IQNA

Analyst für westasiatische Themen in einem Interview mit IQNA:

Israel gewann durch den Gaza-Krieg nichts

13:07 - December 05, 2023
Nachrichten-ID: 3009512
Teheran (IQNA)- Seyyed Jafar Razavi, ein Analyst für westasiatische Fragen, nannte das wahrscheinlichste Szenario für den Gaza-Krieg eine Fortsetzung des Waffenstillstands über einen längeren Zeitraum, um mehr Gefangene auszutauschen und sagte: „Israel machte einen Fehler als es sich das Ziel setzte die Hamas zu zerstören und haben durch den Gaza-Krieg nichts erreicht.

Laut IQNA erinnert der 29. November jedes Jahr an bittere Ereignisse wie die Verabschiedung der Resolution zur Teilung Palästinas. Dieser Tag ist auch der Tag der Solidaritätserklärung mit der palästinensischen Nation und der Wahl Palästinas als Beobachtermitglied im UN-Sicherheitsrat.

Jedes Jahr am 29. November veranstaltet die Welt eine Zeremonie zur Würdigung des palästinensischen Volkes und anlässlich des Internationalen Tages der Solidarität mit der palästinensischen Nation. 75 Jahre sind seit der Besetzung Palästinas vergangen aber es scheint als ob das Leiden des palästinensischen Volkes noch nicht vorbei wäre und diese Grausamkeit und Ungerechtigkeit weitergeht insbesondere nach der Al-Aqsa-Sturmoperation im Oktober dieses Jahres und dem unerbittlichen Angriff des Zionistisches Regime gegen palästinensische Zivilisten in Gaza. Aus diesem Anlass veranstaltete die International Quran News Agency (IQNA) am Mittwoch, dem 29. November ein internationales Seminar zum Thema „Israelischer Terrorismus und Unwirksamkeit internationaler Menschenrechte“, an dem in- und ausländische Analysten teilnahmen.

Seyyed Jaafar Razavi, ein Analyst für Westasien und die islamische Welt, war ein besonderer Gast in dieser Sendung, der die Fragen des Moderators im Studio Mobin von IQNA beantwortete.

Razavi antwortete zunächst auf die Frage: „Wie beurteilen Sie das Recht der Palästinenser, sich der israelischen Besatzung zu widersetzen, aus der Perspektive des Völkerrechts und internationaler Konventionen?“ Er erklärte: 1967, fast 20 Jahre nach der Resolution 181, die als Teilungsresolution bekannt ist, erlassen die Vereinten Nationen die Resolution 242, in der offiziell erwähnt wird, dass die Stadt Quds in der Region besetzt ist.

Er fügte hinzu: „Gemäß der Genfer Konvention darf besetztes Land vom Besatzer nicht verändert werden, das heißt diese Resolution 242 gilt für die Genfer Konvention. Gemäß dieser Resolution und der Genfer Konvention haben die Zionisten kein Recht in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen Änderungen vorzunehmen. Wenn wir also heute sehen, dass einige Länder der Europäischen Union mit diesem Problem konfrontiert sind, haben wir beispielsweise in der Vergangenheit gesehen, dass der Premierminister Spaniens und der Premierminister Belgiens die Aktionen des zionistischen Regimes scharf kritisierten als sie den Grenzübergang Rafah erreichten. Diese Kritik stützt sich auf dieses Recht, das in der Resolution 241 und der Genfer Konvention anerkannt ist.

Razavi sagte: Was das Recht auf Widerstand betrifft so hat jede Nation deren Land besetzt ist das Recht sich zu verteidigen und dieses wird in der Resolution 242 der Genfer Konvention betont. Einer der Gründe warum europäische Länder das zionistische Regime kritisieren, obwohl sie zum Westblock gehören und mit den Vereinigten Staaten verbündet sind, ist das im Völkerrecht anerkannte Recht der palästinensischen Nation auf Selbstverteidigung.

