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Verschleierte Wissenschaftlerin: Von Erforschung Einsteins bis zur Entdeckung von Galaxien

10:31 - May 08, 2023
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Teheran (IQNA)- Burçin Mutlu-Pakdil ist eine verschleierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Astronomie aus der Türkei. Anfang 2018 schlug sie Wellen und wurde berühmt, als sie eine neue Galaxie entdeckte, die nach ihr benannt wurde.

Laut IQNA ist eines der Themen, das die Aufmerksamkeit der Medien in der heutigen Welt auf sich zog die Präsenz verschleierter Frauen in verschiedenen sozialen und wissenschaftlichen Bereichen.

Trotz des wachsenden Widerstands im Westen gegen Anwesenheit von muslimischer Frauen, die  islamische Kopftücher genannt Hijab in der Gesellschaft tragen hatten muslimische Frauen in den letzten Jahren eine positive Präsenz auf der ganzen Welt.

Der Status verschleierter muslimischer Frauen in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen ebnete den Weg für ihre größere Präsenz in der Gesellschaft und diese Frauen können in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen berühmt werden, indem sie traditionelle Stereotypen und engstirnige durch religiöse Vorurteile verursachte Ansichten überwinden.

Die Astronomie ist eine der Wissenschaften, die als Männerwissenschaft bekannt ist und selten Anwesenheit von Frauen in ihren verschiedenen Abteilungen erlebte. Trotz alledem gelang es einer muslimischen Frau genau in diesem rein männlichen Bereich große Erfolge zu erzielen.

 

Vom Nahen Osten zum Studium der Galaxien

Burçin Mutlu-Pakdil ist eine der erfolgreichsten muslimischen Frauen auf dem Gebiet der Astrologie. Sie schlug Anfang 2018 Wellen als sie eine neue Galaxie entdeckte, die nach ihr benannt wurde.

Mutlu-Pakdil wuchs in der Türkei auf, wo sie die Physik und den Nachthimmel liebte. Sie besuchte die Beşiktaş Atatürk Anatolian High School und war die erste Generation in ihrer Familie, die aufs College ging.

In der auf ihrer Website verfassten Biographie beschreibt Mutlo-Pakdel selbst ihre Lebensumstände wie folgt: „Meine Großeltern waren Bauern in Kleinstädten und hatten nicht einmal die Chance überhaupt Lesen und Schreiben zu lernen. Meine Eltern sind in diesen kleinen Städten aufgewachsen. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks wurde von ihnen erwartet ihre Familien zu unterstützen. In jenen Jahren studierten die meisten Studenten in ihrer Stadt bis zum 18. Lebensjahr. Sie hatten keine Vorbilder oder Unterstützung von ihren Eltern und waren meist mit Haus- oder Landarbeit beschäftigt.“

 

Verschleierte Wissenschaftlerin: Von Erforschung Einsteins bis zur Entdeckung von Galaxien

 

Über ihren Vater sagt sie: „Mein Vater war anders, weil er so erfolgreich war, dass er seine Grundschulausbildung abschließen konnte. Doch leider musste er die Schule nach der fünften Klasse abbrechen, um sich um seine Eltern zu kümmern. Auch meine Mutter brach die Schule nach der fünften Klasse ab, weil Frauen in ihrer Kleinstadt keine höhere Bildung haben sollten als Männer. Die Erfahrungen meiner Eltern inspirierten mich dazu alles zu tun, um meine Träume zu verwirklichen, aber mein Weg war nicht einfach. Meine Familie wurde dafür kritisiert, dass sie mir überhaupt erlaubt hat, dass ich zu meiner Ausbildung gehe, weil junge Frauen nicht getrennt von ihren Familien leben sollten.“

Mutlu-Pakdil interessierte sich zum ersten Mal für Astronomie für eine Aufgabe in der Mittelschule, als sie gebeten wurde, einen Aufsatz über ihre ideale Person zu schreiben. Anfangs hatte sie keine bestimmte Person im Kopf aber sie wusste, dass sie in Zukunft der klügste Mensch der Welt werden wollte. Ihre Schwester schlug ihr vor, über Albert Einstein zu recherchieren, was Pakdel dazu veranlasste Einsteins Biographie zu lesen. Je mehr sie Physik studierte desto mehr faszinierten ihr Schwarze Löcher, Galaxien und das Universum. Diese Aufgabe war der Beginn ihres Weges zum „Astrophysiker“.

