
IQNA: Nach dem Vorfall der Koranverbrennung vor der Großen Moschee in Stockholm stiegen die Anfragen zum Kauf einer schwedischen Übersetzung des Heiligen Korans deutlich an und vielleicht ist dies einer der positiven Effekte dieses tragischen Vorfalls in Schweden. (Quelle: alkompis)
Aber in Schweden gab es im Laufe der Jahre auch andere Versionen der Koranübersetzung und viele gaben sich große Mühe den schwedischen Muslimen die Konzepte des Heiligen Korans näher zubringen.
Derzeit existieren acht verschiedene Übersetzungen des Heiligen Korans ins Schwedische. Die erste entstand im 18. Jahrhundert, die letzte im 20. Jahrhundert, insbesondere nach der Gründung der Skandinavischen Bildungsstiftung am 3. Dezember 2022, die Schritte zur Übersetzung des Heiligen Korans unternahm.
Jede schwedische Übersetzung des Korans weist Unterschiede zu den anderen auf und es ist überraschend, dass mehr als die Hälfte der existierenden Übersetzungen von nicht-muslimischen Schweden und Anhängern anderer Religionen, darunter Judentum und Christentum, verfanns wurden, weil sie großes Interesse daran hatten mehr über den Koran zu erfahren und sich auch für ihre Gesellschaft verantwortlich fühlten. Deshalb übersetzten sie den Heiligen Koran ins Schwedische und veröffentlichten ihn auf dem Markt.
1. Die erste bekannte Übersetzung des Korans stammt von Bischof Johan Adam Tingstadius (1748–1827), wurde aber nie veröffentlicht.
2. Die erste veröffentlichte schwedische Übersetzung wurde von Johan Fredrik Sebastian Kronstolpe (1801–1882) angefertigt und 1843 veröffentlicht.
3. Zwischen 1873 und 1874 erstellte Carl Johan Turnberry (1807–1877) eine neue Übersetzung.
4. 1917 wurde eine vollständige Übersetzung der Konzepte des Heiligen Korans veröffentlicht.
5. 1961 erschien eine Übersetzung von Teilen des Korans durch Åke Ullmark.
6. Eine neue Übersetzung des Korans mit Kommentar, „Koranen Budeskap“ (Botschaften des Korans), wurde 1998 vom ehemaligen schwedischen Diplomaten Mohammed Knut Brannström veröffentlicht, gefolgt von einer zweiten Auflage im Jahr 2000.
Diese schwedische Übersetzung unterscheidet sich von anderen durch die offizielle Anerkennung durch die Abteilung für Islamische Forschung, Schrift und Übersetzung der Al-Azhar-Universität.
Brannström fügte neben dem Kommentar auch den arabischen Originaltext des Korans bei. Diese Übersetzung enthält zahlreiche Interpretationen, Fußnoten und Erklärungen, die den islamischen Lehren widersprechen.
Dr. Abdullah Al-Suwaidi, Absolvent der Islamischen Universität Medina, legte die doktrinären Fehler dieser Übersetzung in seiner Masterarbeit detailliert dar.
7. Eine weitere schwedische Übersetzung stammt von Quneita Sadaqah und trägt den Titel „Der Heilige Koran“. In dieser Übersetzung ist jede Seite zweispaltig: Die linke Spalte enthält die schwedische Übersetzung des Korans, die rechte den arabischen Originaltext.
8. Die Skandinavische Bildungsstiftung veröffentlichte 2022 ebenfalls eine Übersetzung mit dem Titel „DEN ÄDLA KORANEN“, die aktuellste schwedische Übersetzung des Heiligen Korans.

Der Professor für Religionsgeschichte in Schweden Jan Eyarpe sagt: Die Hauptpflicht eines Gläubigen in seinem religiösen Leben besteht darin den Koran demütig und unter Beachtung der Tajweed-Regeln aus dem arabischen Text zu rezitieren. Daher ist der in arabischer Schrift verfasste Text des Korans ein heiliger Text.
Der Heilige Koran wird bei verschiedenen Anlässen in kunstvollem Arabisch rezitiert, doch die meisten Muslime weltweit verstehen ihn nicht. Dabei besitzt er eine erstaunliche Schönheit. Um ihn zu verstehen muss der Text des Korans übersetzt und interpretiert werden.
Christopher Toll untersuchte in einem 2005 erschienenen Artikel mit dem Titel „Die Übersetzung des Korans ins Schwedische“ umfassend die Geschichte und die Persönlichkeiten der Koranübersetzer ins Schwedische. Auch in Schweden erschienen wissenschaftliche Artikel zu ins Lateinische und ins Schwedische übersetzte Passagen des Korans.
Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts bildeten diese Thesen die Grundlage für Masterarbeiten und wurden nur von einem sehr begrenzten Kreis von Lehrern und Studenten genutzt.