 

Über die Tatsache, dass einige internationale Menschenrechtsorganisationen das Recht des zionistischen Regimes anerkennen die palästinensische Nation anzugreifen, sagte er: Ihr Standpunkt ist die Frage der Mitgliedschaft des zionistischen Regimes in den Vereinten Nationen und sie sagen, dass alle internationalen Gesetze und UN-Chartas Rechte für Israel schaffen. Tatsache ist jedoch, dass sogar die Mitgliedschaft des zionistischen Regimes in den Vereinten Nationen im Jahr 1949 unter Auflagen angenommen wurde, das heißt sein Antrag wurde zweimal abgelehnt und das dritte Mal wurde unter dem Druck der Vereinigten Staaten auf die Vereinten Nationen das Besatzungsregime von Israel angenommen.

 

Razavi erklärte: Gleichzeitig betonten die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat, dass die Mitgliedschaft Israels entschieden wird, wenn das zionistische Regime den Status der palästinensischen Flüchtlinge und des palästinensischen Landes festlegt. Gleichzeitig heißt es in UN-Dokumenten, dass 900.000 Palästinenser vom zionistischen Regime getötet oder vertrieben wurden. Das zionistische Regime war verpflichtet den Status dieser palästinensischen Flüchtlinge in den Nachbarländern und den Status der von ihm besetzten Dörfer zu bestimmen aber bis heute, wo seit der Besetzung des palästinensischen Landes durch Israel 75 Jahre vergangen sind, ist dies dem zionistischen Regime noch nicht gelungen sondern gar die Situation verschlimmert.

Der leitende Experte für westasiatische Fragen sagte: Wir erleben immer noch die Anwesenheit palästinensischer Flüchtlinge in Syrien, im Libanon und in Jordanien und einige von ihnen gingen in europäische und amerikanische Länder. Aber sie gelten immer noch als palästinensische Flüchtlinge. Daher fehlt es der Mitgliedschaft des zionistischen Regimes in den Vereinten Nationen tatsächlich an Legitimität, da es die Bedingungen, die für die Gewissheit seiner Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen gestellt wurden nicht erfüllte. Daher hat das zionistische Regime kein Recht auf die palästinensischen Gebiete auch wenn man ihm dieses Recht zuschreiben will.

Als Antwort auf die Frage von IQNA: „Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte den 29. November 1977 zum Tag der Solidarität mit der palästinensischen Nation. Welchen Zweck hatte dies und welche Auswirkungen hatte es auf die öffentliche Meinung?“ Er erklärte: „Eine Solidaritätserklärung ist immer ein Thema, das die öffentliche Meinung anzieht und die Benennung eines Tages nach einer Nation und die Solidarität mit ihr lässt die ganze Welt einmal im Jahr auf ein wichtiges zentrales Thema blicken. Und das ist ein positiver Punkt bei den Vereinten Nationen, aber warum fällt es mit der Verabschiedung der UN-Resolution 181, bekannt als Teilungsresolution, zusammen? Das ist ein Unfug seitens der USA und ihrer Verbündeten, die mit dieser Aktion versuchten, das Land zu spalten. Sie geben der Öffentlichkeit Formalität verstehen und den Grund nach seinem Namen zu suchen nach dem Tag an dem Palästina geteilt wurde.

Razavi erklärte, dass sich die öffentliche Meinung im Westen immer auf ihre Alltags- und Konsumangelegenheiten konzentriere, weil wir im Westen eine Kultur des Konsumismus sehen. Er betonte: Diese Benennung für mindestens einen Tag im Jahr sensibilisiert aber auch die öffentliche Meinung für die Palästinenserfrage. In den Vereinten Nationen gibt es Programme in Form einer Reihe von Zusammenkünften und Treffen der Vertreter der Länder und die pro-Palästina-Gruppen veröffentlichen und verteilen Fotoausstellungen oder Broschüren und Veröffentlichungen über Palästina in den Hallen der Vereinten Nationen.

