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Sudanesischer Denker im Interview mit IQNA:

Herausforderungen für effektive Präsenz islamischen Gedankenguts im globalen Medienraum

5:56 - November 04, 2025
Nachrichten-ID: 3013862
Teheran (IQNA)- Muhammad Al-Nour Al-Zaki erklärte: „Der Islam besitzt von Natur aus kohärentes Gedankengut über den Menschen und das Leben, doch es gibt zwei grundlegende Probleme: erstens das Fehlen eines wissenschaftlichen Diskurses, um die Botschaft des Islam angemessen zu vermitteln und zweitens die Schwäche bei der Auswahl neuer Instrumente zur Vermittlung dieses Diskurses. Durch die Bewältigung dieser beiden Herausforderungen hat das islamische Denken das Potenzial in der globalen Medienlandschaft wirksam präsent zu sein.“

Das Fernsehprogramm „Das letzte Gesicht“ ist eine der renommierten Produktionen des Al-Kawthar Global Network, das mit einem analytischen und gedankenorientierten Ansatz die intellektuellen und kulturellen Wurzeln zeitgenössischer Phänomene erforscht.

Dieses Programm versucht ein tieferes Bild der Realitäten der islamischen Welt und ihrer Beziehung zur westlichen Zivilisation zu vermitteln und gleichzeitig die islamische Identität aus einer neuen, auf Menschenwürde basierenden Perspektive für das arabischsprachige Publikum neu zu definieren.

„Das letzte Gesicht“ wirft durch spezialisierte Gespräche mit Denkern, Forschern und Experten auf den Gebieten Religion und Philosophie grundlegende Fragen über den Menschen, Gesellschaft, Kultur und die islamische Zivilisation auf.

 

Muhammad Al-Nour Al-Zaki, aktive Persönlichkeit in den Medien und im islamischen Denken des Sudan, sprach mit IQNA über seine beruflichen Erfahrungen sowie Ziele und Perspektiven dieses Programms.

IQNA - Professor Zaki, bitte erzählen Sie uns von Ihrem beruflichen Werdegang im Medienbereich und was hat bewog Sie dazu sich dem Bereich des intellektuellen und religiösen Dialogs zuzuwenden?

Seit der Grundschule interessiere ich mich für kulturelle Aktivitäten, insbesondere für die islamische und koranische Kultur und für die Entwicklung von Bildungsprogrammen. In der Mittelschule nahm dieses Interesse eine missionarische Dimension an, da ich damals die Schule der Ahlul Bayt (Friede sei mit ihnen) kennenlernte und mich ihr zuwandte.

Während meiner Schulzeit erweiterten sich meine medialen und religiösen Aktivitäten sowohl quantitativ als auch qualitativ. An der Schule gab ich eine Schülerzeitung heraus, engagierte mich im Heiligen Koranverein und führte in der Stadt Al-Abyad schiitisches Gedankengut unter Mitschülern, Lehrern und Studenten der Universität Kordofan ein und verbreitete es.

An der Universität und später im Priesterseminar setzte ich diesen Weg in Form von Vorträgen und dialogorientierten Programmen fort, die auf Einladung und Sensibilisierung abzielten und ich führe ihn bis heute fort.

 

IQNA – Was ist das Hauptziel dieses Programms angesichts der Fülle an religiösen und politischen Sendungen im Fernsehen?

Das Programm „Al-Wojah Al-Akher“ (deutsch: das letzte Gesicht) ist ein intellektueller Dialog über die intellektuellen Grundlagen der heutigen Welt. Ziel ist es die intellektuellen Wurzeln zu analysieren, die die gegenwärtige Realität der Menschheit und der islamischen Gemeinschaft prägen, um dem Publikum ein tieferes Verständnis der Ereignisse um sie herum zu ermöglichen.

In diesem Programm werden westliche Ideen und ihre Verhalten bezogenen und kulturellen Grundlagen aus zivilisatorischer und humanistischer Perspektive untersucht. Auch Krisen mit denen die islamische Gemeinschaft angesichts des kulturellen und politischen Projekts des Westens konfrontiert ist, sowie internen Schwächen beim Wiederaufbau der islamischen Zivilisation werden thematisiert.

 

Herausforderungen für effektive Präsenz islamischen Gedankenguts im globalen Medienraum

 

IQNA – Sollte der Moderator von intellektuellen Sendungen Ihrer Meinung nach lediglich ein Übermittler von Inhalten sein oder auch eine intellektuelle und analytische Rolle einnehmen?

Meiner Meinung nach sollte der Moderator solcher Sendungen nicht nur als Vermittler der Botschaft fungieren, sondern auch über analytisches Denkvermögen und Weitblick verfügen. Er oder sie sollte in der Lage sein das Gesprächsthema fundiert zu präsentieren, den Diskussionsverlauf zu lenken und sich aktiv an der Analyse und Erläuterung im Gespräch mit dem Gast zu beteiligen.

IQNA – Ist Ihrer Meinung nach das islamische Gedankengut heute in der Lage im globalen Medienraum wirksam präsent zu sein?

Der Islam beinhaltet ein in sich schlüssiges Menschenbild und Lebensverständnis, das auf hohen moralischen Werten basiert und Lösungsansätze für menschliche Krisen bietet. Dennoch bestehen unter Muslimen zwei grundlegende Probleme: Erstens fehlt es an einem wissenschaftlich fundierten und präzisen Diskurs, der die moderne Wissenschaft nutzt um die Botschaft des Islam korrekt zu vermitteln! Zweitens mangelt es an geeigneten Formaten und Werkzeugen, die den modernen Technologien zur Vermittlung dieses Diskurses dienen.

Wenn diese beiden Herausforderungen bewältigt werden hat das islamische Gedankengut das Potenzial eine aktive und wirksame Präsenz im globalen Medienraum zu erlangen.

 

Herausforderungen für effektive Präsenz islamischen Gedankenguts im globalen Medienraum

 

IQNA - Wie versucht das Programm "Al-Wojah Al-Akher" arabischen und nicht-arabischen Zuschauern eine neue Perspektive auf die islamische Identität zu vermitteln?

Die Islamische Republik Iran unternahm nach Jahrhunderten die ersten bewussten und ernsthaften Schritte in der islamischen Welt um die islamische Identität auf eine globale und verständliche Weise neu zu definieren.

Dieses System gründet auf der Achse der Menschenwürde, ein in der islamischen Geschichte nach deren Entstehung einzigartiges Prinzip. Demnach basiert das Verhältnis zwischen Mensch und Staat auf Gerechtigkeit und Würde und das Kriterium für die Beurteilung von Verhalten ist Moral, nicht Religion oder Herkunft; vielmehr gilt die Menschlichkeit als Grundlage der Würde.

Die Islamische Republik betont zudem die Notwendigkeit Macht zu erlangen und die inneren Schwächen der islamischen Gemeinschaft zu überwinden. Das Programm „Al-Wajj Al-Akher“ verfolgt diesen Ansatz auch: Einerseits werden Maßnahmen ergriffen um korrekte Vorstellungen zu entwickeln und zu erklären, andererseits falsche Auffassungen des Islam und westlichen intellektuellen und kulturellen Projekts kritisiert und aufgedeckt, um die Wahrheit in zwei Dimensionen – sowohl konstruktiv als auch kritisch – zu enthüllen.

 

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