IQNA

0:15 - May 20, 2020
Nachrichten-ID: 3002582
Teheran (IQNA)- Drei Monate nach dem rassistischen Attentat von Hanau gibt es immer noch Aufklärungsbedarf. Viele fordern Transparenz von der Polizei bei den Ermittlungen und den bisherigen Ergebnissen.

Drei Monate nach dem rassistischen Attentat von Hanau mit neun Toten sieht die Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt, Selma Yilmaz-Ilkhan, noch großen Aufarbeitungs- und Aufklärungsbedarf. „Wegen der Corona-Krise ist bislang vieles auf der Strecke geblieben. Vor allem der Austausch unter den Angehörigen der Opfer kommt zu kurz. Sie wollen zusammenkommen, zusammen trauern und sich stärken.“ Zum Schutz vor der grassierenden Viruserkrankung hatte auch das Land Hessen über Wochen strikte Kontaktbeschränkungen für die Menschen in Hessen erlassen.

 

Hanau: „Dieser Terrorakt muss Konsequenzen haben“

„Die Eindämmung von Corona ist sicher wichtig, aber die Folgen der Tat dürfen nicht in den Hintergrund rücken. Es darf nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden. Dieser Terrorakt muss Konsequenzen haben“, sagte Yilmaz-Ilkhan und fordert mehr Transparenz von der Polizei bei den Ermittlungen und den bisherigen Ergebnissen. „In den Familien der Hinterbliebenen herrscht Misstrauen gegenüber der Polizei. Sie fragen sich, ob der ein oder andere noch hätte leben können, wenn die Beamten am Tatabend schneller gehandelt hätten.“

„Wir sind von einer Extremsituation direkt in die nächste gefallen. Auch wenn die Corona-Pandemie eine weltweite Krise ist, sind wir Teil davon, und die aktuellen Probleme überlagern alles andere in unserer Stadt“, sagte auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Mitteilung vergangene Woche. Das Kontaktverbot bedeute für die trauernden Familienangehörigen und Freunde der Opfer eine kaum nachzufühlende Herausforderung.


Rassismus gegenüber Muslimen

Yilmaz-Ilkhan mahnte, dass Deutschland strikter gegen Rassismus gegenüber Muslimen vorgehen müsse. „Vielen Muslime in Hanau fühlen sich nicht mehr sicher. Sie haben zum Beispiel Angst, in die Moschee zu gehen und fordern Schutz.“ Jeder der in Deutschland lebe, müsse sich schließlich sicher fühlen können.

Ein 43-jähriger Rechtsextremist hat am 19. Februar neun Menschen mit Migrationshintergrund in Hanau erschossen. Der Sportschütze soll auch seine Mutter (72) und dann sich selbst getötet haben. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte er eine rechtsextremistische Gesinnung. (dpa/iQ)

 

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