiert hat. „In kritischen Analysen und Kommentaren dieses iranischen Denkers sind zahlreiche Bezüge auf den Koran und die islamischen Überlieferungen unmittelbar sichtbar, und dies führt dazu, dass der Leser seine Bücher mit Leidenschaft liest.“, so er weiter.

Er betonte schließlich: „Schariatis Werke und Gedanken haben ihre euphorischen Befürworter ebenso wie ihre eigenen Gegner hervorgebracht. Seine Gedanken bieten einen Anreiz dafür, uns neuen intellektuellen Ideen zuzuwenden. Schariati war ein großer muslimischer Denker und ein islamischer Sozialist. Wenn wir ihn mit Imam Chomeini vergleichen, dann stellen wir fest, dass Imam Chomeini kein eindimensionaler Mensch war: Er war nicht nur ein Denker, sondern auch ein islamischer Rechtsgelehrter (Mudschtahid) und hat sich in seinen veröffentlichten Werken zu den Prinzipien des Islams geäußert.“

 

** Ali Schariati Mazinani, bekannt als Dr. Schariati, wurde am 24. November 1933 im iranischen Dorf Kahak bei Mazinan unweit der Stadt Sabzevar in der Provinz Chorasan geboren. Er war ein iranischer Schriftsteller, Soziologe, Religionsforscher und zählte auch zu den zeitgenössischen religiösen und politischen Aktivisten und Theoretiker der Islamischen Revolution im Iran.

Schariati stellte neue Ansichten über Geschichte und Soziologie des Islam auf. Er entwickelte eine Theorie der Rückkehr zum wahren und revolutionären Schiitentum und glaubte, dass soziale Gerechtigkeit nur auf diese Weise verwirklicht werden kann. Ihm wird nicht nur eine besondere Rolle als einer der entscheidenden Theoretiker der islamischen Revolution im Iran zugeschrieben, sondern er war auch wegen seiner Aktivitäten zur Belebung der Religion in der Gesellschaft, sowie wegen seinen aufklärerischen Aktivitäten gegen das diktatorische Schahregime bekannt.

Bis heute haben eine Unzahl von Gedenkveranstaltungen zu Ehren Schariatis stattgefunden. Viele Kritiker haben sich mittlerweile mit Schariati und seinen Werken auseinandergesetzt und seine Wirkung auf die zeitgenössische Geschichte Irans diskutiert.

Zwischen 1958 und 1963 lebte Schariati in Paris. Er und seine Ehefrau Pouran Shariat Razavi promovierten an der Sorbonne bei Gilbert Lazard, einem Professor für persische Sprache und Linguistik. Er hatte Schariati die Textkritik und französische Übersetzung der „Fazael al-Balkh“, eines von Safi ad-Din Balkhi geschriebenen Buches, als Thema für die Dissertation vorgeschlagen. Im Gegensatz zu Pouran Shariat Razavi, die sich für ihre Doktorarbeit zum Thema Saadis Golestan ernsthaft interessierte, zeigte Schariati überhaupt kein Interesse an dem Thema seiner Dissertation, wie Prof. Gilbert Lazard erzählte. 

Schariati legte dann 1963 seine Dissertation mit dem Titel „Fada'il al-Balkh“ („Les Merites de Balkh“) und im Umfang von 155 Seiten vor. Seine  fertiggestellte Dissertation wurde als „ausreichend“ bewertet.  Im Gegensatz zu dem, was im allgemeinen behauptet wird, hat Schariati nicht in der Soziologie, Religionsgeschichte oder in beiden Fachrichtungen promoviert. Es wird auch manchmal argumentiert, dass Schariati dem Titel seiner Dissertation zufolge zum Doktor der Philologie promoviert wurde. Er hatte eigentlich die Promotion im Bereich Geschichte des Islam im Mittelalter abgeschlossen, aber auf der Urkunde, die von der iranische Botschaft in Paris ausgestellt worden ist, steht „Abgeschlossene Promotion in Literaturwissenschaft“.

Ali Schariati starb am 19. Juni 1977 im Alter von 44 Jahren in Southampton, England, und wurde in Damaskus in der Nähe von Zaynab bint Ali (a.) auf dem Zaynabiyya-Gräberfeld, beigesetzt.

 

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