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Wird die USA erneut in einen Krieg mit Iran eintreten?

18:47 - April 27, 2026
Nachrichten-ID: 3014702
IQNA- Die USA akzeptieren als große militärische und wirtschaftliche Macht eine Niederlage nicht leicht – selbst angesichts scharfer Kritik aus Medien, Opposition und Öffentlichkeit. Daher nutzen sie üblicherweise Instrumente wie wirtschaftliche Sanktionen und diplomatischen Druck, um die Gegenseite zur Annahme ihrer Bedingungen zu zwingen.

Verfasst vom Direktor des Al-Ittihad‑Zentrums in Bagdad im Bereich strategischer StudienMahmoud al‑Hashemi,

Jedes Land der Welt hat seine eigene Methode und seinen eigenen Stil um Verhandlungen nach einem Krieg zu führen – eine Methode die sich anhand der politischen Überzeugungen, Kultur des Volkes sowie Ergebnisse des Krieges und innen- und außenpolitischen Folgen bestimmt.

Die USA verfolgen in ihren Verhandlungen nach dem Ende eines Krieges mit verschiedenen Ländern zwei Ansätze.

Der erste Ansatz ist „Kapitulation“, den sie gegenüber einem besiegten Feind anwenden; so wie im Zweiten Weltkrieg gegenüber Japan nachdem zwei Atombomben am 6. August 1945 auf Hiroshima und am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurden.

Danach unterzeichnete Japan am 26. Juli 1945 die „Potsdamer Erklärung“, die harte Bedingungen für seine Kapitulation enthielt, darunter bedingungslose Übergabe der japanischen Streitkräfte, Anerkennung der Besetzung des japanischen Territoriums und vollständige Entwaffnung seiner Militärkräfte.

Japan akzeptierte diese Bedingungen im selben Jahr.

Im Jahr 1951 beendeten die Vereinigten Staaten die Besetzung Japans, behielten jedoch zwei Militärstützpunkte auf japanischem Boden bei, die bis heute bestehen und in denen sich derzeit etwa 55.000 Soldaten befinden.

 

Hintergrund US-Vertragsbrüche in Verhandlungen mit Staaten

Dies ist die erste Art der US-Verhandlungsführung mit Staaten mit denen sie zunächst Krieg führte und anschließend verhandelte.

Die zweite Art ist die Verhandlung mit einem starken Rivalen – einem Gegner der den US-Streitkräften Niederlagen zugefügt, ihnen schwere personelle und materielle Verluste zugefügt und ihre Wirtschaft belastete; wie es in den Kriegen in Vietnam, Afghanistan und Irak geschah.

Bei dieser Art von Verhandlungen misst die USA den Vertragsklauseln weniger Bedeutung bei und konzentriert sich vielmehr darauf den sicheren Abzug ihrer Truppen zu gewährleisten.

Die übrigen Punkte der Vereinbarung werden meist ignoriert es sei denn sie stehen im Einklang mit künftigen Interessen der USA.

Solche Vereinbarungen enthalten häufig Klauseln, die die Gegenseite dazu bewegen sollen den Abzug der US-Truppen zu erleichtern – unter dem Versprechen zukünftiger Zugeständnisse.

Doch nach dem Abzug der Truppen verzichtet die USA häufig darauf diese Verpflichtungen einzuhalten.

Nach der Niederlage der US-Streitkräfte, die 2003 den Irak besetzten und auf Widerstand verschiedener irakischer Gruppen stießen stiegen ihre Verluste bis 2008 auf etwa 33.000 Tote und 90.000 Verwundete und Behinderte, zusätzlich zu materiellen Schäden.

Um weitere Verluste zu vermeiden unterzeichneten die USA zwei Abkommen mit dem Irak: Erstens das Sicherheitsabkommen das den Rahmen für die vorübergehende Präsenz der US-Truppen und ihren Abzug bis 2011 festlegte.

Zweitens das Kooperationsabkommen namens „Strategic Framework Agreement“ (CSA), das 11 Bereiche in Sicherheit, Verteidigung, Wirtschaft, Energie, Kultur und Bildung umfasste.

