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10:32 - December 23, 2018
Nachrichten-ID: 3000566
Der Krieg und die Hungerkatastrophe im Jemen werden uns als erneuter Kampf zwischen dem Iran und Saudi-Arabien vorgestellt. Man liest regelmäßig, dass sowohl die US-geführte Koalition als auch die Ansarullah und die verbündeten Teile der jemenitischen Armee zum Leid der Zivilisten beitragen. Doch was versucht das saudische Königshaus wirklich im Jemen zu erreichen und wie wird der Konflikt ausgehen? Ein Artikel von Jafar Bilal

Der Krieg und die Hungerkatastrophe im Jemen werden uns als erneuter Kampf zwischen dem Iran und Saudi-Arabien vorgestellt. Man liest regelmäßig, dass sowohl die US-geführte Koalition als auch die Ansarullah und die verbündeten Teile der jemenitischen Armee zum Leid der Zivilisten beitragen. Doch was versucht das saudische Königshaus wirklich im Jemen zu erreichen und wie wird der Konflikt ausgehen?


Geschichte des Jemen

Zunächst müssen wir uns, um den Jemenkrieg bzw. die Jemenkrise zu verstehen, mit der jüngeren Geschichte des Landes auseinandersetzen. Der für uns wichtige Teil beginnt Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts. Nach vielen Bürgerkriegen wollte Saudi-Arabien das ohnehin geschwächte Land weiter destabilisieren. Durch Einflussnahme auf Moscheen und Schulen versuchte die saudische Regierung, die Bevölkerung zu indoktrinieren, durch Bestechungsgelder Politiker zu manipulieren und den Wahhabismus zu verbreiten. Der Widerstand dagegen sammelte sich um die Bewegung von Sayyid Hussein Badruddin al-Huthi, dem 2004 ermordeten Bruder des heutigen Oberhaupts der Bewegung. Alle Bemühungen der USA, die Stimme der Gerechtigkeit verstummen zu lassen, ob es die Ermordung Sayyid Husseins, das Anfachen von Bürgerkriegen oder das Einsetzen von Terrormilizen war, scheiterten, denn 2014 erhob sich das Volk und wehrte sich gegen die Unterdrücker und sie waren mit Gottes Hilfe siegreich. Der gestürzte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh nach Saudi-Arabien ins Exil, hatte jedoch noch vereinzelte Unterstützer im Jemen.


Die Situation heute

Wie erwartet wollten die westlichen Mächte und ihre verbündeten Diktaturen in der Region verhindern, dass ein Land von solch strategischer Wichtigkeit in den Händen des eigenen Volkes bleibt und nicht von außen gelenkt und ausgebeutet wird. So begann der Krieg, der nun fast vier Jahre andauert. Die sogenannten Houthi-Rebellen waren und sind zahlenmäßig sowie materiell der Koalition, die aus vielen arabischen und afrikanischen Ländern besteht, unterlegen. Trotz der hungernden Bevölkerung, der Handelseinschränkungen und der geringen Anzahl an Verbündeten erzielt das jemenitische Volk viele Siege. Man stelle sich vor: Eine Gruppe von Gläubigen, die kaum etwas haben außer ihrem Vertrauen zu Allah, hält gegen eine internationale Koalition, die Zugang zu allen erdenklichen modernen Waffensystemen hat und gefühlt unendliche Geldquellen besitzt, nicht nur stand, sondern erobert stetig neue Gebiete des jemenitischen Volkes zurück und denkt dabei niemals ans Kapitulieren. Die Feinde dagegen verlieren ständig. Anderes ist auch nicht zu erwarten, wenn man Verräter einsetzt, deren einzige Motivation und Hoffnung ein Haufen saudischer Rial ist, für den sie ihr Land, Volk und sogar ihre eigene Familie verkaufen.

Der Sieg ist aber nicht auf den militärischen und ethischen Bereich begrenzt, sondern erstreckt sich darüber hinaus auf den technischen und wissenschaftlichen. Bereits in den ersten Jahren gab es große Erfolge bei der Entwicklung und Produktion eigener Raketen. Im vierten Jahr, oder dem „Jahr der Raketen“, so vom jemenitischen Widerstand bezeichnet, schreitet die Innovation bei der Entwicklung der ballistischen Kurzstreckenrakete des Typs Badr 1-P voran und erreicht nunmehr eine Präzision von 3 Metern. Bin Salman und seinesgleichen demonstrieren dagegen ihre Abhängigkeit, denn sie haben keine selbst entwickelten Waffen und kaufen diese ausschließlich im Ausland. Die Länder, die sich wirklich gegen die internationalen Tyrannen verteidigen, zeigen regelmäßig, dass sie weder ausländische Waffen noch Güter oder Technologien brauchen, um sich zu wehren und standzuhalten.

