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Verbundenheit mit dem Koran: Dynamischer Faktor der Kalligraphiekunst Pakistans

16:48 - May 19, 2024
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IQNA- Die unzerbrechliche Verbindung und tiefe Verbundenheit der Pakistaner mit dem Heiligen Koran führte dazu, dass die Kunst der Kalligraphie in diesem Land von der breiten Öffentlichkeit willkommen geheißen wird.

Laut IQNA unter Berufung auf News versammelten sich am Samstag gegen 11 Uhr sieben bis acht Frauen um einen Tisch in einem Haus im Stadtteil Shah Faisal in Karatschi. Sie sind aus verschiedenen Regionen und gar von weit hierher gekommen.

Die Frauen bringen Doats mit, die in Baumwoll- oder Seidentücher getaucht sind und Spezialtinte enthalten, Blätter aus Hochglanzpapier sowie sorgfältig geschnitzte Rohrfedern in verschiedenen Größen.

 

 

 

Wachstum der Kalligraphie nach Unabhängigkeit Pakistans

Nachdem sie ihre Stifte in Tinte tauchten versuchen sie das arabische Alphabet zu kalligraphieren oder einen Koranvers mit verschiedenen Zeilen zu schreiben. Einige von ihnen interessieren sich für die Diwani-Schrift, ein Schreibstil mit viel Dehnung und Krümmung in Form einer Blume, der während der osmanischen Ära entwickelt wurde. Andere versuchen einen Vers in Naskh-Schrift zu schreiben, die seit Jahrhunderten die arabische Standardschrift zum Schreiben und Veröffentlichen des Heiligen Korans ist.

Andere wollen die Thulth-Schrift beherrschen, einen gröberen Kalligrafiestil, der in koranischen Kunstwerken weit verbreitet ist und viele bringen in dieser Schrift geschriebene Korantafeln an den Wänden ihrer Häuser an.

Der Lehrer sieht sich ihre Arbeit einzeln an, macht sie auf ihre Fehler aufmeerksam und hilft ihnen diese zu korrigieren. Dies ist das Haus von „Navid Marouf“, einem Lehrer, der seit vielen Jahren die Kunst der Kalligraphie unterrichtet.

 

Verbundenheit mit dem Koran: Dynamischer Faktor der Kalligraphiekunst Pakistans

 

Neben seiner Tätigkeit als Kalligrafielehrer an der Karachi School of Art (KSA) leitet er häufig Workshops zur Kalligrafiekunst an Universitäten und anderen Veranstaltungsorten. Er macht Videos über Kalligraphie für seinen YouTube-Kanal, bietet Online-Schulungen für Enthusiasten darunter auch Ausländer an, um das Schreiben verschiedener Stile zu erlernen und unterrichtet auch Schüler bei sich zu Hause.

Maarouf unterrichtet hauptsächlich Stile wie Raqqa, Diwani, Thult usw., die zum Verfassen arabischer Texte verwendet werden. Er gehört jedoch zur Familie von Professor Yusuf Dehlavi, dem Meister des Nastaliq Dehlavi, einem Stil der Nastaliq-Schrift, der in Indien zum Schreiben der Urdu-Sprache erfunden wurde und auch nach der Unabhängigkeit Pakistans beliebt war. Später wurde diese Schrift durch Nastaliq-Lahori ersetzt, die von Kalligraphen des Punjab nach der Unabhängigkeit Pakistans von Indien erfunden wurde.

Yusuf war ein berühmter Kalligraph, der die Worte „State Bank of Pakistan“ auf die pakistanische Währung schrieb. Er stammt aus der vierten Generation von Yusufs Dynastie. Er erlernte diese Kunst von Meister Mahfouz Ahmad, einem Schüler von Meister Abdul Rauf Dehlavi, der von Yusuf ausgebildet wurde.

Als Mahfouz die Nastaliq-Dehlawi-Kalligraphie von Meister Abdul Raouf lernte, riet ihm sein Meister sich nicht auf Nastaliq zu beschränken und sich der Kunst des Schreibens anderer arabischer Kalligraphie zu üben.

