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Monat-Ramadan-Stimmung in muslimischen Gebieten Chinas

17:24 - February 27, 2026
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IQNA- Für die muslimische Minderheit in China ist der Monat Ramadan ein Anlass, der sowohl spirituell ist als auch einem Fest gleicht! Die alten Traditionen dieses Monats sind vertraute Rituale, die Glauben, Essen und soziales Leben miteinander verbinden.

IQNA: Mit Sonnenuntergang in der Stadt Nagqu in der südchinesischen Provinz Yunnan hallte der gleichmäßige Rhythmus traditioneller Trommeln durch die engen Gassen und kündigte die Ankunft des Monats Ramadan an. (Quelle: Anadolu)

Kinder versammelten sich neben den Ältesten, Ladenbesitzer standen in den Eingängen ihrer Geschäfte und Familien gingen in Richtung der Najiaying-Moschee, wo seit Generationen der Beginn des heiligen Monats der Muslime mit Gebeten und gemeinsamen Mahlzeiten gefeiert wird.

Nur wenige Meter weiter ist der Ramadan-Markt voller Leben. Essensstände erfüllten die Luft mit dem Duft von gegrilltem Fleisch, Nudeln und süßer Milch, während Anwohner und Gäste nebeneinander saisonale Leckereien auswählten.

Für die fast 8.000 Muslime dieser Stadt ist diese Szene sowohl spirituell als auch festlich; ein vertrautes Ritual, das Glauben, Essen und soziales Leben vereint.

Die Vorbereitungen für den Monat Ramadan beginnen einige Tage zuvor. Familien kaufen spezielle Zutaten, neue Kleider ein und planen Zusammenkünfte.

In ganz China, das etwa 25 Millionen Muslime beheimatet, hauptsächlich aus den Gemeinschaften der Hui und Uiguren, variieren die kulinarischen Traditionen je nach Region und spiegeln lokale Kulturen und Geschichten wider. In Najiaying zum Beispiel sind Reisnudeln und Rindfleischgerichte Grundnahrungsmittel des Fastenmonats.

„Dieses Jahr ist anders, weil der Monat Ramadan mit dem chinesischen Neujahrsfest zusammenfällt", sagt der Sozialunternehmer Ma Erzhao Yusuf. Während der Feiertage reisen Millionen von Menschen in ihre Heimatstädte. „Viele Muslime brechen ihr Fasten mit ihren Familien“, sagte er.

Er, der in den sozialen Medien Inhalte produziert, indem er beliebte Orte und das muslimische Erbe in ganz China hervorhebt, sagte, dass der Fastenmonat-Ramadan-Markt die Hauptattraktion der Stadt ist. Er, gebürtig aus Najiaying, gründete zusammen mit seiner Frau Reisegruppen in ganz China gegründet, um die vielfältigen Kulturen und Landschaften zu präsentieren. Er sagte: „Meine Mutter erledigte bereits die notwendigen Einkäufe und in unserer Gegend ist der Monat-Ramadan-Markt die Hauptattraktion.“

Dieser Markt öffnet einige Tage vor Beginn des Ramadan und bleibt etwa eine Woche nach dessen Ende geöffnet. Die Verkäufer verkaufen gegrilltes Fleisch, Nudeln, Gebäck und Milchtee – ein in ganz China beliebtes Getränk.

Ma sagte: „Viele Menschen, auch Nicht-Muslime, kommen aus anderen Städten um den Markt zu besuchen. Dieser Markt ist wie ein Festival, sehr lebhaft.“

Die täglichen Abläufe ändern sich während des Monats Ramadan. Einkäufe am frühen Morgen sind üblich und Reisnudeln sind ein beliebtes Gericht vor Sonnenaufgang und am Abend.

Ma sagte: „Reisnudeln sind beliebt; sie sind leicht verdaulich und ein typisches Gericht der Provinz Yunnan.“

Vor Beginn des Fastens versammeln sich die Familien zur Mahlzeit vor der Morgendämmerung (Suhur). Bei Sonnenuntergang kommen sie wieder zusammen um das Fasten zu brechen (Iftar).

