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Wie walisische Muslime die erste Moschee in der Grafschaft Pembokeshire errichtet hatten

10:02 - June 25, 2023
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LONDON (IQNA) – Im folgenden Bericht wird ein schneller Blick daraufgeworfen, wie es der muslimischen Gemeinde in der walisischen Grafschaft Pembrokeshire gelungen war, den ersten muslimischen Gebetsplatz in dieser Grafschaft zu errichten.

Es ist etwas über ein Jahr her, dass das alte Steuerbüro eines südwalisischen Marktfleckens zu einer Moschee geworden ist. Das einst verfallene Gebäude bietet nun für Muslime aus Pembrokeshire soviel Platz, dass mehr Leute als zuvor zum Gottesdienst erscheinen.

Die Zentralmoschee Haverfordwest ist der erste offizielle Gebetsplatz für Muslime in Pembrokeshire. Davor war der einzige Platz für das Gemeinschaftsgebet 25 Jahre lang ein Raum über einem indischen Restaurant gewesen, der dreißig Leute fasste und mit anderen geteilt werden musste. Davor mussten die Muslime 60 Meilen weit nach Swansea fahren. Die neue Mosche zieht bis zu 200 Leute an.

Die islamische Gesellschaft von Haverfordwest war mit der Erweiterung des Withybush-Krankenhauses, in welchem viele Leute aus Übersee beschäftigt sind, gewachsen. Zudem arbeiten dort auch internationale Studenten, die das Pembrokeshire-College besuchen. Zudem hatte es in den letzten Jahren einen Boom an türkischen Friseurgeschäften gegeben.

Dadurch, dass mehr Muslime in das Land gezogen kamen, wurde ein passenderer Gebetsplatz nötig. Abul Hossein (48 Jahre), der Eigentümer des indischen Restaurants, dessen Vater den Gebetsraum eingerichtet hatte, sagte: „Ich erinnere mich, dass ich auf der Treppe zu beten hatte, weil es so voll gewesen war.“

Während des Covid-Lockdowns hatte der Gebetsraum schließen müssen, wodurch die muslimische Gemeinde keinen Platz zum Gebet mehr hatte. Hierdurch war dem voluntären Imam Mustafa Yunis (45 Jahre) die Idee gekommen, Spendengelder für einen neuen und viel größeren Gebetsraum zu sammeln.

Imam Yunis hatte eine Spendenaktion in das Leben gerufen, um das alte Steuerbüro vom Rat der Grafschaft Pembrokeshire abzukaufen, wozu er ein Zeichentrickvideo erstellt und in Umlauf gebracht hatte. Auf dem Video erzählen Kinderstimmen die Geschichte der muslimischen Gemeinde dieser Stadt.

Mustafa erinnerte sich, dass von aller Art Plätzen kleine Spenden eingegangen waren: „Zehn Pfund aus Cornwall, Plymouth, Scotland, Newcastle, von überall her aus Wales, Amerika, aus allen Lebensrichtungen, Christen, Buddhisten und Religionslosen. Es war ein erstaunliches Ereignis gewesen.“

Heute ist die Moschee nicht nur ein Gebetsplatz, sondern auch ein Gemeindezentrum für ein weiteres Gebiet, in welchem einige Aktivitäten angeboten werden, wie zum Beispiel Selbstverteidigung, ein gut besuchter Jugendclub, eine Tagesstätte für Kleinkinder, ein Platz, an welchem sich Frauen treffen können sowie Englischkurse für Flüchtlinge, die in Wales ansässig geworden sind.

Sajida Madni (43 Jahre), eine Sachwalterin und eine der treibenden Kräfte hinter der neuen Moschee, hatte eng mit Imam Yunis voluntär zusammengearbeitet, um den Fortschritt zu sehen. Sie sagte: „Wir sind überrascht, wie erfolgreich alles geworden ist. Wir hatten 30 bis 40 Leute gehabt, die regelmäßig in der Wohnung über uns gebetet hatten. Jetzt haben wir 200 Leute, die zum Freitagsgebet und 300, die zu Eid kommen. Es war ein Segen.“

Obwohl die muslimische Bevölkerung in Pembrokeshire etwas unter 600 beträgt, kommen viele aus allen Teilen des Vereinigten Königreichs, um die Grafschaft am Meer und seine neue Moschee zu besuchen. Da so viele Jugentliche aus den benachbarten Städten in den Jugendclub kommen, braucht die Moschee mehr Helfer, um mit der Situation zurechzukommen.

Sowohl Imam Yunis als auch Frau Madni leben schon seit über zehn Jahren mit ihren Familien in Pembrokeshire, nachdem sie aus Birmingham weggezogen waren: „Ich habe mich in diesen Ort verliebt und dann wurden aus einem Jahr zehn Jahre.“

Imam Yunis hat seine eigene Erklärung, warum so viele Muslime nach Pembrokeshire kommen: „Ich finde, dass der unglaublichste Weg, Gott zu gedenken, ist, wenn man durch die Natur geht und die Vögel, das Meer und den Himmel sieht, und es gibt dafür keinen Ort, der wie Pembrokeshire ist. Es ist ein unglaublich spiritueller Ort. Ich vermute, dass er deswegen schon immer ein Pilgerort gewesen ist. Wir haben die St. Davids-Kathedrale, und das Material von Stonehenge kommt aus Pembrokeshire. Zudem kommen die Touristen jedes Jahr wie bei einer Pilgerfahrt an die Strände.“

Nach etwas mehr als einem Jahr hatte die Moschee alle Erwartungen überschritten und hatte der muslimischen Gemeinde der Grafschaft spirituellen Zusammenhalt gegeben, wobei eine neue Generation von Gläubigen großgeworden ist, die an einem Ort gelernt hat, der ihr gehört.

Mr. Hossein sagte: „Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass wenn man in eine Moschee geht und keine lärmenden Kinder herumrennen, dann heißt das, dass es keine weitere Generation geben wird, die in die Moschee kommt. Daher ermutigen wir Familien zu kommen.“

Die Zukunft siehr für die islamische Gemeinde in Pembrokeshire und die größere Gemeinde optimistisch aus. Es gibt Pläne, Unternehmen, die von Flüchtlingen geleitet werden sollen, zu gründen, sowie mehr jugendorientierte Lernzentren und Unterrichtspätze.

Imam Yunis sagte: „Das ist nur der Anfang. Es sind nur die frühen Tage, und die Menschen sind noch nicht damit vertraut, was eine Moschee eigentlich ist. Wir möchten, dass die Leute realisieren, dass wir eine gute Arbeit machen, dass wir eine sichere Gemeinschaft sind und jeden willkommen heißen. Die Vision ist lang, aber in 12 bis 14 Monaten haben wir schon viel erreicht.“

Quelle: religionmediacentre.org.uk

 

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Stichworte: Pembrokeshire
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