
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen
«وَإِذَا حَكَمْتُم بَيْنَ النَّاسِ أَنْ تَحْكُمُوا بِالْعَدْلِ» (نساء: ۵۸)
„Und wenn ihr zwischen den Menschen richtet, dann richtet in Gerechtigkeit.“ (Sure An‑Nisā’, Vers 58)
An die ehrenwerte Gelehrtenleitung der ehrwürdigen Institution Al-Azhar und die verehrten Gelehrten dieser angesehenen Einrichtung
Mit Gruß und Respekt,
Zu Beginn halte ich es für notwendig auf die erhabene wissenschaftliche und religiöse Stellung der ehrwürdigen Al-Azhar als eine der wichtigsten religiösen Instanzen der islamischen Welt hinzuweisen, die seit Jahren ein Symbol der Mäßigung ist und wertvolle Positionen zur Unterstützung der Sache Palästina und zur Verteidigung der Unterdrückten einnahm. Diese gewichtige Stellung erlegt dieser Institution eine doppelte Verantwortung hinsichtlich der Wahrung von Gerechtigkeit und Wahrheit sowie Verteidigung unschuldig vergossenen Blutes auf.
Bezüglich der jüngsten Erklärung dieser Institution über die Entwicklungen in der Region werden im Folgenden einige Punkte zur Erläuterung der Fakten sowie zur Darlegung einiger Anliegen vorgetragen:
Erstens: Prinzip der Gerechtigkeit im Urteil
Der edle Koran ruft die Muslime zu gerechtem Richten auf, selbst unter Umständen in denen Emotionen und politische Erwägungen den Menschen vom Weg der Fairness abbringen können. Daher setzt jedes Urteil über die jüngsten Entwicklungen eine gleichzeitige Beachtung sowohl des Urhebers der Auseinandersetzung als auch der Art der Antwort voraus. Das was geschah ist eine Folge eines militärischen Angriffs auf die Souveränität der Islamischen Republik Iran und man kann es nicht losgelöst von diesem Hintergrund bewerten.
Zweitens: Naturgegebenes Recht auf legitime Verteidigung
Auf Grundlage anerkannter Regeln des Völkerrechts, darunter Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, verfügt jeder Staat im Falle eines bewaffneten Angriffs über das naturgegebene Recht auf legitime Verteidigung. In diesem Rahmen wurden die Maßnahmen der Islamischen Republik Iran mit dem Ziel durchgeführt die Bedrohung abzuwehren und eine Wiederholung der Angriffe zu verhindern.
Zudem macht die Nutzung von Militärbasen in einigen Ländern der Region zur Durchführung von Operationen gegen Iran diese Stützpunkte zu Ausgangspunkten der Bedrohung, die folglich im Rahmen legitimer Verteidigung berücksichtigt werden.
Die Islamische Republik Iran betont, dass ihre Verteidigungsmaßnahmen ausschließlich auf militärische Ziele und Einrichtungen gerichtet waren die mit der Quelle der Bedrohung in Verbindung stehen und dass sie unter Einhaltung der grundlegenden Prinzipien des humanitären Völkerrechts, insbesondere des Prinzips der Unterscheidung und Verhältnismäßigkeit durchgeführt wurden.
Iran weist jede absichtliche Zielerfassung von Zivilisten, Wohngebieten, medizinischen Einrichtungen und öffentlicher Infrastruktur entschieden zurück und betrachtet den Schutz unschuldiger Menschenleben als religiöse und menschliche Pflicht.
Viertens: Verantwortung für Gefährdung von Zivilisten
Offenkundig widerspricht jede Nutzung ziviler Umgebungen für militärische Zwecke – etwa die Stationierung von Truppen in öffentlichen Einrichtungen – den internationalen Normen und kann Leben von Zivilisten gefährden. Unter solchen Umständen liegt die Hauptverantwortung bei der Partei die diese gefährliche Situation herbeiführt.
Fünftens: Die Notwendigkeit einer ausgewogenen Positionierung
Angesichts der geistigen Stellung und des internationalen Einflusses der ehrwürdigen Al-Azhar ist zu erwarten, dass die Positionen dieser Institution so gestaltet sind, dass sie einerseits jede Form von Spannungen und Konflikten in der Region verurteilen und andererseits auf Notwendigkeit der Achtung der Souveränität der Staaten, Unterlassung militärischer Aggression sowie Verteidigung Besatzung, Blockade und Massakern ausgesetzten Völker nachdrücklich hinweisen.
Sechstens: Vorrang der Palästina-Frage und des Leidens der Menschen in Gaza
Zweifellos ist eines der grundlegenden Kriterien zur Beurteilung religiöser und moralischer Positionen das Maß ihrer Übereinstimmung mit der Sache Palästina und Verteidigung der unterdrückten Menschen in Gaza. Jede Erklärung oder Haltung die ohne hinreichende Beachtung der eigentlichen Ursachen der Krise in der Region – darunter Besatzung und anhaltende Verletzung der Rechte der Palästinenser – lediglich auf sekundäre Folgen fokussiert kann kein vollständiges Bild der Ausrichtung auf Gerechtigkeit vermitteln.
In diesem Zusammenhang ist zu erwarten, dass die ehrwürdige Al-Azhar, wie in der Vergangenheit, mit Klarheit und Mut die expansionistischen Politiken des zionistischen Regimes und seine wiederholten Angriffe auf Zivilisten verurteilt und alle ihre geistigen und wissenschaftlichen Kapazitäten einsetzt um den legitimen Widerstand des Volkes Palästinas zu unterstützen.
Siebtens: Notwendigkeit von Dialog und Synergie in der islamischen Welt
Die Islamische Republik Iran wies stets auf die Bedeutung eines aufrichtigen und brüderlichen Dialogs zwischen den Gelehrten und Eliten der islamischen Welt hin. Unterschiedliche Auffassungen über bestimmte politische Ereignisse dürfen nicht zur Behinderung der Zusammenarbeit bei der Verteidigung gemeinsamer Grundsätze wie Gerechtigkeit, menschliche Würde und Unterstützung unterdrückter Völker werden.
Es bleibt zu hoffen, dass wir durch den fortgesetzten Austausch von Ansichten und gemeinsame Beratung gegenüber den heutigen komplexen Herausforderungen Positionen einnehmen können, die immer geschlossener, gerechter und den wahren islamischen Idealen näher sind.
Abschließend bekräftige ich bei erneuter Bekundung meines Respekts für das wissenschaftliche und geistige Ansehen der ehrwürdigen Al-Azhar und ihrer verehrten Gelehrten die Bereitschaft der Islamischen Republik Iran, die Zusammenarbeit und konstruktiven Dialog zu vertiefen um die Einheit der islamischen Gemeinschaft (Umma) zu stärken und die Rechte der unterdrückten Völker zu verteidigen.
Und Friede sei mit euch sowie Barmherzigkeit Gottes und Seine Segnungen.
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