
IQNA: Der arabischsprachige Analyst Mohammed Hussein Abul Hassan schrieb in einem Artikel auf der Website Al-Tagheer über die Rolle des zionistischen Regimes in den Entwicklungen im Sudan: Golda Meir, ehemalige Premierministerin des zionistischen Regimes, sagte einst: „Die Schwächung der großen arabischen Länder und Aushöhlung ihrer Energien und Kapazitäten ist eine Pflicht und Notwendigkeit, um Israels Macht im Kampf gegen seine Feinde zu maximieren. Dies erfordert, dass wir manchmal Gewalt anwenden, manchmal Diplomatie und verdeckte Kriegsführung.“ Diese Aussage offenbart Tel Avivs Versuch arabische Länder von innen heraus zu destabilisieren, indem Schwächen in ihren sozialen Strukturen ausgenutzt werden. Die deutlichsten Beispiele hierfür sind der Irak und der Sudan.
Dies geschah vor langer Zeit! Israel gelang es aufgrund seiner strategischen Bedeutung für Ägypten den Sudan in zwei Länder zu spalten und es versucht weiterhin, ihn – und andere Länder – in mehrere kleinere Staaten zu zertrümmern. Dies wurde nach der Invasion von 1967 deutlich, insbesondere auf der Konferenz von Khartum, die zu einem Ausbildungs- und Stützpunkt für ägyptische Luft- und Bodentruppen wurde. Folglich bleibt die Zersplitterung des Sudan Israels Hauptziel, das es durch das Anstiften von Bürgerkriegen erreichte, um Ägypten einzukreisen, den zionistisch-amerikanischen Einfluss auf die Ressourcen des Nils auszuweiten und die gesamte arabische nationale Sicherheit zu destabilisieren.
Der ehemalige israelische Verteidigungsminister Avi Dichter enthüllt, dass der israelische Geheimdienst den Konflikt in Darfur eskalierte, um die Situation weiter zu verschärfen und zu spalten. Er merkt an, dass der aktuelle Konflikt im Sudan früher oder später mit dessen Zersplitterung in mehrere Regionen enden wird. Dichter ist derjenige, der Israels Einschätzungen und Pläne zur Schürung von Konflikten und Spaltung im Libanon und in Syrien, im Irak, im Iran, im Sudan, in Libyen, in Algerien, in Saudi-Arabien und in Ägypten (dem letzten Ziel) offenlegte.
Seitdem Israel – gemeinsam mit Äthiopien und anderen – den Südsudan vom Norden abtrennte, agiert es verdeckt im Sudan. Es stoppte auch die Arbeiten am Jonglei-Kanal, der Sudan und Ägypten Milliarden Kubikmeter Wasser hätte liefern können, anstatt dass dieses durch Verdunstung und Überschwemmungen verloren ging. Nun schürt Israel – zusammen mit anderen – den sudanesischen Krieg, um das Land zu spalten und setzt dabei die Theorie des zionistischen Akademikers Edward Luttwak um, dem Krieg eine Chance zu geben, indem es ethnische Spannungen anheizt. Mit dem Ausbruch des aktuellen Krieges nahmen die Milizen der Rapid Support Forces ihre Massaker an afrikanischen Stämmen in Darfur wieder auf. Als sich das Blatt zugunsten der Armee wendete und diese die meisten Viertel Khartums befreien konnte und den Sieg in der Schlacht zu erringen schien, wurden israelische Stimmen laut, die Sudan der Kollaboration mit dem Iran beschuldigten und zu einer direkten Intervention aufriefen, da die sudanesische Armee zur „Hamas Afrikas“ geworden sei!
