IQNA- Mit dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September sorgen sich die Muslime dieses Bundesstaats über zunehmende Islamfeindlichkeit.
IQNA: Mohammed Abdullah erlebte die Ereignisse des 11. September aus einem Klassenraum einer Highschool in Atlanta mit. Ein Lehrer schaltete den Fernseher ein. Die Schüler saßen fassungslos da und versuchten zu verstehen was da geschah. (Quelle: Dallas News)

Bald begannen die Spötteleien. Schüler sagten scherzhaft, er und andere Muslime seien Bombenleger. Auf dem Flur riss eine Gruppe Jungen einem Mädchen das Kopftuch vom Kopf. Abdullah erkannte, dass seine Religion unter Beobachtung stand.
25 Jahre nach diesem Anschlag einer extremistischen Terrorgruppe nimmt die Islamfeindlichkeit wieder zu. Abdullah und andere Muslime in Nordtexas sagen jedoch, dass die Rhetorik besorgniserregender und bösartiger wurde als das was viele nach dem 11. September erlebten. Texas ist die Heimat einer wachsenden muslimischen Bevölkerung.
Für viele Rechte wurde der Islam zu einem zentralen Anliegen. Eine Gruppe von Influencern in sozialen Medien und gewählten Republikanern des Bundesstaats warnte vor einer „Islamisierung Texas“, einer politischen Erzählung mit der hohlen Behauptung der Übernahme der Stadt durch Muslime.
Der 41-jährige Abdullah ist heute Imam der Masjid al-Islam im Süden von Dallas in einer der ältesten Moscheen in Texas und sagte: Das ist ein politisches Schauspiel. USA hat immer ein Opfer und derzeit sind wir dieses!
Etwa ein bis zwei Prozent der Texaner bezeichnen sich als Muslime. Je nach Schätzung sind das 300.000 bis 500.000 der 32 Millionen Einwohner des Bundesstaats. Dallas-Fort Worth wurde mit seiner dynamischen Wirtschaft und vergleichsweise erschwinglichem Wohnraum zu einem attraktiven Ort für muslimische Familien in Texas. In der Region leben mehr als 110.000 Muslime und dort gibt es Dutzende Moscheen.
Da der Jahrestag des Terroranschlags auf einen heiligen Wochentag im Islam, den Freitag, fällt, sind die Moscheen al-Islam und die Moscheen der Region in erhöhter Alarmbereitschaft. Vor einer Moschee in Plano soll eine bewaffnete Demonstration gegen Muslime stattfinden. Muslimische Verantwortliche warnten, dass weitere Proteste möglich sein können.
Dennoch wollen sich die Moscheen der gesamten Region mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen zum Freitagsgebet versammeln. Viele stellten zusätzliche Wachleute ein und installierten Kameras nachdem verbale Angriffe auf Muslime zugenommen hatten, die in Parks beten, eine Moschee betreten oder Lebensmittel einkaufen.
Die in der Region Dallas tätige Anwältin Maryam al-Din vertritt Muslime in Diskriminierungsfällen vertritt und sagte, dass vieles von dem was geschieht an die Folgen des 11. September erinnert: Misstrauen, Hass, Mobbing, Überwachung und Probleme am Arbeitsplatz.
Sie sagte: Was für mich anders ist, sind die Quelle, Institutionalisierung und politische Legitimation mancher Feindseligkeiten.
Bei der Vorwahl im März wurden die Republikaner in Texas gefragt ob der Bundesstaat das Schariarecht verbieten sollte. Fast 95 Prozent antworteten mit Ja! Einige Republikaner bezeichneten die islamische Scharia als unvereinbar mit den Werten der USA. Die Republikanische Partei verabschiedete eine entsprechende Resolution als Teil ihres offiziellen Programms.
Allein in diesem Jahr wurde eine muslimische Schulleiterin an einer Highschool in Fort Worth wenige Tage nach Bekanntgabe ihrer Einstellung versetzt nachdem ein Foto von ihr mit Kopftuch eine Welle des Online-Hasses ausgelöst hatte. In Conroe bei Houston sagte eine Frau im medizinischen Kittel zu zwei muslimischen Frauen: „Sie sind hier nicht willkommen“ und „Das ist kein muslimisches Land.“ Nach der weiten Verbreitung eines Videos des Vorfalls verlor die Frau ihre Stelle, erhielt aber von Unterstützern fast 250.000 Dollar an Spenden.
Der Bildungsausschuss von Texas verabschiedete in diesem Monat einen aktualisierten Lehrplan für Sozialkunde und Geschichte. Darin wird der Islam mit Gewalt und Sklaverei verbunden, während Einzelheiten über muslimische Beiträge zur Algebra und Astronomie gestrichen wurden.
Der republikanische Gouverneur Greg Abbott drohte staatliche Mittel für Städte und Organisationen zu streichen, die muslimische Gruppen aufnehmen. Im vergangenen Monat strich der internationale Flughafen Dallas/Fort Worth nach der Drohung des Gouverneurs die Finanzierung zu kürzen Pläne für neue Waschstationen für muslimische Reisende.
Die gemeinnützige Organisation für die Rechte von Muslimen Council on American-Islamic Relations erhielt im vergangenen Jahr 8.683 Beschwerden über Bürgerrechtsverletzungen. Das war seit 1996 beispiellos. Der Bericht des Rates bezeichnete Texas als Brennpunkt der Gewalt. Abbott stufte den Rat im vergangenen Jahr als ausländische Terrororganisation ein.
Die öffentliche Einstellung zum Islam veränderte sich seit dem 11. September. Einer neuen Studie des Pew Research Center zufolge ist sie heute in mancher Hinsicht negativer als unmittelbar nach dem Anschlag. Im März 2002, sechs Monate danach, sagte ein Viertel der erwachsenen Amerikaner, dass der Islam stärker als andere Religionen dazu neige Gewalt zu fördern. Anfang dieses Jahres vertrat mehr als die Hälfte der Befragten diese Ansicht.
Politisch zeigt sich hier eine starke Spaltung, wie Pew-Zahlen belegen. Rund 76 Prozent der Republikaner und rechtsgerichteten Wähler sagten, dass diese Religion wahrscheinlich Gewalt fördere. Bei Demokraten und linksgerichteten Wählern waren es 29 Prozent.
Einige Republikaner in Texas vertreten die Auffassung, dass der Islam sei überhaupt keine Religion sei, sondern politische Ideologie und schlugen ein Gesetz vor ihn so zu definieren. Ihrer Ansicht nach könnten Städte und Landkreise dadurch unter Umgehung der Religionsfreiheitsgesetze Moscheen verbieten. Andere schlugen ein Verbot islamischer Kleidung wie des islamischen Kopftuchs und Einschränkungen für muslimische Berufszulassungen vor.
Der Rechtsprofessor an der Arizona State University und Forscher zur Islamfeindlichkeit Khaled Beydoun sagte: Islamfeindlichkeit wandelte sich von Terrorismusvorwürfen zu einem Kulturkrieg. Jetzt sagen die Menschen: Wir wollen nicht, dass Muslime kommen, unsere Lebensweise verändern und Kontrolle übernehmen.
Er fügte hinzu: Wie Rassismus kann sich Islamfeindlichkeit mit den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Mächtigen verbinden.
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