
IQNA aus dem Irak: Der Freitagsprediger von Bagdad und herausragender Gelehrter der Hawza von Nadschaf Ayatollah Sayyed Yassin Musawi wies in seiner Freitagspredigt mit Bezug auf die gegenwärtige Lage in der Region hin: Die vorherrschende Atmosphäre in der Region ist eine Art "beispielloses militärisches und politisches Brodeln".
Er verglich die aktuelle Situation als eine Veränderung der Aufstellung "des regionalen Schachbretts" und stellte klar: Die gegenwärtigen Ereignisse sind nicht vereinzelt und zufällig, sondern miteinander verbundene Bestandteile eines größeren Projekts zur Neujustierung der Machtgleichgewichte.
Er erklärte: Die Vorstellung, dass politische Entwicklungen getrennt vom regionalen und internationalen Kontext stattfinden ist eine naive Auffassung, die versucht diese in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Die künstliche Trennung von Themen und deren detaillierte Behandlung erfolgen mit dem Ziel die Gesellschaft mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen und sie von großen Entwicklungen abzulenken.
Musawi fügte hinzu: Einige Medienströmungen verfügen entweder über keine präzise politische Analyse oder bewegen sich im Rahmen von Agenden, die die Interessen externer Akteure bedienen.
Der Freitagsprediger von Bagdad bezog sich in der Folge auf die Nachricht von der Verlegung von fünftausend ISIS-Elementen von Hasaka in den Irak und sagte: Diese Aktion erfolgte zeitgleich mit Berichten über Pläne der USA zur Neuordnung der Lage in Syrien und Bereitstellung des Terrains für Bewegungen bestimmter Seiten.
Mit dem Ausdruck seiner Besorgnis über mögliche Stationierung dieser Personen in Stützpunkten innerhalb des Irak betonte er, dass dieses Thema nicht getrennt von einem größeren Sicherheitsrahmen analysiert werden kann.
Ayatollah Musawi verwies auch auf den Abzug US-Streitkräften vom Stützpunkt Al-Tanf und dessen Übergabe an die Gruppe Al-Jolani und bezeichnete diesen Stützpunkt als von strategischer Bedeutung im Kalkül des Dreiecks Syrien-Irak-Jordanien.
Er warf die Frage aufwarf mit welchem Ziel die Verlegung US-Streitkräfte erfolgte, brachte die Möglichkeit ihrer Verlegung in irakisches Hoheitsgebiet oder in den Norden des Landes ins Spiel und fügte hinzu: Diese Bewegungen deuten eher auf eine Art militärische Neuordnung hin, als dass sie einen Rückzug darstellen.
Im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen und Verzögerung bei der Wahl des irakischen Staatspräsidenten sagte er: Der Stillstand der verfassungsmäßigen Prozesse kann nicht von der angespannten regionalen Lage getrennt betrachtet werden. Die Wahl des Premierministers ist laut Verfassung an die Bestimmung des Staatspräsidenten gebunden und die Zuschreibung der Krise zu bestimmten Strömungen vor Lösung dieses Problems stellt eine Art Medienoperation zur Ablenkung der öffentlichen Meinung dar.
Über die jüngsten Positionen der Türkei gegenüber dem Irak äußerte der Freitagsprediger von Bagdad: Diese Positionen können im Rahmen der aktuellen regionalen Entwicklungen Bedeutung erlangen und zeigen, dass der Irak nicht vom Prozess der Neuziehung der Einflusssphären in der Region getrennt ist.
In einem anderen Teil seiner Ausführungen ging Ayatollah Musawi auf Spannungen zwischen den USA und dem Iran ein und sagte: Die jüngsten Drohungen Washingtons führten nicht zu einem regionalen Konsens mit Teheran. Einige Länder, die US-Stützpunkte beherbergen, erklärten, dass sie die Zielerfassung dieser Stützpunkte nicht als Angriff auf ihre Souveränität betrachten, sondern dies im Rahmen der Konfrontation zwischen Washington und Teheran sehen. Diese Situation veränderte das Abschreckungsgleichgewicht und machte die Kalkulationen der USA komplexer.
Der Freitagsprediger von Bagdad stellte klar, dass sich die laufenden Gespräche nach der erklärten Position des Irans ausschließlich auf sas Nukleardossier konzentrieren und Themen wie Raketenfähigkeiten oder regionaler Einfluss nicht auf der Tagesordnung stehen.
Ayatollah Musawi bewertete die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der US-Regierung und Druck des Zionistenregimes als Zeichen eines internen Machtkampfes über Art und Weise der Handhabung dieses Dossiers.
Abschließend forderte Ayatollah Musawi die politischen Strömungen im Irak auf durch Stärkung des inneren Zusammenhalts und Vertrauen auf die Fähigkeiten des Volkes auf jede mögliche Entwicklung vorbereitet zu sein.
Er berief sich auf das Prinzip "Und bereitet gegen vor, was ihr an Kraft aufbieten könnt" betonte er, dass das Vertrauen auf Kapitulation oder absoluten Kompromiss den Schutz des Landes nicht gewährleisten wird, sondern das öffentliche Bewusstsein, nationale Einheit und Rolle der religiösen Autorität die Hauptstütze für den Schutz des Irak sind.
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