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Kommentar

Quds und ewige Forderung nach menschlicher Würde

17:58 - March 15, 2026
Nachrichten-ID: 3014519
IQNA- In der politischen Kalenderordnung der Welt gibt es Tage die über einen bloßen Anlass hinausgehen und zum Symbol einer menschlichen Sorge werden. Der Internationale al-Quds-Tag gehört zu eben diesen Tagen! Ein Tag der zwar in der islamischen Welt wurzelt, seinem Wesen nach jedoch auf eine Frage verweist die über Religion und Geographie hinausgeht: Leid von Menschen die seit Jahrzehnten in einem Kreislauf aus Gewalt, Instabilität und Entbehrung gefangen sind.

Von Ahmadreza Asghari, Kulturaktivist aus Afghanistan

In der politischen Kalenderordnung der Welt gibt es Tage die über einen bloßen Anlass hinausgehen und zum Symbol einer menschlichen Sorge werden. Der Internationale al-Quds-Tag gehört zu eben diesen Tagen! Ein Tag der zwar in der islamischen Welt wurzelt, seinem Wesen nach jedoch auf eine Frage verweist die über Religion und Geographie hinausgeht: Leid von Menschen die seit Jahrzehnten in einem Kreislauf aus Gewalt, Instabilität und Entbehrung gefangen sind.

 

Palästina: Erzählung eines Volkes das das Leben unter Belagerung erfährt

Die Palästina-Frage ist nicht nur ein politischer Konflikt zwischen zwei Seiten! Vielmehr ist sie die lange Erzählung eines Volkes dessen Alltag mit Begriffen wie Belagerung, Vertreibung, Unsicherheit und Sorge um die Zukunft verknüpft ist. Wenn in vielen Teilen der Welt von Palästina gesprochen wird, dann sind die ersten Bilder die im Geist Gestalt annehmen zerstörte Häuser, Kinder inmitten von Trümmern und Familien die jeden Tag mit einer zerbrechlichen Hoffnung auf ein ruhigeres Morgen erwachen. Diese Bilder sind nur ein Teil der Wirklichkeit, die seit Jahren das Leben von Millionen Menschen überschattet.

Aus menschlicher Sicht muss ungeachtet jeder politischen oder ideologischen Positionierung, das Leid der gewöhnlichen Menschen immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. In jedem Konflikt sind es diese gewöhnlichen Menschen die den höchsten Preis zahlen. Jene die weder Anteil an den großen politischen Entscheidungen haben noch eine Rolle beim Beginn der Kriege spielen. Dennoch wird ihr Leben mehr als das aller anderen von den Folgen dieser Konflikte beeinflusst.

 

Imam Khomeini (r) und die Initiative die die Welt an Palästina erinnerte

In diesem Zusammenhang ist die Rolle des Gründers der Islamischen Republik Iran Imam Khomeini (r) bei der Entstehung und Etablierung des Quds-Tages im politischen Kalender der islamischen Welt beachtenswert. In den Jahren nach dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran (1358 / 1979–1980) schlug er vor den letzten Freitag des gesegneten Monats Ramadan als Quds-Tag zu benennen. Eine Initiative deren Ziel es war die Palästina-Frage im öffentlichen Gewissen der Welt lebendig zu halten. Dieser Vorschlag wurde mit der Zeit in vielen Ländern zu einem der Symbole der Solidarität mit dem Volk Palästina und vermochte die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf das Schicksal dieses Volkes zu lenken.

Im Laufe der Jahre ist das Konzept des Quds-Tages über einen rein politischen Anlass hinausgegangen und zu einem Rahmen geworden in dem eine menschliche Forderung vorgebracht wird; eine Forderung, die die Notwendigkeit betont, dem Zustand der Zivilbevölkerung und ihrem Recht auf ein Leben in Sicherheit und menschlicher Würde Beachtung zu schenken. Die Bedeutung dieses Tages liegt darin, dass er daran erinnert, dass das Leid eines Volkes nicht inmitten politischer Rivalitäten und Interessen der Mächte in Vergessenheit geraten darf.

In den vergangenen Jahren wiesen Berichte von Menschenrechtsinstitutionen und internationalen Organisationen wiederholt auf die Schwierigkeiten des Lebens der Palästinenser hin. Wirtschaftliche Beschränkungen, Mangel an lebenswichtigen Ressourcen und die anhaltende Unsicherheit schufen Bedingungen unter denen viele Familien selbst bei der Sicherung der grundlegendsten Lebensbedürfnisse mit ernsten Problemen konfrontiert sind. In einer solchen Lage ist weltweite Empathie nicht mehr nur eine moralische Wahl, sondern menschliche Notwendigkeit.

 

Afghanistan: Vertraute Erzählung der Empathie mit Palästina

In diesem Zusammenhang sind die Menschen in Afghanistan vielleicht mehr als viele andere Völker in der Lage die Tiefe dieses Leids zu begreifen. Eine Gesellschaft, die jahrzehntelang Krieg, Instabilität, erzwungene Migration und Verlust von Angehörigen erlebte weiß sehr wohl was es bedeutet im Schatten der Unsicherheit zu leben. Gerade diese gemeinsame Erfahrung führte dazu, dass das Mitgefühl mit dem Volk Palästinas für viele Afghanen nicht bloß eine politische oder sloganartige Haltung ist, sondern echtes menschliches Empfinden das dem historischen Gedächtnis eines vom Krieg gezeichneten Volkes entspringt.

Freilich zeigten die Beachtung der menschlichen Dimension der Palästina-Frage und die Erfahrung der Geschichte, dass sich für Konflikte keine dauerhafte Lösung ergibt solange nicht die menschliche Würde im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

Aus dieser Perspektive kann der Quds-Tag an eine gemeinsame moralische Verantwortung erinnern. Eine Verantwortung die nicht auf ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Religion oder bestimmte Konfession beschränkt ist. In einer Welt in der die Kommunikation geographische Grenzen verblassen lässt, kann das Leid einer anderen Gesellschaft dem Blick der Weltöffentlichkeit nicht verborgen bleiben.

 

Wunsch der Weite eines ganzen Lebens

Letztlich ist die vielleicht wichtigste Botschaft des Quds-Tages die, dass die Palästina-Frage bevor sie ein rein politisches Thema ist die Angelegenheit von Menschen ist, die wie andere leben möchten: ein Kind das sich eine ruhige Schule wünscht, eine Mutter die die Sicherheit ihrer Familie will und ein Vater dessen Hoffnung auf eine stabile Zukunft für seine Kinder gerichtet ist.

Wenn diese menschliche Dimension in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt wird kann der Quds-Tag zu einer Gelegenheit werden weltweite Empathie zu stärken. Eine Empathie die über religiöse und politische Grenzen hinausgeht und auf einem einfachen Grundsatz beharrt: Menschliches Leid — wo immer auf der Welt — verdient Aufmerksamkeit und Mitgefühl.

 

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