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9:46 - September 03, 2026
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Deutsche Islamwissenschaftlerin:

Schiitischen Imamen zugeschriebene Werke: wichtige Quellen religiöser Autorität

IQNA- Eine westliche Forscherin untersuchte wie die Zuschreibung literarischer und schriftlicher Werke an schiitische Imame als Quelle religiöser Autorität fungierte.

Teresa Bernheimer promovierte in Geschichte und Politik am Khalili Research Centre in London und ist derzeit Forscherin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die Geschichte des Islam von 600 bis 1200 in den zentralen und östlichen Regionen der islamischen Welt, insbesondere Herausbildung und Kontextualisierung des Islam in der Spätantike.

 

Schiitischen Imamen zugeschriebene Werke: wichtige Quellen religiöser Autorität

 

Bernheimer forschte zur Geschichte der Schia und zum Aufstieg islamischer Eliten, insbesondere der Aliden. In jüngster Zeit interessiert sie sich für die Bedeutung von Farbe in der islamischen Geschichte und untersucht dieses Thema in religiösen Kommentaren, historiografischen Werken und islamischen wissenschaftlichen Schriften.

Sie veröffentlichte das Buch „Die Aliden: Erste Dynastie der islamischen Welt, 750–1200 n. Chr.“ (Edinburgh University Press, 2013) und gab außerdem den Aufsatzband „Spätantike: Östliche Perspektiven“ (2012) heraus.

Teresa Bernheimer untersucht als Historikerin in einem Kapitel mit dem Titel „Herrscher als Autoren: ʿAlī ibn Abī Ṭālib und die anderen zwölf Imame“, das in dem Buch „Herrscher als Autoren in der islamischen Welt“ veröffentlicht wurde, wie die Zuschreibung schriftlicher Werke an die zwölf schiitischen Imame zu einer Quelle religiöser Autorität wurde.

Anhand von Textanalysen und handschriftlichen Zeugnissen gibt sie einen Überblick über die literarischen Gattungen und Themen dieser den Imamen zugeschriebenen Werke und untersucht zugleich, was die Bezeichnung der Imame als Autoren in der schiitischen Geistestradition bedeutet.

Bernheimer sagte zu den weiter gefassten Zielen ihrer Forschung: In dem Beitrag ‚Herrscher als Autoren: Alī ibn Abi Ṭalib und die anderen zwölf Imame‘ [Friede sei mit ihnen] wollte ich zu den Diskussionen über religiöse Autorität, Autorschaft und die Entstehung maßgeblicher Texte in der islamischen Geistesgeschichte beitragen. Ich wollte untersuchen wie die Zuschreibung zahlreicher Werke an Ali ibn Abi Ṭalib und die anderen Imame in der zwölfer-schiitischen Tradition als Instrument zur Schaffung textlicher Autorität und religiöser Legitimität diente.

Sie fügte hinzu: Ich versuchte die erstaunliche Vielfalt der den Imamen zugeschriebenen Themen und literarischen Gattungen zu untersuchen sowie Zweck und Kontext dieser Zuschreibungen zu erforschen.

Sie betonte: Einige den Imamen zugeschriebene Werke sind nur durch ihre Titel bekannt; andere lassen sich anhand von Zitaten in späteren Werken rekonstruieren, während weitere in Form von Handschriften erhalten sind. Ein besonders spannendes Feld künftiger Forschung ist die Untersuchung der handschriftlichen Zeugnisse: Wann finden wir die Zuschreibung bestimmter Werke erstmals physisch in Form von Handschriften? Wie weit wurden diese Werke verbreitet? Eine genaue Untersuchung der erhaltenen Handschriften könnte dieser Argumentation eine wertvolle Dimension hinzufügen und uns helfen den historischen Weg und das spätere Leben dieser Texte nachzuzeichnen.

