
IQNA: Der Fastenmonat Ramadan ist mehr als nur ein religiöses Ereignis! Dieser Monat ist auch eine wirtschaftliche Saison, die die Konsummuster in der arabischen Welt und in islamischen Ländern erheblich verändert. (Quelle: Sky News)
Während dieses Monats verzeichnen die Märkte einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach grundlegenden Lebensmitteln, Süßspeisen und traditionellen Ramadan-Getränken.
Lokale und sogar globale Unternehmen passen in der Regel ihre Strategien an um diesem Anstieg des Konsums gerecht zu werden und machen den Ramadan zu einer goldenen Saison für Unternehmen in verschiedenen Sektoren.
Der Einfluss des Monats Ramadan erstreckt sich über Lebensmittel und Getränke hinaus auch auf die Technologie- und Unterhaltungsbranche. Digitale Plattformen, Liefer-Apps und Online-Shops verzeichnen einen deutlichen Nachfrageanstieg.
Diese Veränderung im Verbraucherverhalten zeigt, wie diese sozialen Bräuche die Kaufkraft der Verbraucher lenken und innovative Marketingmöglichkeiten für Marken schaffen können. Der Monat Ramadan beeinflusst auch den Dienstleistungssektor und den Binnentourismus der Region, da Familien sich neben den erhöhten Ausgaben für Geschenke aus diesem Anlass auch Restaurants und Hotels zuwenden, die spezielle Dienstleistungen anbieten.
Diese Entwicklungen unterstreichen, dass der Fastenmonat ein wirtschaftlicher Motor ist, der sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen nützt und die Rolle von Kultur und Tradition bei der saisonalen Veränderung der Wirtschaftslandschaft der arabischen Länder verstärkt.
Außergewöhnliche Saison für die Wirtschaft
In diesem Zusammenhang sagte der Finanzmarktexperte Mohammed Said gegenüber Sky News Arabia: Der Monat Ramadan stellt eine außergewöhnliche Wirtschaftssaison dar, die jedes Jahr die Karte der Ausgaben und des Konsums in der arabischen Region neu zeichnet.
Dieser Monat in dem die Menschen tagsüber ihre Essgewohnheiten anpassen wird praktisch zum größten saisonalen Konsumzyklus des Jahres. Die Vorbereitungen beginnen Wochen vor Eintreffen dieses Monats, da die Familien in Erwartung der erhöhten Nachfrage Grundgüter und Lebensmittel bevorraten.
Marktdaten in mehreren arabischen Ländern zeigen, dass die Haushaltsausgaben für Lebensmittel und Getränke im Vergleich zu normalen Monaten um 25 bis 50 Prozent steigen. Diese Ausgaben konzentrieren sich auf bestimmte mit dem Fastenmonat Ramadan verbundene Artikel wie Datteln, Trockenfrüchte und Nüsse, Fleisch, Milchprodukte und traditionelle Getränke, was einen außergewöhnlichen Druck auf die Lieferketten und Vertriebsnetze ausübt.
Said betont, dass dieser Konsumanstieg zwar den Handel ankurbelt, aber auch eine negative Seite hat: Zunahme der Lebensmittelverschwendung. Dies belastet die Familien finanziell und zehrt Ressourcen auf angesichts der Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Einkäufe außerhalb des tatsächlichen Konsumbereichs liegt.
Entwicklungen im Werbesektor während des Ramadan
Auf der anderen Seite erlebt der Werbesektor im Monat Ramadan einen saisonalen Höhepunkt und verändert die Landschaft der Marketingausgaben in der Region. Die Zuschauerzahlen im Fernsehen verdoppeln sich, Produktion digitaler Inhalte nimmt zu und Marken konkurrieren darum im Werberaum Einfluss zu gewinnen.
Diese Zeit bietet Unternehmen eine strategische Chance die Bekanntheit von Marken und damit den Umsatz zu steigern, indem sie die hohen Zuschauerzahlen bei Serien und Unterhaltungssendungen nutzen, zusammen mit dem wachsenden Werbevolumen auf digitalen Plattformen und im E-Commerce.
Dieser Sektor steht jedoch vor Herausforderungen im Zusammenhang mit steigenden Produktions- und Sendekosten sowie Marktsättigung mit Werbebotschaften. Dies erfordert von Agenturen und Werbetreibenden innovativere Inhalte zu produzieren, die in der Lage sind eine dauerhafte emotionale Verbindung mit dem Publikum aufzubauen, anstatt sich ausschließlich auf intensive saisonale Werbung zu verlassen.
In diesem Zusammenhang weist Said darauf hin, dass der Monat Ramadan der jährliche Höhepunkt des Werbemarktes in der arabischen Welt ist und Unternehmen einen erheblichen Teil ihres Marketingbudgets in diesem Monat bereitstellen, um von den höchsten TV-Einschaltquoten des Jahres zu profitieren, insbesondere zur Zeit des Fastenbrechens (Iftar) und Ausstrahlung von Abendprogrammen.
Die Konkurrenz beschränkt sich nicht mehr auf traditionelle Kanäle, sondern weitete sich erheblich auf digitale Plattformen und soziale Medien aus und zielt durch interaktive Kampagnen, die besonders in den Nachtstunden E-Commerce und Lieferdienste stärken, auf die junge Bevölkerung ab.
