IQNA

Professor für Internationale Beziehungen, Australian National University:
19:06 - May 13, 2022
Nachrichten-ID: 3006107
Teheran (IQNA)- „Bis vor kurzem habe sich die Welt auf die Beziehungen zwischen Atlantis (Europa und den Vereinigten Staaten) oder dem Westen konzentriert!“ sagte George Lawson, Professor für internationale Beziehungen an der Australian National University. „Ich denke was an noch immer diesem System feststeht ist, dass die Globalisierung noch im Zentrum dieses Systems steht und sehen noch immer Interdependenz in diesem System aber sein zentraler Teil [Machtkonzentration zwischen Europa und den Vereinigten Staaten] bricht in sich zusammen.

Die erste alle zwei Jahre stattfindende internationale Konferenz „Regional Order and Social Structure in the Middle East: From Theory to Practice“ der Iranian Political Science Association in Zusammenarbeit mit den Universitäten Tarbiat Modares, Allameh Tabatabai und Kharazmi, House of Humanities Thinkers, Iranian Geopolitical Association, Peace Studies Der Verband und die Nachrichtenagentur IQNA wurde  am 10. Mai virtuell abgehalten.

In diesem Webinar bezog sich George Lawson, Professor für Internationale Beziehungen an der Australian National University als Eröffnungsredner in seiner Rede zum Thema „Revolutionen, der Nahe Osten und die Weltordnung“ auf die Revolutionen 2010-2011 in den arabischen Ländern genannt „Arabischer Frühling“ und beschrieb: „Die Revolutionen zeigten deutlich, dass Aufstände zu unnatürlichen Zeiten stattfinden! In Zeiten großer internationaler Krisen, des Zusammenbruchs von Imperien, in der Folge großer Krisen und nach dem Ende großer Kriege, die eine Welle von Revolutionen in einer Region und manchmal auch überregional auslösen.“

In Bezug auf die wichtigen Ereignisse zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erklärte Lawson: Eine der wichtigsten Perioden waren 1912 und 1945 als viele Revolutionen im Iran, Russland, China und im Osmanischen Reich entfacht wurden. Sowie die wichtigste jüngste Periode die 1989 begann und als die farbigen (samtenen) Revolutionen in Mittel- und Osteuropa, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stattfanden. Revolutionäre suchen solche Ereignisse und Krisen. „Sind wir heute in einem kritischen Moment?“, fragte er und erklärte: „In Anbetracht der Probleme, die ich heute ansprechen werde, scheint dies der Fall zu sein. Betrachtet man die Haltung Russlands gegenüber Europa, die wachsende Verantwortungslosigkeit autoritärer Regierungen oder die Herausforderungen für das westliche liberale System so gibt es viele Faktoren die aufzeigen dass unsere Welt in einer kritischen Zeit ist.“

„Der erste Punkt bei der Untersuchung dessen was gerade in der Welt passiert ist, dass es eine große strukturelle Verschiebung von dem gibt, was ich globalisierten Autoritarismus nenne hin zu Dezentralisierung“, sagte der Professor für internationale Beziehungen der Australian National University. „Globalisierung bedeutet enge Verflechtung von Volkswirtschaften, Länderpolitiken, Völkern usw., was beispielsweise im Fall der Corona-Krise deutlich zu sehen war die nicht nur in einem Land oder einer Region der Welt auftrat, sondern der ganze Welt. Oder was im Ukrainekrieg zu sehen ist, macht diese globale Solidarität deutlicher.“

„Bis vor kurzem habe sich die Welt auf die Beziehungen zwischen Atlantis (Europa und den Vereinigten Staaten) oder mit anderen Worten dem Westen konzentriert!“ sagte Lawson. „Die stärksten Regierungen waren die größten Finanz- und Geldquellen. In Bezug auf die [Corona-]Impfstoffe sahen wir,  dass in Russland und China andere Impfstoffe als westliche Impfstoffe entwickelt wurden. Konstant an diesem System ist meines Erachtens nach wie vor, dass der Globalisierungssektor immer noch im Zentrum dieses Systems steht und wir in diesem System immer noch Interdependenzen sehen. Aber ihr zentraler Teil [die Machtkonzentration zwischen Europa und den Vereinigten Staaten] bricht zusammen.“

