IQNA

18:26 - September 07, 2026
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Abschied von 100 Märtyrern aus Gaza – Nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen

IQNA- Am Samstag fand die Abschiedszeremonie für 100 Märtyrer aus Gaza statt die nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen worden waren. Die Familien statteten ihren Angehörigen den letzten Besuch ab.

IQNA: Am Samstag wurden schließlich die Überreste von etwa 100 Palästinensern in Gaza-Stadt vor ihre Familien gebracht. Sie waren unter den Trümmern von Häusern geborgen worden, die bei Angriffen des zionistischen Regimes zerstört worden waren und für eine um mehr als zwei Jahre verspätete Abschiedszeremonie zusammengetragen worden. (Quelle: Anadolu)

 

Abschied von 100 Märtyrern aus Gaza – Nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen

 

In der Nähe einer Moschee im Stadtteil al-Zaitun im Südosten von Gaza-Stadt waren die Leichname mit palästinensischen Flaggen bedeckt. Die Familien zündeten Kerzen an, legten Blumen nieder und bewegten sich zwischen den Bildern und Namen getöteter Kinder, Frauen, Männer und älterer Menschen.

Manche suchten nach Angehörigen, die sie seit der Bombardierung ihrer Häuser nicht mehr gesehen hatten. Andere standen bei Überresten, die – abgesehen von den Merkmalen, die ihre Identifizierung ermöglichten – kaum Ähnlichkeit mit den Menschen hatten an die sie sich erinnerten.

Diese Überreste wurden in den vergangenen Tagen von den Zivilschutzkräften Gazas unter den Häusern mehrerer Familien geborgen. Die Operation ist Teil eines Plans zur Bergung der Leichname von Palästinensern, die im Verlauf des Völkermordkriegs des zionistischen Regimes gegen Gaza weiterhin unter zerstörten Gebäuden begraben liegen.

Die Zivilschutzkräfte arbeiten lediglich mit einer begrenzten Zahl von Baggern und veralteter Ausrüstung, da das zionistische Regime Einfuhr der für die Trümmerbeseitigung und Bergung der Leichname benötigten Maschinen beschränkt.

 

Abschied von 100 Märtyrern aus Gaza – Nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen

 

Mein ganzes Leben zerstört

Unter den Trauernden steht Maryam Hasan al-Balawi vor den Leichnamen von Familienmitgliedern auf deren Auffindung sie jahrelang gewartet hatte.

Al-Balawi sagte: Mein Mann und meine Kinder wurden getötet. Mir blieb niemand außer meiner einzigen Tochter Malak.

Sie sagte: Mein ganzes Leben ist zerstört! Mein Mann und meine Kinder sind fort! Mir blieb kein Leben mehr geblieben! Malak weint noch immer jeden Tag um ihren Vater, ihre Schwester und ihre Brüder.

Al-Balawi erinnerte sich auch an den letzten Wunsch ihres Mannes vor seinem Tod. Er hatte zu ihr gesagt: Wenn ich sterbe, dann hülle du mich selbst in mein Leichentuch und bestatte mich mit deinen eigenen Händen.

Mehr als zwei Jahre lang konnte sie diesen Wunsch nicht erfüllen!

 

Abschied von 100 Märtyrern aus Gaza – Nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen

 

Sie sagte: Was hätte ich tun können? Mein Haus ist zerstört, meine Kinder sind fort, mein Leben ist zerstört.

Dennoch brachte die Bergung der Überreste nach Jahren al-Balawi ein wenig Ruhe – nach Jahren in denen sie immer wieder zu den Trümmern zurückgekehrt war, unter denen ihre Familie weiterhin begraben lag.

Sie sagte: Als sie sie herausbrachten, verspürte ich ein wenig Erleichterung, als wäre auch meine Seele gemeinsam mit ihnen unter den Trümmern hervorgekommen.

Sie fügte hinzu: Jeden Tag ging ich dorthin und sagte: Gott! Lass sie herauskommen damit ich sie sehen kann! Heute nachdem sie sie herausgebracht haben, verspüre ich ein wenig Ruhe.