Er sagte: „Früher gab es die Tradition vor dem Suhur (Frühstück vor dem Morgengebet) regelmäßig zu trommeln. Diese Tradition besteht immer noch, aber die Häufigkeit nahm ab.“

Nach einem Arbeitstag gehen die Bewohner zum Iftar in die Moschee. In vielen Moscheen wird das Iftar gemeinschaftlich von der Moscheeverwaltung organisiert, was das Gefühl einer geteilten Erfahrung fördert.

Ma sagt: „Jeden Tag wird eine Glocke geläutet um das Fastenbrechen anzukündigen. Wir gehen zur Moschee, brechen vor dem Gebet das Fasten und kehren dann zum Essen nach Hause zurück.“ Er erinnerte sich an seine Kindheitserinnerungen an frühe Morgen und Schultage, die von den Routinen im Monat Ramadan geprägt waren. „Ich erinnere mich, dass ich einmal nach dem Suhur-Mahl im Bus eingeschlafen bin“, sagte er lachend.

 

Ramadan-Erinnerungen in ganz China

Für die Historikerin Haiyun Ma, die ursprünglich aus der Provinz Qinghai im Nordwesten Chinas stammt, weckt der Monat Ramadan Kindheitserinnerungen, die in jahrhundertealten muslimischen Traditionen verwurzelt sind.

Sie sagte zu Anadolu: „Der Islam ist seit Jahrhunderten Teil der Kulturlandschaft der Region, daher fühlt sich der Monat Ramadan hier tief verwurzelt und gemeinschaftlich an.“

Ma, die jetzt an der Frostburg State University in den USA lehrt, erinnert sich an die Abende in der Moschee als Höhepunkt des Monats. Sie sagt: „Der unterhaltsamste Teil war der abendliche Gang zur Moschee. Verschiedene Familien teilten Datteln und andere Leckereien zum Iftar miteinander.“

Manchmal erhielten die Kinder vor dem Gebet kleine Tüten mit Süßigkeiten und Datteln und ihrer Meinung nach erschien der Monat Ramadan als ein köstlicher Monat.

Familien laden oft Verwandte, Freunde und Gemeindevertreter zum Suhur (Frühstück vor dem Morgengebet) oder Iftar ein, während die Moscheen zu lebendigen Zentren des sozialen Lebens werden.

Da die Gerichte im Fastenmonat Ramadan in ganz China sehr vielfältig sind hat Ma süße Erinnerungen an traditionelle Gerichte aus Qinghai, darunter ölige Kuchen, eine Art frittiertes Gebäck, Weizensuppe und gemischte Suppen mit Fleisch und Gemüse.

Weitere Spezialitäten sind gekochtes, gedämpftes oder gegrilltes Hammelfleisch das mit der Hand gegessen werden soll. Kalter Reis oder Weizennudeln, bedeckt mit Chili, Essig und scharfen Gewürzen.

Die Mahlzeiten vor Sonnenaufgang bestehen oft aus Tee, gedämpften Brötchen oder Mantou gefüllt mit Fleisch oder Gemüse, Butter, gekochtem Fleisch und Gemüse. Ma sagte: „Herzhafte, aber einfache Speisen um das Fasten durchzuhalten.“ Zum Iftar (Fastenbrechen) beginnen die Familien traditionell mit in Zucker gekochten roten Datteln.

Sie sagte: „Dann gibt es Tee, gefolgt von Reis mit Gemüse oder Nudeln mit Fleisch und vielen anderen Gerichten. Dieser Monat ist entspannend, warm und sehr gemeinschaftlich.“

In den muslimischen Gemeinschaften Chinas bringt der Fastenmonat Ramadan ein starkes Gefühl des Miteinanders mit sich. Ma sagte: „Man hatte immer das Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein! Man fühlte sich nie allein.“ Sie fügte hinzu, dass der Geschmack der Datteln in der Moschee einfach aber unvergesslich ist und es fast jeden Abend so ist als wäre man irgendwo zu einem Abendessen eingeladen.

Gegen Ende des Ramadan beginnen die Vorbereitungen für das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr). Familien besuchen ihre Ältesten, Kinder erhalten „Segensgeld“ und die Häuser sind voller Gäste und Feierlichkeiten. Für sie geht die Essenz des Monats Ramadan über das Fasten hinaus. Sie sagte: „Der Monat Ramadan ist der Monat der Gemeinschaft, Großzügigkeit, Speisen, Gedenken Gottes und Freude.“

 

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