
IQNA: Die Geschichte der Serie „Pluribus“ (Aus der Menge) beginnt mit einem ungewöhnlichen Virus, der fast alle Menschen mit dem „kollektiven Bewusstsein“ verbindet. Alle werden glücklich, fröhlich, umgänglich und harmonisch – bis auf wenige Ausnahmen wie die Hauptfigur Carol. Diese Handlung eröffnet die Möglichkeit Konzepte wie erzwungene Homogenität, Verlust der Individualität, oberflächliches, künstliches Glück und sozialen Druck zur Emotionsregulation zu kritisieren.
Die Serie regt zum Nachdenken an und betont die Spannung zwischen Individuum und Kollektiv, individueller Wahl und Willen versus der Kollektivierung der Massen. Sie lädt das Publikum dazu ein Begriffe wie Menschlichkeit, Selbst, Wahl, Determiniertheit und individuelle Identität neu zu überdenken.
Diese Serie erinnert uns daran, dass ein Mensch der nicht leidet nicht stolz ist und wer den Schmerz aufgibt gibt sich selbst auf. In dieser lauten, stillen Welt bleibt nur die Stimme dessen, der es noch wagt „Ich“ zu sagen.
Alle Menschen vereinen sich in einem kollektiven Bewusstsein, einem Bewusstsein, das Unterschiede aufhebt und allen gleiches Glück schenkt. Dieses Bild erinnert deutlich an Verse, die die „individuelle Verantwortung“ betonen:
«كُلُّ نَفْسٍ بِمَا كَسَبَتْ رَهِينَةٌ»
Jeder wird für das aufkommen was er vorausgeschickte. (Sure Al-Muddasir, Vers 38)
In der Welt der Serie wird dem Menschen, wenn ihm die Wahlmöglichkeit genommen wird auch sein eigenes Selbst genommen.
Der Plural verspricht „Glück“; Glück ohne Schmerz, ohne Konflikt. Doch im Koran wird Leiden als Teil des Evolutionsprozesses dargestellt:
«لَقَدْ خَلَقْنَا الْإِنسَانَ فِي كَبَدٍ»
Wir erschufen den Menschen zur Mühsal/Leiden. (Vers 4 der Sure Balad).
Die Serie unterstreicht genau diesen Punkt: Wenn das Leid beseitigt wird, wird auch das Wachstum beseitigt.
In Pluribus verschmelzen die kollektiven Geister so sehr miteinander, dass das „Selbst“ in seiner koranischen Bedeutung (unabhängige Persönlichkeit, Wille, Verpflichtung) verschwindet und wenn das Selbst verschwindet, verschwindet auch die Verantwortung.
Dies ist genau die Gefahr vor der der Koran wiederholt warnte: kollektive Gedankenlosigkeit, Nachahmung und bedingungsloser Gehorsam.
Vince Gilligan ist ein US-amerikanischer Autor, Produzent und Regisseur, der vor allem für die preisgekrönte Serie Breaking Bad bekannt ist.
Pluribus ist ein mutiges, ungewöhnliches und tiefgründiges Werk für Zuschauer, die nach dem Ansehen über seine Bedeutung und Botschaft nachdenken. Es ist mehr als nur Unterhaltung. Es gehört zu jenen Serien, die weniger unterhalten wollen, sondern vielmehr Zweifel säen und die Realität hinterfragen lassen.
Die größte Stärke der Serie liegt in ihrer Atmosphäre; einer Atmosphäre, die weder gänzlich futuristisch noch zeitgenössisch ist, sondern in einer ambivalenten Distanz schwebt. Diese Distanz verleiht der Geschichte einen metaphorischen Charakter und regt die Zuschauer dazu an nach Bedeutung zu suchen, anstatt der Handlung blind zu folgen. Das minimalistische Bühnenbild, die kühle Beleuchtung und geschlossenen Kameraeinstellungen verstärken das Gefühl von Beklemmung und Kontrolle; es wirkt, als bewegten sich die Figuren stets unter einem unsichtbaren Blick.
Die Serie vereint die Genres Science-Fiction, Psychodrama und sogar schwarze Komödie – eine Kombination, die sie für all jene attraktiv macht, die nach etwas Neuem und Tiefgründigem suchen.
Was Kritiker über Pluribus sagen: Die Serie hat auf Tomatometer eine hervorragende Wertung von 98/100 und auf professionellen Analyse-Websites wie Metacritic eine „Universell positive“ Wertung von 86/100, basierend auf 37 Kritiken.
Die erste Staffel der Serie umfasst neun Episoden und bisher wurden fünf dieser Episoden weltweit mit großem Beifall und Begeisterung vom Publikum auf in- und ausländischen Online-Plattformen aufgenommen und erhielten positive Kritiken von Kritikern.
Manche Kritiker bemängeln das langsame Erzähltempo der Serie und Komplexität mancher Handlungsstränge, die die Geschichte unnötig verkomplizieren, ohne zu einem klaren Schluss zu führen. Dadurch verliert die Serie stellenweise ihren gewohnten Rhythmus im Vergleich zum kraftvollen Beginn.
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