Nachdem die Milizen der Rapid Support Forces (RSF) Darfur gewaltsam unter ihre Kontrolle brachte und Nachschubwege durch Libyen, Tschad, die Zentralafrikanische Republik und Äthiopien eröffneten, kündigten sie an, nach einem Zusammenschluss mit der Abdelaziz-al-Hilu-Bewegung eine Regierung in der Region und Teilen Südkordofans zu bilden. Dieser Schritt ist ein Versuch das libysche Modell zu kopieren und zwei Staaten zu schaffen: einen legitimen und einen de facto existierenden. Die Gefahr dieses Szenarios liegt in der Fortsetzung eines Zustands zwischen Frieden und Krieg im Land, der den Zusammenhalt der sozialen und politischen Institutionen schwächt und letztlich zur völligen Erschöpfung der nationalen Kräfte führt. Sollten diese Milizen ihre Macht festigen und ihre Präsenz vor Ort langfristig aufrechterhalten können, werden sie zu einem Spielball Israels und anderer Kräfte, die die Abspaltung Darfurs anstreben – Kräfte, deren Pläne bekannt und öffentlich zugänglich sind. Dies ebnet den Weg für neue Konflikte im Sudan.
Am 5. dieses Monats veröffentlichte Natalia Quadros, eine israelische Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Afrika, einen Artikel in der Jerusalem Post, in dem sie Burhans Absetzung im Sudan forderte. Sie behauptete, Burhans Bündnis mit dem Iran und der Muslimbruderschaft würde den Sudan in eine neue Front gegen Israel verwandeln. Die Großmächte beobachten den Sudan wie ein Pulverfass, das kurz vor dem Ausbruch steht. Sie wollen es nicht entzünden, trauen aber auch niemandem zu es zu löschen. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass der Sudan weiter zerfällt und zu einem offenen Schlachtfeld für jeden wird, der ihn in Stellvertreterkriegen gegen andere einsetzen will. Der Krieg im Sudan wird zu einem Strudel, der jeden in seinen Bann zieht, der sich ihm nähert, selbst wenn er nur unbeteiligt ist! Natürlich begann diese Katastrophe nicht erst heute! Sie entsprang dem Herzen der islamistischen Bewegung und der von Torabi und Bashir geführten Regierung der Muslimbruderschaft! Einer Regierung, die die Macht an sich rissen, ihre Institutionen zu Parteiinstrumenten umfunktionierten und Milizen und Söldnern, darunter auch Hamidati, Tür und Tor öffneten, die vom Blutvergießen des sudanesischen Volkes profitieren. Tyrannen bringen Zerstörung und Invasoren.
Sudan muss heute dringend sein Land wiederaufbauen, bevor es zum Schauplatz von internen Machtkämpfen wird. Angesichts der Machtverhältnisse muss die sudanesische Führung ihre Außenbeziehungen neu ausrichten, um diese finsteren Pläne einzudämmen und zu vereiteln, bevor sie die Ressourcen des Landes weiter zerstören. Die Araber dürfen nicht nur ihr Bedauern ausdrücken und die Gefahren ignorieren. Nur ein gemeinsames Vorgehen der arabischen Welt gegen den israelischen Einfluss in Afrika und gegen den Zerfall Sudans garantiert eine starke arabische Welt.
Es ist unerlässlich die Anerkennung eines Parallelstaates im Sudan zu verhindern. Es müssen Anstrengungen unternommen werden, die Spaltung zwischen Afro- und Arabern zu überwinden, die ethnische und religiöse Vielfalt ihrer Gesellschaften zu berücksichtigen und den Afrikanern zu helfen, die unter der Armut inmitten der anhaltenden Konflikte leiden, die Israel ausnutzt, um in das Herz Afrikas einzudringen und dort Kriege zu schüren, wodurch Länder von seiner Hilfe abhängig bleiben.
Sudan steht an einem Scheideweg und die Bewahrung seiner Einheit erfordert größere Weisheit sowie Einsatz materieller und spiritueller Kräfte. Es ist zu beachten, dass der Krieg nicht auf Sudans Grenzen beschränkt bleiben wird. Das Blutvergießen breitete sich bereits in alle Richtungen aus. Jeder Versuch nicht in diesen Konflikt hineingezogen zu werden wird scheitern solange die Saboteure das sudanesische Volk und seine Ressourcen nicht aufgeben und solange die Drahtzieher im Verborgenen ihre blutigen Einmischungen nicht einstellen.
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