 

Schiitischen Imamen zugeschriebene Werke: wichtige Quellen religiöser Autorität

 

Schiitischen Imamen zugeschriebene Werke aus Sicht der deutschen Schia-Forscherin

Bernheimer beginnt ihr Kapitel mit einem Hinweis auf Ibn an-Nadims „Fehrist“, eine arabische Bibliografie aus dem 10. Jahrhundert. Das Werk nennt Imam Ali und Imam al-Baqir unter den frühen islamischen Persönlichkeiten, die mit geistiger Produktion verbunden waren, führt die meisten anderen zwölfer-schiitischen Imame jedoch nicht als Autoren auf – angesichts der zahlreichen Werke, die diesen Imamen später zugeschrieben wurden, findet Bernheimer dies erstaunlich.

Sie schreibt dazu: Diese Abwesenheit ist wirklich erstaunlich, denn die spätere islamische Tradition hat sowohl unter Sunniten als auch unter Schiiten zahlreiche Werke den zwölf Imamen zugeschrieben.

Das Kapitel will keine vollständige Liste dieser Werke vorlegen, sondern ihre Typologie anhand thematischer Kategorien untersuchen. Dazu gehören Korankommentare, Überlieferungssammlungen, juristische Abhandlungen, Bittgebete, Predigten, theologische Texte, medizinische Werke, Gedichte und sogar Schriften über die Alchemie.

Die Studie untersucht außerdem die verschiedenen Arten von Werken in denen die Imame als Autoren dargestellt werden.

Eine dieser Kategorien sind exegetische Werke in denen Persönlichkeiten wie Imam al-Bāqir und Imam as-Sādiq mit der Auslegung des Korans in Verbindung gebracht werden.

Teresa Bernheimer merkt an, dass „das exegetische Wissen über den Koran zu den zentralen Fähigkeiten gehört, die den schiitischen Imamen zugeschrieben werden“, betont jedoch zugleich, dass ihnen erstaunlich wenige vollständige Korankommentare in Form erhaltener Handschriften zugeschrieben werden.

Im Bereich der juristischen Texte verweist sie auch auf Werke wie die Imam as-Sajjad zugeschriebene „Risalat al-ḥuquq“. Bernheimer beschreibt sie als „kurze Zusammenfassung der Rechte Gottes gegenüber dem Menschen“ und schreibt, dass dieser Text in Werken aus dem 10. Jahrhundert überliefert wurde.

 

Gebetsliteratur und Predigten der Imame

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Gebetsliteratur zu deren bekanntesten Beispielen die „Sahifa Sadschadiya“ gehört, eine Sammlung von dem vierten schiitischen Imam zugeschriebenen Bittgebeten. Diese Werke sind in zahlreichen Handschriften erhalten und wurden auch in verschiedene Sprachen übersetzt.

Bernheimer widmet sich außerdem den den Imamen zugeschriebenen Predigten und Aussprüchen, unter denen das „Nahj al-balaga“ einen besonderen Platz einnimmt. Es ist eine berühmte Sammlung von Aussprüchen, Briefen und Predigten, die Imam Ali zugeschrieben und im 10. Jahrhundert von asch-Scharif ar-Radi zusammengestellt wurden.

In ihrer Zusammenfassung merkt Bernheimer an, dass die Epochen der Buyiden und Safawiden offenbar wichtige Phasen für die Festigung und Verbreitung schiitischer Texte und ihre Zuschreibung an die Imame waren.

Das Vorhandensein dieser Werke in nicht-schiitischen Bibliotheken, darunter der Aschrafiya-Bibliothek in Damaskus spiegelt wider was sie „konfessionelle Mehrdeutigkeit“ nennt – also Achtung und Verehrung der Imame, die konfessionelle Grenzen überschritt.

Das Kapitel endet mit Überlegungen zur Bedeutung einer Fortsetzung dieser Forschung, insbesondere angesichts neuer digitaler Werkzeuge, die die Untersuchung von Handschriften erleichtern können.

Bernheimer schreibt: Die neuen Forschungsmöglichkeiten, die uns die digitalen Geisteswissenschaften eröffneten, machen dieses Thema zu einem hervorragenden Feld um ein umfassenderes Verständnis nicht nur der Entstehung schiitischen Wissens, sondern auch des historischen Prozesses der Herausbildung islamischen Wissens insgesamt zu gewinnen.

 

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Stichworte: Schia ، Imame ، Werke
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