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Islamische Heilkunde
19:44 - July 21, 2019
Nachrichten-ID: 3001474
Die Frage nach dem Glück beschäftigt jeden. Muslime und Nichtmuslime. Wie ist die gängige Definition von Glück im Islam und wie unterscheidet sie sich überhaupt von der Auffassung in der Psychologie?

Emotionale Belastungen oder Umweltfaktoren können oftmals unsere Seele belasten. Daher versuchen wir unser Glück und unsere Zufriedenheit immer aufrecht zu erhalten. Doch was können wir machen, wenn es doch nicht so läuft wie geplant?

„Unsere Handlungen sind von außen beobachtbar, unser Seelenleben dagegen nicht“. So lautet eine gängige Definition der Psychologie. Depressionen, Burn-Out oder Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen unserer Zeit. Meistens sind die Ursachen zu viel Stress, Überarbeitung, der immer steigende Leistungsdruck oder familiäre Probleme. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, der unzufriedene Chef oder der Druck in der Uni. Viele kleine Komponenten, die zu vielen großen Hürden führen.

Oft tun sich Menschen schwer, psychische Erkrankungen zu erkennen oder damit umzugehen. Das Leid wird als Schwäche angesehen. „Was wird mein Umfeld sagen und denken, wenn sie es erfahren?“. Daher ist es für betroffene Menschen oft unangenehm darüber zu sprechen, die Krankheit einzugestehen und sich Hilfe zu suchen. Die Angst nicht verstanden, ausgelacht, verspottet oder als Schwächling deklariert zu werden, ist hoch. Trotz rückläufiger Krankenstände in den letzten Jahren wächst der relative Anteil psychischer Erkrankungen am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen. Er kletterte in den vergangenen 40 Jahren von zwei Prozent auf 16,6 Prozent. (BKK Gesundheitsreport 2018).

Im 20. Jahrhundert mussten sich Muslime, genau wie andere religiöse Gemeinschaften rund um den Erdball auch, die Frage stellen, wie sie zur Vereinbarkeit ihrer Religion mit der Wissenschaft der Psychologie stehen. Auch wenn manche die Psychologie rundheraus ablehnen, so ist heute, zumindest auf prinzipieller Ebene, die Frage nach der Vereinbarkeit geklärt. Für viele Muslime ist der Umgang mit psychischen Erkrankungen dennoch sehr schwierig.


„Die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen“

Das Erleben umfasst unser gesamtes Innenleben: Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Entscheiden und Erinnern. Nur ein kleiner Teil findet bewusst statt (Verstand), viel mehr befindet sich in unserem Unterbewusstsein (Persönlichkeit, Wahrnehmung, Werte, Motivation). Die Psyche kann als der Ort menschlichen Fühlens und Denkens verstanden werden. Sie ist die Summe aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen.

Ziel des Islam ist es, dem Menschen Glückseligkeit sowohl in dieser als auch in der kommenden Welt zu bescheren. Dafür verlangt er von den Gläubigen, dass sie sich ihm ganz bewusst und willentlich hingeben. Die Schlüsselwörter in dieser knappen Definition sind Bewusstsein und Wille. Ohne ein intaktes Bewusstsein und ohne einen freien Willen kann der Mensch weder Verantwortung für sein Handeln übernehmen noch sich dem Islam hingeben. Der Islam ruft also grundsätzlich dazu auf, alles Nötige zu tun, um die Weiterentwicklung und den Gebrauch des Bewusstseins und des freien Willens zu fördern.

In einem Hadith heißt es, dass der Schöpfer die Menschen nicht zur Rechenschaft zieht, die seelisch krank sind (Bukhari). Als gläubiger Mensch ist es also wichtig, den Seelenfrieden zu suchen. Es ist normal, bei Gefahr oder unangenehmen Situationen unglücklich zu sein und ein depressives Verhalten zu entwickeln. Ein weiterer Punkt ist die Glückseligkeit des Menschen. Glück ist ein inneres Gefühl. Es ist die Zufriedenheit und die Behandlung der Seele. Glück ist eine Verantwortung. Der Prophet Muhammad (s) beschreibt in einem Hadith das „Glück“ als Allahs Hilfe und das Vertrauen darauf, dass das Geschehene und Erlebte immer eine Prüfung mit sich bringt. Er teilt das Glück in drei Stufen auf. Erstens: das äußerliche Glück, bestehend aus Vermögen, Macht, Prestige, Besitz und Güter. Die zweite Art von Glück stammt aus dem physischen Körper: aus seiner Gesundheit, seinem Gemütshaus und seiner Stärke. Drittens: das moralische Glück, bestehend aus dem Herzen und der Seele und bezeichnet das wahre Glück.


Die Reise zum Glück

In der Psychologie liegt der Schwerpunkt der psychologischen Forschung ganz eindeutig darauf, was uns unglücklich macht und nicht darauf, was uns glücklich macht. Außerdem wird in der Psychologie der Begriff „Glück“ eher selten gebraucht, stattdessen sprechen Forscher häufiger von „Zufriedenheit“, „Wohlbefinden“, „Sinn“, „Freude“, „Positiverfahrungen“, „Lust“ oder „Erfolg“. Psychologen definieren Glück als „eine extrem starke positive Emotion und ein vollkommener, dauerhafter Zustand intensivster Zufriedenheit“.

Ob muslimisch, oder nicht. Die Reise zur emotionalen und geistigen Zufriedenheit wird ständig von unseren Sorgen, Unruhen und Täuschungen unterbrochen. Diese Unterbrechungen sind Lektionen, aus denen wir lernen. Jeder Versuch, alle einzelnen Faktoren im Leben unter Kontrolle zu bekommen, ist sinnlos, da das Leben uns ständig mit neuen Prüfungen herausfordert. Glück oder Zufriedenheit kommt mit der Einsicht, dass nicht alles so laufen kann wie geplant und dass das ok ist. Ist man gläubig, so kann das Vertrauen auf den Plan Gottes helfen, die schwierigen Zeiten durch zu stehen. Reicht das nicht, dann ist die Therapie die beste Lösung.

 

http://www.islamiq.de/2019/07/21/wie-werde-ich-gluecklich/

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