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Malaysische Denker in einem Interview mit IQNA

Akademiker-Proteste zeigen Propagandaversagen der Zionisten und USA-Heuchelei

8:43 - May 17, 2024
Nachrichten-ID: 3010472
Teheran (IQNA)- Der Gründer und Direktor der Islamic Renaissance Front of Malaysia betrachtete das Scheitern der zionistischen Propaganda und Aufdeckung der Heuchelei der USA als die beiden Hauptergebnisse der Proteste von Akademikern in den USA und anderen Teilen der Welt.

Studentenbewegungen und massive Proteste auf dem Campus großer US-Universitäten und anderen westlichen Ländern sind in den letzten Monaten zu Schlagzeilen geworden und stehen weltweit im Fokus der Medien. Diese Proteste lösten eine neue Welle des öffentlichen Bewusstseins gegen die Tragödien in Gaza aus.

Studenten und Akademiker gehörten schon immer zu den Gruppen, die bei der Unterstützung Palästinas führend waren und in der Zwischenzeit löste die umfassende und unerbittliche Aggression des zionistischen Militärs gegen das wehrlose Volk Palästinas und das Märtyrertum und die Verletzung Tausender unschuldiger Palästinenser in den letzten sieben Monaten eine Welle von Protesten unter verschiedenen Studentengruppen an US-Universitäten und einigen europäischen Ländern aus, die an ihre Grenzen stießen. Experten sind der Ansicht, dass die Proteste der neuen Studentengeneration in verschiedenen Ländern zeigen, dass sie entschlossen sind Palästina zu unterstützen und dass die Lügen der Mediengiganten die wahrheitssuchende Jugend nicht dazu brachten, die Augen vor den brutalen Verbrechen des zionistischen Regimes mit Unterstützung der USA in Gaza zu verschließen.

In den USA, von Kalifornien bis New York protestieren Dutzende Universitäten in mehr als 20 Bundesstaaten. Während Zusammenstöße der Polizei mit Demonstranten an der New Yorker Columbia University und der UCLA weltweite Aufmerksamkeit erregen, kommt es auch an anderen Universitäten in Europa, Asien und Lateinamerika zu Demonstrationen und Sitzstreiks. Obwohl die Forderungen der Demonstranten von Universität zu Universität unterschiedlich sind, so hat die Mehrheit von ihnen ihre jeweiligen Universitäten aufgefordert die derzeitige Zusammenarbeit mit Unternehmen zu beenden, die Israel und diesen Krieg in Gaza unterstützen.

 

Ahmad Farouk Musa, Gründer und Direktor der Islamic Renaissance Front und Professor an der Monash University in diesem Land sprach mit IQNA über dieses Thema.

Der Herzchirurg Musa engagiert sich auch außerhalb der akademischen und chirurgischen Welt aktiv in sozialen Aktivitäten. Er setzt sich für die Förderung und den Aufbau der Zivilgesellschaft ein und hielt an Universitäten und anderen islamischen Zentren in Malaysia Vorträge über den Islam. Sein besonderes Interesse gilt Themen wie dem interreligiösen Dialog insbesondere zwischen Christen und Muslimen sowie intrareligiösen Dialogen insbesondere schiitischer und sunnitischer Dialog. Er schreibt auf der offiziellen Website von Hizb-e-Islami (PAS) Malaysia über die Neubewertung des Islamverständnisses und Einführung fortschrittlicher und demokratischer Ideen.

Er war aktiv an der Forschungsarbeit beteiligt und präsentierte Artikel in ganz Asien und Europa. Er gewann mehrere bedeutende Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Malaysian Muslim Professional Association (MPF).

 

Proteste US-Akademiker Funke des Welterwachens

Farooq Musa sagte über den Beginn der Studentenproteste an US-Universitäten: Die Proteste gegen Israels Angriff und den grausamen Krieg in Gaza begannen im April dieses Jahres an der Columbia University in New York. Seitdem weiteten sich diese Proteste auf US-Universitäten aus und in dieser Zeit wurden Tausende von Studenten und Universitätsdozenten festgenommen. Seitdem weiteten sich die Proteste auf andere Universitäten auf der ganzen Welt aus. Von Frankreich bis Australien. Einige verglichen die Proteste mit einer Tradition linksgerichteten studentischen Aktivismus der bis in die Anti-Vietnamkriegsbewegung der 1960er Jahre zurückreicht. Studenten forderten ihre Universitäten auf Verbindungen zu Unternehmen abzubrechen, die schamlos von der israelischen Invasion im Gazastreifen profitieren. Als Folge dieser Verbrechen wurden etwa 35.000 (zur Zeit der Übersetzung sind es mittlerweile fast 40.000) Menschen getötet und mehr als 70.000 verletzt.