Mahfouz folgte diesem Rat und lernte autodiktaktisch verschiedenen Schriften wie Kufi, Naskh und Thuluth. Er erlernte auch die Kunst des Malens um seine Schriften zu verschönern. Naveed Marouf, der bei zahlreichen internationalen Kalligraphiewettbewerben in der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten Preise gewann ist stolz Mahfouz‘ Schüler zu sein.

Die berühmte Familie kam 1988 nach der Geburt Mansehra im selben Jahr nach Karatschi. Im Alter von 11 Jahren beendete er das Studium des Heiligen Korans, danach absolvierte er den Militärkurs in Arabisch und lernte auch Persisch. Er verfügt über einen Abschluss, der einem Master-Abschluss in Arabisch von der Universität Karachi entspricht.

Maroof sagt, dass er 2008 am Sadegheen-Wettbewerb der Karachi Metropolitan Corporation teilnahm, da er sich sehr für Kalligraphie interessierte. Er erinnert sich, dass Professor Abdul Raouf, der Juror des Wettbewerbs, ihn fragte warum er den Buchstaben Alif (arabisches A) in Großbuchstaben so schrieb, dass er sich über die gesamte Länge des Papiers erstreckte.

 

Verbundenheit mit dem Koran: Dynamischer Faktor der Kalligraphiekunst Pakistans

 

Marouf antwortete, dass er diese Kunst nicht erlernte und nur versuchte auf eine ähnliche Weise zu schreiben, wie er es beobachtete. Natürlich erhielt er keine Auszeichnung, aber Meister Abdul Raouf vertraute ihn Mahfouz an und er erlernte acht Jahre lang die Kunst der Kalligraphie.

Neben dem Kunstunterricht akzeptiert Marouf auch individuelle Kunstwerke. Er hat auch die Titel der Cover von Büchern und Zeitschriften kalligrafiert, darunter den Roman „Alif“ von Umira Ahmed. Er fertigt auch Kalligraphien auf Grabsteinen an.

 

Liebe zum Koran, Wachstumsfaktor der Kalligraphie Pakistans

Maarouf hat einen interessanten Einblick in den Stand der Kalligraphiekunst in Pakistan. Er sagt, dass diese Kunst in Pakistan niemals zurückgehen wird, denn solange die Menschen den Heiligen Koran rezitieren, werden sie sich immer für die Kunst der Schriften des Korans interessieren, was sie dazu ermutigen wird Kalligraphie zu lernen.

Allerdings beklagt er, dass Kalligraphie nicht so gelehrt wird wie es sein sollte. Derzeit sei die KSA das einzige Kunstinstitut in Karatschi das umfangreiche Kurse in Kalligraphie anbietet, sagt er.

Ihm zufolge bieten Institutionen wie der Pakistan Arts Council oder die Indus Valley School nur kurze Kurse bzw. unregelmäßige Kalligraphiekurse an. Er fügte hinzu, dass Kalligraphie im Lehrplan der Fakultät für Bildwissenschaften der Universität Karachi enthalten ist, dort aber auch andere Dinge gelehrt werden müssten. Dort wird nur die Kufi-Schrift gelehrt! Eine alte Schrift, die hauptsächlich auf geraden Linien mit wenig Dehnung und Krümmung basiert.

 

Verbundenheit mit dem Koran: Dynamischer Faktor der Kalligraphiekunst Pakistans

 

Er erklärt, dass in vielen anderen Teilen des Landes der Kalligraphieunterricht auf die Nastaliq-Schrift beschränkt ist, die die Standardschrift zum Schreiben von Urdu sei. Im Iran ist Nastaliq von einer Linie namens „Taliq“ abgeleitet und weiterentwickelt worden.

Die Zahl seiner weiblichen Schüler war größer als die der Jungen. Er ist der Ansicht, dass der Grund dafür darin liegt, dass Hausfrauen im Vergleich zu berufstätigen Männern und Frauen leichter Zeit für die Kalligraphie aufwenden können. Er sagt, dass diese Kunst viel Zeit erfordert und sagt seinen Schülern immer, dass sie mindestens zwei Stunden am Tag üben sollten, wenn sie professionelle Kalligraphen werden wollen.

