
IQNA: Luqman Abdullah schrieb in einem Artikel der libanesischen Zeitung Al-Akhbar über die Anerkennung Somalilands durch das zionistische Regime: Die Anerkennung Somalilands durch den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ist Höhepunkt einer langen und komplexen Geschichte geheimer Beziehungen, die hinter den Kulissen geknüpft wurden. Dieser Schritt erfolgt im Rahmen eines umfassenderen regionalen Projekts zur Neugestaltung der Einflussgebiete am Horn von Afrika und am Roten Meer, das den Interessen Tel Avivs und seiner Verbündeten, insbesondere Abu Dhabis, dient. Tatsächlich lässt sich dieser israelische Schritt nicht von den zunehmenden Aktivitäten der Emirate in der Region trennen, sei es durch Unterstützung des Südlichen Übergangsrats bei der Kontrolle über Ostjemen oder durch indirekte Rollen im Sudan.
Die Entwicklungen in diesen Regionen scheinen zwar getrennt, ähneln aber einem einzigen Operationsgebiet in dem Israel in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten die Bemühungen um Sicherheit und politischen Wiederaufbau anführt. Dies wird deutlich in einem Bericht des israelischen arabischsprachigen Senders „ i24NEWS“, der sich auf informierte Kreise beruft und bestätigt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate an den Verhandlungen beteiligt waren, die zur Anerkennung Somalilands durch Israel führten.
Laut mehreren Quellen unterhält der israelische Geheimdienst Mossad seit Jahren verdeckte Beziehungen zu Somaliland, fernab jeglicher öffentlicher Medien und diplomatischer Berichterstattung. Diese umfassen die Koordination von Geheimdienstinformationen, Sicherheitsvereinbarungen und politische Vorbereitung einer Anerkennung. Der jüngste Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis Tel Avivs über zunehmende militärische Fähigkeiten von Ansar Allah im Jemen, insbesondere im Bereich von Raketen, Drohnen und maritimen Bedrohungen, sowie über die neuen Abschreckungskonstellationen, die diese Fähigkeiten im Roten Meer und in der Meerenge von Bab al-Mandab schufen.
In diesem Zusammenhang berichtete die israelische Zeitung Yedioth Ahronoth, dass Israel – ähnlich wie die USA – Somaliland aufgrund seiner ausgedehnten Küstenlinie, seiner strategischen Lage am Horn von Afrika und seiner Nähe zu den von der jemenitischen Ansarullah kontrollierten Gebieten genauestens beobachtet. Die Zeitung ist der Ansicht, dass die Stärkung der Beziehungen zu Somaliland im Kampf gegen Ansarullah von doppelter Bedeutung ist.
Es ist erwähnenswert, dass der Minister für jüdische Angelegenheiten im Ausland Amichai Shekeli bestätigte, dass dieser Schritt ein bedeutender Erfolg im Kampf gegen die Huthis ist. Die Zeitung Ma’ariv argumentierte ihrerseits, der Vorteil der Anerkennung liegt nicht im diplomatischen Aspekt, sondern in Somalilands geografischer Lage. Der Hafen von Barbara am Golf von Aden und der nahegelegene Flughafen mit einer der längsten Start- und Landebahnen Afrikas machen das Land zu einem strategisch wichtigen Punkt an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
In diesem Kontext scheint Israels Entscheidung mit Tel Avivs dringendem Bedürfnis nach strategischen Alternativen zusammenzuhängen, die die maritime Sicherheit gewährleisten und wichtige Handels- und Energierouten schützen, insbesondere angesichts der abnehmenden Wirksamkeit traditioneller militärischer Mittel im Kampf gegen die wachsende Bedrohung aus dem Jemen. Darüber hinaus fällt diese Anerkennung Somalilands in den Kontext von Israels Bestrebungen die Reichweite der Abraham-Abkommen auf den afrikanischen Kontinent auszudehnen, selbst über international nicht anerkannte Regime hinweg, um dort neue politische und sicherheitspolitische Realitäten zu etablieren und jegliche regionale Vereinbarungen zu beseitigen, die Israel von den Machtverhältnissen im Roten Meer und am Horn von Afrika ausschließen könnten.
Der ehemalige türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu bezeichnete den israelischen Schritt als direkten Angriff auf die Interessen Ägyptens, Saudi-Arabiens und der Türkei in der Region und sah darin einen Teil einer umfassenderen Strategie islamische Länder zu spalten und Schlüsselstaaten durch deren Einkreisung zu schwächen. Israel strebt nicht nur die Spaltung Somalias oder Entfachung eines Bürgerkriegs mit potenziell weit verbreiteten Gräueltaten ähnlich denen im Sudan an, sondern will auch Zugang zum strategisch wichtigen Hafen von Barbara an der Mündung des Roten Meeres im Golf von Aden erlangen. Dies würde Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei, die in Somalia einen wichtigen strategischen Stützpunkt unterhalten und für ihre Politik gegenüber dem afrikanischen Kontinent von entscheidender Bedeutung sind, faktisch einkreisen.
Trotz ihrer tiefgreifenden Differenzen veröffentlichten arabische und islamische Länder daher rasch eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Anerkennung Israels ablehnten. Dies verdeutlicht das gemeinsame Verständnis der Folgen dieses Schrittes für gemeinsame strukturelle Interessen. Die Unterzeichnerstaaten sahen sich einem gefährlichen Präzedenzfall gegenüber, der den Grundsatz der staatlichen Einheit bedrohte und separatistischen Regimen den Weg zur Legitimierung ebnete. Dieser Weg hat direkte Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten Region und dient als Warnung vor der potenziellen Ausnutzung interner Spaltungen in fragilen Staaten zur Zerstörung ihrer Einheit.
Im Gegensatz dazu war es nicht überraschend, dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain die Erklärung nicht unterzeichneten. Ihre Rolle ist untrennbar mit Projekten verbunden, die darauf abzielen, die Region gemäß der Vision des neuen Nahen Ostens um zu gestalten, für die sich Netanjahu stets einsetzte. Es ist erwähnenswert, dass die VAE zuvor versuchten Somaliland über die Vereinten Nationen international anerkennen zu lassen, diese Bemühungen jedoch scheiterten. Diese Bemühungen waren Teil einer umfassenderen Strategie der VAE, ein Einflussimperium zu errichten, das auf der Kontrolle wichtiger Häfen und Wasserstraßen (darunter das Rote Meer und der Golf von Aden), Militärstützpunkten und der Sicherung internationaler Handels- und Energierouten in Abstimmung mit den USA und Israel beruht. Da die Strategie der VAE auf den Hafengesellschaften von Dubai und Abu Dhabi als ihren kommerziellen und strategischen Arm basiert, konnten sie ein Netzwerk wichtiger Häfen kontrollieren, das sich über Afrika und die Arabische Halbinsel erstreckt.
In diesem Kontext spiegelt die Investition der VAE in Somaliland Abu Dhabis Bestreben wider seine Position im regionalen Sicherheits- und Wirtschaftsgefüge zu festigen, wo sich die Interessen regionaler und internationaler Mächte überschneiden. Zu den wichtigsten Aspekten dieser Investition zählen die Ausgaben von über 442 Millionen US-Dollar für den Ausbau des Hafens von Barbara (Somaliland) zu einem modernen Militär- und Logistikstützpunkt – ohne jegliche Abstimmung mit der Zentralregierung in Mogadischu – sowie Umwandlung des Hafens von Bossaso (Puntland) in ein weiteres strategisches Drehkreuz in Somalia, ebenfalls unabhängig von der Zentralregierung.
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