Die arabischsprachigen Artikel bezogen sich auf das Thema der orientalischen Sprachen (zu denen auch Griechisch gehörte), und die arabische Sprache war unerlässlich für den Vergleich mit den semitischen Sprachen, insbesondere Hebräisch und Syrisch, die für die Auslegung der Bibel und Studium der Bischöfe der Kirchen verwendet wurden.
Vollständige Übersetzungen des Korans lagen in Latein, Englisch, Deutsch und Französisch vor. Für die Koranforschung waren die lateinischen Übersetzungen von Ludovico Maracci aus dem Jahr 1698 über einen sehr langen Zeitraum von großer Bedeutung.
Im Laufe der Zeit zeigte die schwedische Regierung ein größeres Interesse an Orientalistik, was schließlich in der Internationalen Orientalischen Konferenz in Stockholm gipfelte, die 1889 unter Beteiligung von König Oskar II. stattfand.
Gleichzeitig begannen die Universitäten das Thema umfassender zu behandeln. In dieser Zeit veröffentlichte Carl Johan Thornberg, Professor für orientalische Sprachen an der Universität Lund, 1873/74 seine schwedische Übersetzung des Heiligen Korans in Broschüren.
Thornberg arbeitete Mitte des 19. Jahrhunderts eng mit europäischen Orientalisten zusammen. Er fügte dem Originaltext seiner Übersetzung einige interpretative Zusätze hinzu, die präzise, dem Sinn des Korantextes nahekommende Auslegungen enthielten und ergänzte diese um weitere Erklärungen.
Der Professor für Orientalische Sprachen an der Universität Lund von 1895 bis 1904 und anschließend Professor für Semitische Sprachen in Uppsala bis 1931 Carl Wilhelm Zetterstein lieferte eine bemerkenswerte Übersetzung.

1961 überarbeitete Åke Ullmarks eine Übersetzung von Teilen des Korans, die auf der deutschen Übersetzung von Ludwig Ullmann aus dem Jahr 1840 basierte. Diese Übersetzungen sind größtenteils unzuverlässig.
Eine schwedische Übersetzung aus dem Jahr 1988 basiert auf den Glaubensgrundsätzen der Ahmadiyya-Bewegung. Sie spiegelt deren Interpretation des Koraninhalts wider und hat nur ein begrenztes Publikum. Schwedische islamische Autoritäten betrachten sie als häretisch oder unislamisch.
Schweden hat heute viele Einwohner mit muslimischem Hintergrund, was im 20. Jahrhundert nicht der Fall war. Die Übersetzung des Korans ins Schwedische, das heute zwar stark säkular, aber dennoch multireligiös ist spricht ein anderes Publikum an.
Der schwedische Diplomat war bereits zweimal Botschafter in Madrid und Rabat. Bernström, der Mitte der 1980er-Jahre zum Islam konvertierte, sah in der schwedischen Gesellschaft den Bedarf an einer neuen Übersetzung des Heiligen Korans. Als Zetterstein im 20. Jahrhundert begann den Koran für Studenten und Gelehrte zu übersetzen fragte sich Bernström wie moderne Muslime die Konzepte des Korans verstehen könnten, der im 6. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel entstanden war. Bernströms Zielgruppe waren schwedische Muslime.
Brunströms religiöse Erziehung trägt ebenfalls zu diesem Problem bei. Geboren 1919 in eine protestantisch-katholische Familie, konvertierte er in jungen Jahren zum Katholizismus. Doch in den 1960er Jahren, als das Zweite Vatikanische Konzil das Motto „Reform“ annahm, wurde der Katholizismus für ihn problematisch. Dieses Motto widersprach der Vorstellung Religion sei etwas Festes und Unveränderliches.
Bernstroms Aufenthalt in Marokko war von großer Bedeutung. Dort fand er die Stabilität und Beständigkeit des Islam, Korans und seines arabischen Textes, der ewige Heiligkeit besitzt. Doch wie konnte er diesen heiligen Text verstehen?
Das 1980 erschienene Buch „Die Botschaft des Korans“ von Muhammad Asad (einem Konvertiten vom Judentum zum Islam) war Bernstrom eine große Hilfe bei der Übersetzung des Korans. In „Die Botschaft des Korans“ lieferte Asad einen redigierten und vervollständigten Kommentar.
Die europäischen Rahmenkonzepte von Asad und Bernström scheinen für die Erstellung eines schwedischen Textes unerlässlich. Laut dem schwedischen Professor für Religionsgeschichte Jan Eyarpe handelt es sich dabei nicht um eine Übersetzung, sondern um eine Umschreibung die oft dem Verständnis bestimmter Passagen des Korans im Islam widerspricht.
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