Produktivität im Monat Ramadan
Andererseits erläutert er in Bezug auf die Produktivität, dass die Verkürzung der offiziellen Arbeitszeiten in vielen arabischen Ländern, zusammen mit der durch das Fasten bedingten Müdigkeit zu einem relativen Produktivitätsrückgang während des Tages in einigen Sektoren führt, insbesondere in solchen die intensive körperliche oder geistige Anstrengung erfordern.
Er weist jedoch auf die Entstehung dessen hin, was man „Nachtökonomie“ nennen könnte, wo der Einzelhandel, Restaurants und die Unterhaltungsbranche bis in die frühen Morgenstunden hinein deutlich aktiv sind und die Tagesträgheit teilweise ausgleichen.
Mohammed Said betont abschließend, dass diese saisonalen Veränderungen aufgrund des Nachfrageschocks und der gestiegenen Angebotskosten vorübergehende Inflationsdruck erzeugen, der sich in höheren Preisen für einige grundlegende Lebensmittel während des Monats widerspiegelt, insbesondere in importabhängigen Volkswirtschaften.
Dieser Druck ist jedoch oft kurzfristig und lässt allmählich nach, wenn die Saison endet und die Konsummuster zu ihrem normalen Niveau zurückkehrten.
Saisonaler Inflationsanstieg
Der Monat Ramadan hat einen erheblichen Einfluss auf die Inflationsrate, da die Preise für Grundgüter und Verbrauchsdienstleistungen aufgrund der gestiegenen saisonalen Nachfrage nach Lebensmitteln, Getränken und alltäglichen Konsumgütern tendenziell steigen.
Dieser vorübergehende Nachfragedruck treibt die Preisindizes in die Höhe, insbesondere in Märkten mit schwankenden Lieferketten oder begrenztem Angebot, was sich wiederum auf die Kaufkraft der Verbraucher auswirkt. Umgekehrt können staatliche Maßnahmen wie Preiskontrollen und Lebensmittelsubventionen dazu beitragen diese saisonale Inflation zu mildern und den Monat Ramadan zu einem entscheidenden Test für Markteffizienz und Preisstabilität auf dem jährlichen Konsumhöhepunkt zu machen.
In diesem Zusammenhang bestätigt die Finanzmarktexpertin Hanan Ramsis in einem Interview mit Sky News Arabia, dass der gesegnete Monat Ramadan aufgrund des erhöhten Konsums in der Regel einen deutlichen Anstieg der Inflationsraten erlebt.
Die Natur dieses gesegneten Monats ist verbunden mit gestiegenen Ausgaben für Mahlzeiten und einer größeren Vielfalt an Lebensmitteln, zusammen mit vermehrten Besuchen und familiären Zusammenkünften sowie der Stärkung sozialer und verwandtschaftlicher Bande, was alles die Nachfrage erhöht.
Die gestiegene Nachfrage veranlasst einige Händler die Preise zu erhöhen und manchmal wird die gestiegene Kauftätigkeit ausgenutzt.
Das Ausmaß der Preissteigerungen ist von Land zu Land unterschiedlich. In einigen arabischen und Golfstaaten sind die Preissteigerungen aufgrund der strengen Marktüberwachung und Existenz großer Supermarktketten, die Werbeaktionen und Rabatte anbieten, um Verbraucher anzuziehen und Grundnahrungsmittel zu angemessenen Preisen anzubieten, geringer.
Die Situation ist in einigen Ländern, wie beispielsweise Ägypten, relativ unterschiedlich. Die Inflationsrate ist aufgrund der schwächeren Überwachung in einigen Sektoren und gestiegenen Nachfrage, insbesondere mit Zunahme der Verbraucherzahl höher, was zusätzlichen Druck auf die Märkte ausübt.
Dieser Bericht unterstreicht, dass die Begeisterung ägyptischer Familien die Traditionen des gesegneten Monats einzuhalten, sie manchmal dazu bringt finanzielle Lasten zu tragen, die über ihre Verhältnisse hinausgehen und sie sogar dazu greifen Geld zu leihen, um die Kosten zu decken.
Der Bericht erläutert, dass die Regierung die monatliche Senkung der Inflationsrate auf der Grundlage eines Warenkorbs mit Grundgütern bekannt gibt was die Senkung des Zinssatzes rechtfertigt. Die Bürger spüren jedoch den tatsächlichen Preisanstieg was eine Kluft zwischen den offiziellen Indikatoren und der Realität des täglichen Lebens schafft.
Sie betont, dass das Ungleichgewicht zwischen sozialen Klassen in einigen Ländern den Druck auf die Familien erhöht Familien, die möglicherweise gezwungen sind während des gesegneten Monats auf einige Güter zu verzichten, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie betont, dass die Inflationsrate weiterhin mit dem Ausmaß der Marktüberwachung, Verfügbarkeit von Gütern und dem Umfang der Werbeaktionen großer Einzelhändler zur Steigerung der Verkäufe und Ankurbelung des Marktes zusammenhängt.
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