
Im Nahostkonflikt hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erstmals seit Jahren wieder einen ranghohen israelischen Politiker getroffen. Verteidigungsminister Benny Gantz habe am Sonntagabend mit Abbas über sicherheitspolitische, zivile und wirtschaftliche Fragen gesprochen, teilte seine Sprecherin mit. Gantz habe Abbas gesagt, dass Israel Schritte zur Stärkung der palästinensischen Wirtschaft unternehme.
An dem Treffen in Ramallah im Westjordanland nahmen nach Angaben der Sprecherin auch der Leiter der israelischen Cogat-Behörde, Ghasan Aljan, sowie der palästinensische Geheimdienstchef Madschid Faradsch teil. Am Ende der Beratungen hätten Gantz und Abbas unter vier Augen gesprochen. Abbas' Berater Hussein al-Scheich, der in der größeren Runde ebenfalls zugegen war, bestätigte das Treffen in einem Tweet.
Bei dem Treffen sei es um eine "Neugestaltung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Lage im Westjordanland und Gazastreifen" gegangen, twitterte Gantz. Das Gespräch habe "alle Aspekte" der palästinensisch-israelischen Beziehungen umfasst, teilte ein Vertreter der Fatah-Organisation des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde mit.
Die direkten Gespräche zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden 2014 abgebrochen.
Das Treffen in Ramallah fand kurz nach der Rückkehr des israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett aus den USA statt, wo er mit US-Präsident Joe Biden zusammengekommen war. Nach dem Machtwechsel in den USA hatte Abbas zu Jahresbeginn die Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme des Nahost-Friedensprozesses mit dem Ziel eines unabhängigen Palästinenserstaates geäußert. Ein baldiger Neustart gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich. Bennett von der ultrarechten Jamina-Partei lehnt die Einrichtung eines palästinensischen Staates ab.