 

Kalligraphie Ausgezeichnete Kunst

Es heißt, die Kalligraphie ist eine königliche Kunst und man muss sie respektieren und ihre Anforderungen einhalten. Er betont, dass man sich dafür bemühen soll und andere Interessen und sogar Grundbedürfnisse opfern sollte um die in dieser Kunst Meister zu werden.

Viele der teuren Notwendigkeiten dieser Kunst, die bekanntermaßen „Schahi Scheschkai“ genannt wird, können durch billige Materialien ersetzt werden. Um zu verhindern dass der Kalligrafie-Effekt durch Schweiß zunichte gemacht wird, reicht beispielsweise ein gewöhnliches Stück Stoff, das man unter die Handfläche hält. Es ist jedoch bekannt für diesen Zweck Kaninchenhaut zu verwenden, da dies von früheren Meistern empfohlen wurde. Ebenso kann anstelle von Seidenfäden ein Stück Baumwolle im Duat verwendet werden.

Ein weiteres interessantes Accessoire, das bekanntermaßen verwendet wird ist die Wirbelsäule eines Stachelschweins. Sein Zweck besteht lediglich darin, Wasser und Tinte zu mischen. Abgesehen von diesen unnötigen Ausgaben für die Neulinge leicht Ersatz finden können, werden fast alle wichtigen Dinge importiert, die ein professioneller Kalligraph benötigt.

 

Verbundenheit mit dem Koran: Dynamischer Faktor der Kalligraphiekunst Pakistans

 

Marouf sagt, dass sich pakistanische Narkal-Rohre gut zum Schreiben eignen, hochwertige Rohre wie Bambus und Dezfuli werden jedoch aus dem Iran importiert. Einige Kalligraphen sind auch auf der Suche nach javanischen Strohfederhaltern aus Indonesien.

Marouf setzt seine Kunst auf handgeschöpftem Papier um, das aus der Rinde von Bananen- oder Maulbeerbäumen hergestellt wird. Er beklagt, dass es in Pakistan zwar reichlich Bananen- und Maulbeerbäume gibt, aber hier niemand weiß wie man daraus Papier herstellt, sodass Spezialpapier aus Indien importiert wird.

Die aus Ruß hergestellte schwarze Kalligraphietinte ist japanisch und die farbigen Tinten stammen aus Deutschland. Viele dieser Accessoires sind nicht in Schreibwaren- oder Kunstgeschäften erhältlich und müssen speziell geordert werden.

Der Schärfstift, ein Spezialmesser zum Schneiden von Schilfrohr, ist in Pakistan nicht erhältlich. Marouf hat eines aus dem Iran vorbereitet. Er rät seinen Schülern zum Schärfen ihrer Stifte ein spezielles Messer zu verwenden.

 

Türkei: Kalligraphie-Lehrmodell

Bekannter ist, dass er die arabische Kalligraphie von Raqqa, Diwani, Diwani Jali, Naskh und Tholt lehrt. Wenn ein Schüler mehr als einen Stil lernen möchte greift er lieber auf das Lehrmodell in der Türkei zurück, d. h. beginnt mit der Ausbildung der Raq’i-Schrift, die heute in arabischen Ländern offiziell und leichter zu lernen ist und, schließlich drei Ausbildungen in anspruchsvolleren Schriften.

Er sagt über das Modell der Kalligraphieausbildung in der Türkei: Obwohl die Türkei kein arabisches Land ist so ist sie derzeit der Pol der Kalligraphiekunst, weil diese, die in dieser Region während der osmanischen Ära florierte, als Teil des Erbes des Landes betrachtet wird.

Als die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg säkular wurde geriet seiner Meinung nach der Prozess des Kalligraphieunterrichts in diesem Land stark ins Wanken. Die größte Kalligraphieschule des Landes wurde geschlossen und einer der führenden Kalligraphen war gezwungen sich der Gartenarbeit zuzuwenden. Nach einiger Zeit wurde das Ansehen dieser Kunst in der Türkei jedoch wiederhergestellt und heute ist die Türkei das einzige Land dessen Institutionen Abschlüsse im Bereich der Kalligraphie anbieten.

Übersetzt ins Persische von Mohsen Haddadi

Übertragen vom Persischen ins Deutsche: Stephan Schäfer

 

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Stichworte: Kalligraphie ، pakistan ، Kunst
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