Er sagte über die Bedeutung der Uni-Proteste in den USA und an anderen Orten für die Sensibilisierung für die Solidarität mit Palästina und Fakten der Politik des zionistischen Regimes: Lassen Sie uns zunächst ein paar Schritte zurücktreten. Am 17. Dezember 2010 zündete sich in Sidi Bouzid/Tunesien eine Person namens Tariq Al-Tayeb Mohamed Bouazizi an. Dieser Akt der Selbstverbrennung wurde zum Auslöser der tunesischen Revolution und Entstehung des Arabischen Frühlings (Islamisches Erwachen) gegen die autokratischen Regime im Nahen Osten und Nordafrika. Wir dürfen diese Geschichte nicht vergessen. Ebenso wurde am 17. April 2024 die pro-palästinensische Protestbewegung an der Columbia University in New York entfacht als Studenten mitten auf dem Campus Zelte aufschlugen und begannen zur Unterstützung der Palästinenser in Gaza zu demonstrieren. Ich denke niemand rechnete damit! Dieser Funke, der von einem Uni-Campus in New York City ausging weitete sich inzwischen auf mehr als 100 Campusse in den USA aus und wir sehen ähnliche Fälle an Universitäten auf der ganzen Welt. Sie fordern akademische Institutionen auf ihre finanziellen Verbindungen zu Israel oder Unternehmen, die mit dem Krieg der IDF in Gaza in Verbindung stehen abzubrechen. Wir sehen, dass diese Demonstration nicht nur von Studierenden sondern gar von UniProfessoren und Lehrkräften unterstützt wird.

 

US-Heuchelei aufdecken

Dieser malaysische Uni-Professor sagte über die Auswirkungen dieser Proteste auf den internationalen Druck auf Israel den Gaza-Krieg zu beenden: Es ist immer noch schwierig, dazu Stellung zu nehmen, weil die aktuellen Studentenproteste, obwohl es Ähnlichkeiten gibt, nicht so stark waren wie die Proteste gegen den Vietnamkrieg vor 60 Jahren. Proteste gegen den Vietnamkrieg begannen unter linken Intellektuellen und Friedensaktivisten auf US-Universitätsgeländen, gewannen jedoch an Bedeutung, nachdem die USA 1965 mit der Bombardierung Nordvietnams begannen. In dieser Nacht machten sie sich auf den Weg zum Pentagon. Meiner Meinung nach können wir keine Änderung herbeiführen, solange es nicht so viele Proteste gibt. Darüber hinaus wissen wir, dass Netanyahu ohne jegliche Verantwortung handelt und solange die USA Israel weiterhin mit Waffen beliefern glaube ich nicht, dass der Krieg aufhören wird. Tatsächlich las ich gestern, dass amerikanische Waffen im Wert von Milliarden Dollar nach Israel geschickt werden. Die USA waren der größte Waffenlieferant für Israel gefolgt von Deutschland (vielleicht um den vergangenen Holocaust auszugleichen) und Italien. Ich weiß also nicht ob das, was die USA die ganze Zeit über über Demokratie und Menschenrechte predigten echt oder das allerhöchste Beispiel für Heuchelei war.

 

Positive Wirkung sozialer Netzwerke auf junge Generation

Er fügte hinzu: Einige Experten sagen, dass die Proteste zeigen, dass die neue Generation sich der palästinensischen Situation bewusster werden wird und dass dies den Palästinensern langfristig helfen kann. Fast alle sozialen Medien zeigen durchweg, dass die Mehrheit insbesondere die Generation Z pro-palästinensisch ist.