Für al-Balawi lastet ein großer Teil dieses Leids weiterhin auf Malak.

Sie fragte: Was hatte meine Tochter getan um so etwas zu verdienen? Sie weint jeden Tag! Sie will ihren Vater, ihre Brüder und ihre Schwestern! Meine Tochter sagt: ‚Papa! Was hab ich getan? Warum haben sie sie bombardiert? Sie hatten nichts getan!‘“

 

Abschied von 100 Märtyrern aus Gaza – Nach zwei Jahren unter den Trümmern geborgen

 

Einzige Überlebende

Jadallah Rahim stand in der Nähe des Ortes neben den Überresten von 32 seiner Angehörigen, die beim Angriff auf ihr Haus am 19. Februar 2024 getötet worden waren.

Er sagte, dass mehr als 15 der Opfer Kinder sind und etwa zehn Frauen.

Rahim sagte: Ihr einziges Verbrechen bestand darin, dass sie in ihren Häusern geblieben waren. Plötzlich wurde das Haus bombardiert und sie alle in einem Augenblick getötet.

Rahim zufolge befanden sich 33 Menschen im Haus. Er zeigte auf ein Mädchen in der Nähe und sagte: Sie war die 33. und die einzige Überlebende!

Die anderen blieben etwa zweieinhalb Jahre unter dem zerstörten Haus bis die Zivilschutzkräfte nach tagelangen Grabungen mit begrenzter Ausrüstung schließlich zu ihnen vordringen konnten.

Während Rahim auf die neben den Überresten angebrachten Namen blickte betonte er, dass die Menschen vor ihm nicht bloß Opferzahlen sind.

Er sagte: Das sind keine Zahlen. Schaut auf ihre Namen! Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen!

Die Bergung der Leichname beendete ein Warten, riss jedoch eine andere Wunde wieder auf.

Rahim sagte: Das ist keine Freude! Die Trauer ist zurück! Der Schmerz ist zurück! Die Tränen flossen wieder!

Er zeigte auf ein junges Mädchen zwischen den Überresten seiner Familienmitglieder bewegend und sagte: Es verlor seinen Vater, seine Mutter, seine Schwestern und seine Brüder.

Er sagte: Heute geht sie zwischen ihnen umher und weint um ihren Großvater, ihren Vater, ihre Mutter, ihren Bruder, ihre Schwester und ihre Großmutter.

Aus Rahims Sicht bedeutete die Bergung der Verstorbenen jedoch, dass sie nach Jahren unter den Trümmern endlich bestattet werden konnten.

Als die Dunkelheit über al-Zaitun hereinbrach brannten die Kerzen neben den Reihen der Überreste weiter – zwischen Blumen, Flaggen Palästinas und Familien die jahrelang auf diesen Augenblick gewartet hatten.

Heute Morgen bestatteten die Familien ihre Angehörigen in einer großen Trauerfeier.

 

Rückkehr in die Arme der Angehörigen

Die zweite Phase des Zivilschutzplans zur Bergung der Leichname umfasst 147 zerstörte Häuser in Gaza-Stadt sowie in den nördlichen und zentralen Teilen des Gazastreifens. Schätzungen zufolge liegen die Leichname von 1.072 Menschen weiterhin unter den Trümmern dieser Gebiete.

In der ersten Phase dieses im November 2025 begonnenen Plans konnten die Rettungskräfte etwa 333 Leichname und menschliche Überreste aus den Trümmern von 54 zerstörten Häusern und Gebäuden bergen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza hat der Völkermordkrieg des zionistischen Regimes gegen Gaza seit Oktober 2023 mindestens 73.651 Palästinenser getötet und 174.575 verletzt.

Für die Familien von al-Zaitun erzählen diese Zahlen jedoch nur einen Teil der Wirklichkeit, denn nach mehr als zwei Jahren unter den Trümmern kehrten ihre verlorenen Angehörigen schließlich nach Hause zurück.

 

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