Mutlu-Pakdil studierte Physik an der Bilkent University in der Türkei und zog nach ihrem Abschluss in die Vereinigten Staaten, um einen Master an der Texas Tech University zu absolvieren. Anschließend promovierte sie in Astrophysik an der University of Minnesota, wo sie die Beziehung zwischen Galaxien und Schwarzen Löchern untersuchte.

 

Erfolge nacheinander erzielt

Nach drei Jahren Postdoc-Forschung an der University of Arizona wurde Dr. Pakdil Mitglied der Science Foundation und des Kavli Institute for Cosmological Physics an der University of Chicago wo sie weiterhin die Entstehung und Entwicklung von Galaxien erforschte.

Mutu-Pakdil verwendete Daten des Hubble-Weltraumteleskops, des Magellan-Teleskops und des Subaru-Teleskops, um die schwächsten und kleinsten Galaxien im Universum zu finden und zu beobachten. Diese Galaxien sind die ältesten und dunkelsten Sternensysteme, die Dunkle Materie enthalten und liefern somit Hinweise auf die Natur der Dunklen Materie und die Entstehung von Galaxien im kleinen Maßstab.

„Als Frau, die Physik studiert, fühlte ich mich wie eine Außenseiterin und musste mir selbst beibringen, mich nicht um Meinungen zu kümmern“, sagte die in der Türkei geborene Wissenschaftlerin 2018 in einem Interview mit National Geography über ihre Ausbildung. „Und mich nur auf meine Leidenschaft zu konzentrieren.“

Als sie auf dem College war, durften Frauen in der Türkei während des Studiums kein islamisches Kopftuch tragen.

Sie sagte: „Ich trug einen Hut und suchte nach Möglichkeitenirgendwie meinen Hijab (islamische Kopfbedeckung) zu behalten, aber es war besorgniserregend. Ich war in einem neuen Land und vieles war anders. Aber ich selbst zu sein und mich anziehen zu können, wie ich seilbst wollte machte mich glücklicher, obwohl es andere Probleme gab mit denen ich mich befassen musste.“

 

Verschleierte Wissenschaftlerin: Von Erforschung Einsteins bis zur Entdeckung von Galaxien

 

Ehrungen und Bemühungen für größere Wirkung in der Wissenschaft

Mutlu-Pakdil erhielt im Laufe ihrer Karriere viele Auszeichnungen darunter die Ernennung zu einer der 10 besten Persönlichkeiten der Welt, Erhalt eines TED-Stipendiums im Jahr 2018 und eines TED-Senior-Fellows im Jahr 2020.

Sie wurde in National Geographic, dem Magazin Marie Claire und dem Dokumentarfilm Breakthrough: Portraits of Women in Science vorgestellt und ihr TED-Vortrag wurde über 2,5 Millionen Mal angesehen.

Mutlu-Pakdil entdeckte während ihrer Doktorarbeit die Galaxie PGC 1000714, die den Spitznamen „Burçin“-Galaxie trägt. Es ist eine sehr seltene elliptische Doppelringgalaxie und ihre Entdeckung sorgte für breite Berichterstattung in den Medien.

Während Mutlu-Pakdil und ihr Team dieses faszinierende Objekt weiter studieren hofft sie, dass ihre Arbeit und ihre Geschichte andere Einwanderer und Studenten inspirieren werden.

 

Blick auf das Leben einer muslimischen Frau, die eine Galaxie entdeckte

„Wenn ich in Schulen eingeladen werde oder wenn Leute mich über soziale Medien kontaktieren betone ich immer, dass man sich von äußerem Druck nicht von seiner wissenschaftlichen Neugier abhalten lassen sollte“, sagt sie. „Der Weg ist vielleicht nicht einfach, aber man muss seiner Leidenschaft folgen.“

Pakdil stellt klar: Auch das ist das Gesetz des Lebens doch dem ist nicht so. Vielleicht haben Sie beim ersten Versuch nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, aber jedes Mal, wenn du versagst, stehst du auf und versuchst es erneut und schließlich erreichst du das Ziel.

Bericht: Mohammad Hasan Gudarzi

Übersetzung auf Deutsch: Stephan Schäfer

 

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