Dieser malaysische Denker fuhr fort: Schauen wir uns die Gallup-Umfrage an um das zu verstehen. Eine Gallup-Umfrage vom März 2023 ergab dass die ältere Generation 46 Prozent „positive Sympathie“ für Israel hatte während die Generation Z einen negativen Sympathiewert von 2 Prozent aufwies was bedeutet, dass sie mehr mit den Palästinensern sympathisierte als mit den Israelis. Ich glaube dass die Unterstützung die Israel von der älteren Generation erhielt auf Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und Islamophobie zurückzuführen ist. Vor dem Aufkommen der sozialen Medien hatten die Mainstream-Medien das unbestrittene Monopol auf die Veröffentlichung der falschen Wahrheit, die sie der Öffentlichkeit aufzwingen wollten. Es überrascht nicht, dass die Informationen die sie den Massen zur Verfügung stellten stark von Regierungen und Interessengruppen beeinflusst wurden. Aber heutzutage ist die Jugend mit Hilfe des Internets darauf aufmerksam geworden. Sie können zwischen alten und neuen Videos unterscheiden! Es ist ihnen gelungen im Internet kursierende Videos zu identifizieren, die fälschlicherweise der Hamas zugeschrieben werden. In Wirklichkeit stammen die alten Videos jedoch von anderen Gruppen im Nahen Osten und nicht von der Hamas. Der eigentliche Wendepunkt kam jedoch als diejenigen die gerade davon erfuhren und anfingen sich gegen Israel auszusprechen sofort des Antisemitismus beschuldigt wurden.

Dieses Übel stellte den Zionismus in den Köpfen der Menschen in Schande. Ich denke also, dass Israel den Propagandakrieg verliert und ob dies zu einer Veränderung im palästinensischen Kampf führen wird bleibt abzuwarten, obwohl ich persönlich optimistisch bin.

 

Akademiker-Proteste zeigen Propagandaversagen der Zionisten und USA-Heuchelei

 

US-Polizeigewalt gegen Akademiker

Farooq Musa fuhr fort: Einige Universitäten in den USA erlaubten der Polizei den Universitätscampus zu betreten, um die Demonstranten zu zerstreuen und in der Folge wurden Hunderte von Studenten und sogar Fakultätsmitglieder von der Polizei festgenommen. Dieses Problem führte zu Debatten über die Meinungsfreiheit und Heuchelei der westlichen Behörden.

 

Er fügte hinzu: Wir lasen über das Eintreffen der Bereitschaftspolizei auf Befehl der Administratoren um das Lager der Demonstranten im Gaza-Krieg aufzulösen. Ich würde sagen, dass die Szenen, in denen die Polizei Hunderte von Studenten an der Columbia und der UCLA festnimmt an die Aktionen der Polizei und der Nationalgarde gegen Demonstranten im Vietnamkrieg Ende der 1960er Jahre erinnern. Natürlich ist es schade, dass diese Aktionen Parallelen zu den schlimmsten Beispielen extremer Gegenreaktionen gegen Kriegsgegner in den 1960er Jahren aufweisen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Vor mehr als 54 Jahren eröffnete die Ohio National Guard das Feuer auf eine Menge Antikriegsdemonstranten auf dem Campus der Kent State University, wobei vier Studenten getötet und neun weitere verletzt wurden. Elf Tage später eröffnete die Staatspolizei das Feuer auf Demonstranten am Jackson State College in Mississippi und tötete zwei Studenten. Nach den Ereignissen in Kent State und Jackson State im Jahr 1970 leitete der damalige Gouverneur von Pennsylvania das Komitee zur Untersuchung von Universitätsunruhen. Die wichtigste Schlussfolgerung war, dass es eine grundlegende Verständniskrise zwischen älteren und jüngeren Generationen gibt. Der Bericht lehnte die Vorstellung ab dass äußere Reize die Ursache für die Eskalation der Gewalt seien. Vielleicht noch wichtiger ist, dass das Komitee 1970 behauptete die Ursache der Unruhen an der Universität liege in der wackeligen Moral der Universität oder in dem was einige studentische Demonstranten an der University of Chicago heute als Heuchelei ansehen. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Heuchelei des Westens in Bezug auf Rede- und Meinungsfreiheit. Aber ich bin mir sicher, dass sie nicht wollen, dass sich diese Tragödie wiederholt. Wenn man auf die Proteste der 1960er Jahre zurückblickt ist klar, dass die Campus-Schießereien in Kent State und Jackson State vermeidbar waren und dass eine derart gewalttätige Reaktion der Polizei unnötig war. Dies ist ein Thema mit dem sich die US-Polizei heute befassen sollte. Daher sollten sie angesichts dieser Art von Protesten zurückhaltend sein.