Auch mangelt es den saudischen Soldaten und ihren Söldnern an Kampfmoral. Die revolutionären Jemeniten strotzen dagegen vor Disziplin im Angesicht ihrer Feinde: Ich übertreibe keineswegs, wenn ich sage, dass der Krieg, der mit der Invasion Saudi-Arabiens begonnen hat, von den ersten Stunden an kein Guerilla-Krieg war, wie man es bei Unterzahl der Jemeniten erwarten würde. Die Kämpfer haben sich dem Feind stets mutig gestellt.


Warum das alles?

Die Verluste des Königreichs sickern an die Öffentlichkeit durch und sind sehr hoch. Wenn in einem Monat um die 70 Fahrzeuge zerstört und in zwei Wochen mehr als 600 Kämpfer getötet und verletzt werden, fragt man sich, weshalb Saudi-Arabien all diese Kosten und Bemühungen auf sich nimmt. Die Frage müsste jedoch viel eher lauten, welche Ziele die USA hier verfolgen, denn es ist deutlich, dass die Königsfamilie nicht mehr als eine Marionette Trumps ist. Sie tun alles, um weiterhin Diktatoren zu bleiben, und brauchen dabei die Hilfe Amerikas. Deren Interessen wiederum sind weniger als sonst nur Öl oder Bodenschätze, sondern die wichtige Position am Arabischen Meer, insbesondere die strategische Meeresenge Bab al-Mandeb. Zusammen mit der Straße von Hormus, die unter anderem an der Islamischen Republik liegt, sowie dem Suezkanal sind diese Orte von enormer Wichtigkeit für den weltweiten Öltransport. Wenn diese Orte in der Hand von freien und gerechten Regierungen lägen, dann wäre dies ein schwerer Schlag für die USA. Ohne Öl aus dem Nahen Osten würde die USA eine riesige Einkommensquelle verlieren.


Wer trägt Schuld?

Es ist mehr als deutlich, dass die komplette Schuld bei den Herrschern Saudi-Arabiens bzw. den hinter ihnen stehenden USA liegt. Revolutionäre Gedanken, die Freiheit anzustreben und sich niemandem außer Allah zu unterwerfen, wurden von Anfang an sowohl militärisch als auch ideologisch sehr hart bekämpft, immer unter falschen Vorwänden. Heute hat sich nicht viel geändert: Nicht nur die Truppen der Koalition selbst versuchen ihre aussichtslose Niederlage in den Sozialen Medien und auf deren Propaganda-Kanälen als kompletten Sieg zu feiern – auch scheinbar seriöse deutsche Medien sprechen von absurdesten Vorwürfen gegen die „Rebellen„ – von Kidnapping über Drogenhandel ist alles dabei. Doch sie merken selbst, dass sie zumindest einen Teil der Schuld auf ihre Verbündeten schieben müssen, denn heute können selbst Europa und die USA die Herrscherfamilie wegen der zahlreichen Affären nicht mehr in Schutz nehmen.


Wie wird der Krieg ausgehen?

Allah hat seinen Anhängern den Sieg versprochen und so können wir uns absolut sicher sein, dass dieser Krieg mit einem eindeutigen Sieg für das jemenitische Volk ausgehen wird. Viele Aspekte erinnern an die Islamische Revolution im Iran, welche ebenfalls kurze Zeit nach dem Sieg des Volkes von dem Nachbarland mit internationaler Unterstützung überfallen und trotz Sanktionen gesiegt hat und heute frei und gerecht leben kann. Früher oder später erwartet alle Völker, die nach wahrer Gerechtigkeit streben und sich der Unterdrückung widersetzen, eine ähnliche Zukunft, auch wenn dies erst mit dem Erscheinen Imam Mahdis (a.) eintreten sollte. Letztendlich liegt es in unserer Hand, uns für die Ankunft des Imams der Zeit vorzubereiten, und sei es nur durch ein kurzes Bittgebet. Denn nur durch ihn werden wir die wahre Gerechtigkeit erleben.

 

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