 

Die Vereinten Nationen wurden für amerikanische Zwecke gegründet

 

Der Analyst für Westasien und die islamische Welt antwortet auf die Frage, dass „die Vertreter des zionistischen Regimes in den UN-Ausschüssen hebräische Namen für historische Orte wählen und von den UN-Institutionen unterstützt werden: Was denken Sie über die Zusammenarbeit der UN mit diesen israelischen Verstößen?“ Er sagte: Gemäß der Resolution 241 und der Genfer Konvention sind neue Namen verboten und die alten Namen sollten bestehen bleiben aber internationale Institutionen haben derzeit ein äußeres Erscheinungsbild und ein inneres Ziel. Ihr inneres Ziel ist, dass der Westen seine eigenen Ziele verfolgt indem er sie nutzt und Druck auf die öffentliche Meinung ausübt, das heißt die Vereinten Nationen wurden vom Westen und Amerika an der Spitze gegründet um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Er fügte hinzu: Aus diesem Grund sehen wir, dass Organisationen wie die Vereinten Nationen, wenn es beispielsweise um Länder der Dritten Welt geht, bei Hinrichtungen, die auf islamischen Regeln basieren, die Menschenrechte ignorieren. Aber wenn sie an der Reihe sind wird die Wahrheit über die Vereinten Nationen klar und wir sehen, dass diese Organisation gegründet wurde um Ziele des zionistischen Regimes und der Vereinten Nationen zu erreichen. Der von den amerikanischen und zionistischen Lobbys ausgeübte Druck setzt tatsächlich etwas um, das gegen die Gesetze verstößt und im Widerspruch zu allen Gesetzen der Vereinten Nationen steht und sie schrecken nicht davor zurück. Am 7. Oktober führte der von der Hamas angeführte palästinensische Widerstand die Al-Aqsa-Sturmoperation durch und das zionistische Regime startete eine brutale Aggression gegen das palästinensische Volk. Welche Faktoren zwangen Israel den Waffenstillstand zu akzeptieren?

 

Israel gewann durch den Gaza-Krieg nichts

Israel machte bei seinen Zielen einen Fehler

Er erklärte, dass der erste Fehler, den das zionistische Regime machte und Seyyed Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hisbollah, sehr feinfühlig und genau darauf hinwies ist bei der Festlegung der Ziele, das heißt sie definierten ein Ziel das auf Grundlage wissenschaftlicher Prinzipien offensichtlich falscht ist: Das Ziel muss erreichbar sein und Nasrallah sagte auch, dass die Zionisten sich ein unerreichbares Ziel setzten, nämlich die Zerstörung der Hamas. Ehud Barak, der ehemalige Premierminister und ehemalige Kriegsminister des zionistischen Regimes sagte, selbst wenn man alle Hamas-Truppen in Gaza vernichten wolle, was soll man dann mit den Gedanken und der Ideologie der Hamas anfangen, das heißt die Hamas kann nicht zerstört werden? Deshalb machten sie einen Fehler als sie sich unerreichbare Ziele setzten, egal wie sehr sie angriffen so haben aie nichts erreicht und deshalb erleben wir jetzt den Rückzug und Herabschrauben der Ziele weil sie ihren Fehler erkannten.

Razavi fügte hinzu: „Dem zionistischen Regime entstanden auch unnötige und hohe Kosten, darunter die Zerstörung von fast 400 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen des zionistischen Regimes. Die Zionisten schickten einen erheblichen Teil ihrer Reservekräfte nach Hause, weil sie sich ihren Lohn nicht leisten konnten. Daher haben die hohen Kosten des Krieges und der Rückzug der Vereinigten Staaten für Israel eine Art Konflikt geschaffen. Andererseits dachten die Zionisten, dass sie mit der Aufnahme von Bodenoperationen im Norden des Gazastreifens etwas erreichen würden doch nach zwei Wochen konnten sie dort keine Spuren der Hamas und des Widerstands finden. Die Soldaten des zionistischen Regimes beschreiben auch, dass die Bedingungen des zweiwöchigen Bodeneinsatzes so waren, dass sie niemanden auf dem Feld sahen, aber plötzlich in einen Hinterhalt gerieten, der tödliche Schläge verursachte und Verluste forderte. Daher war die Verwirrung der israelischen Armee der dritte Grund für die Annahme des vorübergehenden Waffenstillstands durch die Zionisten.