 

Notwendigkeit für Universitäten der Verteidigung des Rechts auf freie Meinungsäußerung

Dieser malaysische Professor fuhr fort: Ich denke, dass einige Universitäten besser mit den Demonstranten umgegangen sind als andere. Die Brown University in Rhode Island beispielsweise handelte mit ihnen eine Vereinbarung aus, die die dortigen Proteste beendete. Einige andere Universitäten wählten einen ähnlichen Ansatz. Tatsächlich verhandelte die Columbia University selbst 1985 mit der Anti-Apartheid-Bewegung. Daher ist es nicht mehr fern zu erwarten, dass ein alternativer Weg zur Beruhigung der aktuellen Situation beschritten wird. Abschließend muss ich sagen, dass die endgültige Schlussfolgerung des für die Untersuchung dieser Proteste zuständigen Ausschusses heute möglicherweise noch nützlicher ist als 1970 und zwar: Die Universität muss Zurückhaltung üben. Jede akademische Einrichtung, die diesen Namen verdient muss das Recht ihrer Studierenden und Professoren verteidigen ihre Meinung frei zu äußern. Fakultätsmitglieder spielen sicherlich eine wichtige Rolle im zivilen Ungehorsam. Einerseits sollten sie Studierende in ihrem Recht auf friedlichen Protest unterstützen und versuchen dieses Recht so weit wie möglich zu wahren. Andererseits haben sie auch das Recht, die akademische Freiheit zu nutzen, um sich dem Status quo zu widersetzen und höhere Ziele zu verteidigen. Dies weckt die Hoffnung, dass pro-palästinensische Lehrkräfte ihre Klassenzimmer schließen, sich Protestmärschen anschließen, Brutalität der Polizei anprangern und sich mit verhafteten Schülern solidarisieren.

 

Einfordern von Studierendenrechten historisches Phänomen

Auf die Frage ob er nach den Protesten einen Einfluss auf die akademische Atmosphäre sieht antwortete er: Wenn Sie die akademische Kultur an den Universitäten meinen. Nein! Ich denke nicht, dass es bisher eine Veränderung gab. Universitätsgelände und studentische Aktivisten waren schon immer Akteure des Wandels. Studentischer Aktivismus als Reaktion auf Ungerechtigkeit ist sicherlich kein neues Phänomen. Wir sahen immer einen solchen Aktivismus bei den Bemühungen die politische Weltszene zu reformieren. Wie bereits erwähnt marschierten in den 1960er Jahren Studenten für Bürgerrechte und demonstrierten gegen den Krieg in Vietnam. Es waren die Jugendlichen, die diese Themen verteidigten! Es waren die Jugendlichen, die den Mut hatten einige der größten Ungerechtigkeiten der Zeit anzufechten! Dies waren die Jugendlichen die Frieden und Gleichheit verteidigten. Daher ist es wichtig dass die Bedeutung der Studentenbewegungen nicht nur anerkannt sondern auch gefeiert wird.

 

Rolle der zionistischen Lobby AIPAC

Er fügte hinzu: Ich denke, es ist noch zu früh, um die Ergebnisse dieser Proteste vorherzusagen. Eines ist jedoch sicher: Die Demonstranten stehen auf der richtigen Seite der Geschichte. Doch ob dieser Protest wie die Studentenbewegung gegen die Apartheidregierung Südafrikas weitergehen wird oder nicht ist noch unklar. Die Geschichte zeigte, dass US-Studentenaktivisten zwischen den 1960er und 1980er Jahren eine landesweite Bewegung anführten, um ihre Universitäten unter Druck zu setzen ihre finanziellen Verbindungen zu Unternehmen abzubrechen, die das südafrikanische Apartheidregime unterstützten. Ähnlich wie die aktuellen Forderungen die Zusammenarbeit mit dem Apartheidregime Israels zu beenden. Sie setzten ihre Universitäten erfolgreich unter Druck ihre finanziellen Beziehungen zu Südafrika abzubrechen. Aber der Kampf gegen die Zionisten ist eine andere Geschichte. Die Zionisten haben in Amerika eine mächtige jüdische Lobbygruppe namens AIPAC (American Israel Public Relations Committee), die die wichtigste Verbindung zur US-Regierung darstellt. Dadurch haben sie riesigen Einfluss und nutzen diesen auch schamlos.

Das Interview führte Mohsen Haddadi

 

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