Doch die USA nutzten lediglich das Sicherheitsabkommen um ihre Truppen abzuziehen und hielten sich an viele der übrigen Bestimmungen nicht.

 

Werkzeuge der USA zur Durchsetzung ihrer Bedingungen

Die USA akzeptieren als große militärische und wirtschaftliche Macht eine Niederlage nicht leicht – selbst angesichts scharfer Kritik aus Medien, Opposition und Öffentlichkeit.

Daher nutzen sie üblicherweise Instrumente wie wirtschaftliche Sanktionen und diplomatischen Druck, um die Gegenseite zur Annahme ihrer Bedingungen zu zwingen.

Mitunter bewegen sie sich jedoch – entsprechend ihren Interessen – in Richtung Normalisierung mit einem Staat mit dem sie zuvor Krieg führten; wie im Fall Vietnams das trotz seines kommunistischen Systems weitreichende wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den USA pflegt.

Im Fall Irans kam es zwar nicht zu einem direkten militärischen Krieg mit den USA, doch wurde am 14. Juli 2015 das „Gemeinsame Umfassende Aktionsprogramm“ (JCPOA) zwischen Iran und der 5+1‑Gruppe unterzeichnet.

Ziel dieses Abkommens war es das iranische Atomprogramm zu begrenzen und im Gegenzug die Sanktionen schrittweise aufzuheben.

Doch der Austritt der USA aus dem Abkommen im Jahr 2018 führte zu einer Eskalation der Spannungen.

Nach Ansicht des Autors lag der Grund für den US‑Austritt nicht im Zweifel an Irans Einhaltung, sondern im Wunsch Washingtons zur Hauptpartei zu werden und seine Bedingungen als „Sieger“ durchzusetzen.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 befindet sich Iran stets in Konfrontation mit den USA und ihren Verbündeten, insbesondere Israel und bereitete sich auf jede mögliche militärische Auseinandersetzung vor.

Diese Bereitschaft entwickelte sich in militärischer, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht und wurde durch Aufbau strategischer Tiefe in der Region gestärkt.

Im 12‑tägigen Krieg zwischen Iran und Israel im Juni 2025 stellte Israel fest, dass es allein nicht in der Lage war Iran entgegenzutreten und versuchte die USA in den Konflikt hineinzuziehen.

Im Jahr 2026 begann ein groß angelegter Angriff, der 40 Tage andauerte, doch Iran übte mit starkem Widerstand und Unterstützung seiner regionalen Verbündeten erheblichen Druck auf die Gegenseite aus.

Die USA messen dem Verhandlungsort gewöhnlich wenig Bedeutung bei und wählen oft Länder mit geringerer politischer Bedeutung als Gastgeber, um sich bei Bedarf leichter aus Vereinbarungen zurückziehen zu können.

 

USA suchen nach schneller Lösung um aus der Krise herauszukommen

Trotz ihres Wissens um dieses Vorgehen tritt Iran dennoch in Verhandlungen ein um sowohl ihr diplomatisches Ansehen zu wahren als auch einen Weg zur Beendigung der Auseinandersetzungen zu finden.

Letztlich scheint auch der 40‑tägige Krieg – wie frühere Kriege der USA – mit einer Art Waffenstillstand beendet worden zu sein; ein Zeichen für Washingtons Wunsch aus der Krise auszusteigen, selbst wenn dies durch ein vorläufiges Abkommen geschieht.

Auch innerhalb der USA nahmen die politischen Spannungen und Meinungsverschiedenheiten über den Krieg mit Iran zu.

Berichte zeigen, dass die Entscheidungen weniger auf kohärenter Strategie beruhen, sondern vielmehr von persönlichen Ansichten von Präsident Donald Trump beeinflusst werden.

Unter solchen Bedingungen besteht – wie in der Vergangenheit – die Möglichkeit rasch ein Abkommen zur Beendigung der Krise zu erreichen; ein Abkommen dessen Hauptziel Rettung der US-Streitkräfte wäre – und nicht unbedingt grundlegende Lösung des Konflikts.

 

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