Ein wahrscheinlicheres Szenario ist ein fortgesetzter Waffenstillstand und mehr Gefangenenaustausche

Razavi wies darauf hin, dass drei absehbare Szenarien für die Zukunft des Gazastreifens wahrscheinlicher seien: Erstens die Fortsetzung des Waffenstillstands über den die Kataris und die Amerikaner sprechen, so dass der Gefangenenaustausch weitergeht und die Hamas besteht nun darauf dass die zionistische Kräfte im Austausch für die Freilassung aller gefangenen Oalästinenser freigelassen werden und dies ist im Bereich des Möglichen. Im Jahr 2011 ließ der Widerstand 1.000 palästinensische Gefangene im Austausch für die Freilassung von Gilad Shalit frei, jetzt hat Israel etwa 240 Gefangene und während des Waffenstillstands werden vielleicht 100 von ihnen freigelassen und für die 140 anderen, die wichtiger und militärisch sind muss Israel einen höheren Preis für ihre Freiheit zahlen.

Der Mossad-Chef ist heute aus Katar in die besetzten Gebiete zurückgekehrt und diese Reise zeigt, dass es ernsthafte Gespräche über das Schicksal der verbleibenden israelischen Gefangenen gibt und Spekulationen darüber bestehen ob der Waffenstillstand verlängert oder gar der Krieg beendet wird.

Er fügte hinzu: Aber das zweite Szenario, das natürlich schwächer ist, ist, dass das Kabinett des zionistischen Regimes den Krieg für kurze Zeit wieder aufnehmen muss, weil es versprach den Krieg fortzusetzen, aber selbst wenn diese Option verwirklicht wird, ist das Mindeste, was Israel bewirken kann, ist, dass das Niveau des Krieges degeneriert, das heißt, er wird sich von einem umfassenden Krieg mit allen Mitteln in Konflikte ähnlich dem Westjordanland verwandeln und sich dann allmählich aus Gaza zurückziehen.

Das dritte Szenario ist die Fortsetzung des Krieges und der Rückzug aufgrund von Erosion. Aber nach den Statistiken, die das zionistische Regime über seine Verluste veröffentlicht. Es ist klar, dass er dieses Szenario nicht erwartet. So gab die Mizrahi Bank of Israel gestern bekannt, dass die Höhe der Investitionszinsen an der Bank in den letzten anderthalb Monaten um 6,8 % gesunken ist und das ist ein hoher Wert! Der Niedergang der israelischen Wirtschaft ist ein Zeichen dafür, dass das die Kosten des Krieges für das zionistische Regime höher werden je weiter der Krieg andauert.

 

Hüten Sie sich vor Fehlinformationen in den Medien

Razavi erklärte: „Das Wichtigste ist, dass sich das zionistische Regime an einem schwachen Punkt befindet, und die Westler und Amerikaner verstehen dies. Wenn Biden, der sich mit Netanyahu in der UN-Generalversammlung traf mit Beginn des Gaza-Krieges plötzlich in die besetzten Gebiete reist und Netanyahu im Büro des Kriegsministeriums des zionistischen Regimes trifft, ist das ein Zeichen der Schwäche Israels.“

Am Ende stellte der leitende Experte für westasiatische Fragen klar: Israel setzt in Zeiten der Schwäche psychologische und mediale Kriegsführung ein und deshalb sollte man wachsam sein und sich nicht täuschen lassen, man sollte sich die Errungenschaften des Widerstands ansehen. In der ersten Kriegswoche verkündete das zionistische Regime, dass sie Gaza-Stadt belagern würden. Aber in Wirklichkeit nahm Israel zwei unbewohnte Gebiete ein und ist an die Meeresküste vorgedrungen, was bedeutet, dass es nichts Besonderes tat und nur die öffentliche Meinung mit seiner Präsenz vor Ort täuschte, daher sollte man mit falschen Darstellungen der Zionisten in den Medien vorsichtig sein.

Weitere ausländische Redner sind Ali al-Sahib, irakischer Politikanalyst und Leiter des Bagdad Regional Studies Center, Baqer Darwish; Präsident der Bahrain Human Rights Association, Amiruddin Jahaf; Leiter der jemenitischen Organisation für Menschenrechte und Freiheit, Yasser Abuhin; Der Leiter der Palästinensischen Medienvereinigung und Eyad Abu Nasser, ein palästinensischer Kämpfer und Freiheitskämpfer aus Gaza, hielten eine Videokonferenz zum Thema dieses Webinars ab.

 

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