„Militärische Fähigkeiten, Bruttosozialprodukt, Bruttopro-Kopf-Wachstum, Bildungsniveau, Lebenserwartung [zwischen Europa, den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt] sind alles Indikatoren, die diesen Rückgang zeigen“, sagte er und betonte den Beginn des Kollapsvorgangs. „Das Machtgefälle hat sich dramatisch verringert. Obwohl die Welt heute immer noch stark voneinander abhängig ist, sehen wir, dass wir in Bezug auf Governance, Lieferkette, rechtliche Rahmenbedingungen und Ideologie mehrere Machtzentren auf der Welt haben.“

„Die Demokratie ist in den letzten zwanzig Jahren sowohl quantitativ als auch qualitativ zurückgegangen und ich denke diese Muster werden vorerst beibehalten“, sagte Lawson. „Autoritäre kapitalistische Regierungen wie Singapur oder China scheinen stabile Regierungen zu sein und das alles sind Bedrohungen für die westliche Ordnung.“

„Aber welche Auswirkungen werden diese Veränderungen auf die Region Naher Osten und Nordafrika, ihre regionale Ordnung und ihre Revolutionen haben?“, sagte der Professor für internationale Beziehungen an der Australian National University. „Erstens untergräbt es die Beziehung zwischen Liberalismus und Revolution. Wenn Sie sich die Revolutionen vor dem arabischen Frühling ansehen war die größte 1989 in Mittel- und Osteuropa, die Revolution der unbewaffneten Menschen oder die so genannte farbige oder samtene Revolution. Diese Revolutionen beinhalteten die sehr große Präsenz von Menschen auf den Straßen und ihre großen Demonstrationen beinhalteten eine Koalition vieler Bewegungen, die die Welt nach der iranischen Revolution von 1979 noch nie zuvor sah.

Er fügte hinzu: „Die Beteiligung an der iranischen Revolution die möglicherweise 10 Prozent der Bevölkerung umfasste, erreichte jetzt in Hongkong und im Libanon 25 Prozent. Manche meinen, als der Westen auf dem Höhepunkt seiner Macht stand brauchten die Nationen irgendeine Art von demokratischem Mechanismus, um Hilfe zu erhalten und dieser Riss im Panzer der Autoritären bot reichlich Raum für Mobilisierung liberaler Kräfte. Die Schwächung des liberalen Systems war also gleichbedeutend mit der Schwächung der Verbindung zwischen Revolution und Liberalismus!“

„Die zweite Dimension ist was gesagt werden kann, um die Rüstung der Autoritären zu stärken“, fuhr Lawson fort. „Syrien zum Beispiel hat als autoritäre Regierung die Unterstützung des Iran, Russlands und Chinas. Die syrische Regierung wusste, dass sie trotz ihrer autoritären Haltung überleben konnte!“

„Die dritte Dimension ist etwas, das Organisatoren der Konferenz geschickt anzusprechen versuchten“, sagte der Professor für internationale Beziehungen an der Australian National University. „Es gibt drei Arten von Streitkräften in der Region. Die eine ist die revolutionäre Kraft zu der Iran, Syrien, Libanon, Palästina und Jemen gehören und die zweite und dritte ist die konterrevolutionäre Kraft die von der Türkei und Katar auf der Grundlage des politischen Islam gegründet wurde und die nächste konterrevolutionäre Kraft von Saudi-Arabien und seine Verbündeten.“

„Es ist interessant, dass die ganze Welt in den letzten 20 Jahren konterrevolutionär war und man nur eine Revolution machen könnte wenn man eine Großmacht wäre“, schloss Lawson. „Aber in den letzten 20 Jahren änderte sich diese Praxis. Deutlich wird dies im Irak, Libyen, Libanon und im Jemen.

 

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