IQNA

Malaysischer Gelehrter:

Nachhaltigste Wirkung der Islamischen Revolution psychologische und ideologische Dimension

17:56 - February 16, 2026
Nachrichten-ID: 3014357
Teheran (IQNA)- Der Vorsitzende des Beratungsrates Islamischer Organisationen Malaysias sagt es ist falsch die Wirkung der Islamischen Revolution auf militärische Aspekte zu reduzieren. Ihre nachhaltigste Wirkung war zweifellos psychologischer und ideologischer Natur; Wiederherstellung des Selbstvertrauens, dass Widerstand möglich ist.

In der heutigen Welt in der sich die Machtgleichgewichte rasant verändern bietet die Perspektive von Gelehrten wie Azmi Abdul Hamid aus Malaysia ein neues Bild des Einflusses der Islamischen Revolution Irans! Einer Revolution die geografische Grenzen überwand und anti-koloniale und gerechtigkeitssuchende Bewegungen in Lateinamerika, Afrika und Asien inspirierte. Er ist der Ansicht, dass die wahre Manifestation der Revolution nicht in ihrer militärischen Dimension liegt, sondern in der Wiederbelebung des Selbstvertrauens von Nationen gegen Vorherrschaft zu widerstehen – eine Entwicklung die das Machtgleichgewicht in Westasien hin zu einer Multipolarität und der Herausbildung regionaler Widerstandsnetzwerke verschob, auch wenn wirtschaftliche und diplomatische Herausforderungen fortbestehen.

Der Vorsitzende des Beratungsrates Islamischer Organisationen Malaysias (MAPIM) und Berater des Premierministers dieses Landes sprach anlässlich des 47. Jahrestages des Sieges der Islamischen Revolution Irans mit IQNA. Das vollständige Gespräch lesen Sie im Folgenden:

IQNA: Die Islamische Revolution formte sich auf Grundlage von Konzepten wie Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde. Welchen Stellenwert haben diese Konzepte aus koranischer Perspektive und wie kann man sagen, dass die Islamische Revolution in Wahrheit Rückkehr zu ursprünglichen Lehren des Korans war?

Aus koranischer Perspektive sind Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde keine politischen Slogans. Sie sind fundamentale göttliche Prinzipien. Der Koran gebietet Gerechtigkeit als Verpflichtung: „Ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein und legt Zeugnis für Gott ab, auch wenn es gegen euch selbst oder Eltern oder Verwandten ist“ (Sure 4, Vers 135). Gerechtigkeit ist im Koran moralisch, sozial und strukturell. Sie ist nicht selektiv oder tribal. Die Menschenwürde wird von Gott als universell erklärt: „Und wahrlich! Wir ehrten die Kinder Adams“ (Sure 17, Vers 70). Dieser Vers bestätigt eine inhärente Würde, nicht basierend auf Rasse, Reichtum oder Macht. Es ist eine ontologische Würde, die von Gott verliehen wurde.

Auch beginnt die Freiheit im koranischen Denken mit Befreiung von der Knechtschaft gegenüber irgendetwas anderem als Gott. Daher ist Tawhid (Monotheismus/Einheit Gottes) nicht nur eine theologische Angelegenheit sondern auch befreiend. Wenn Menschen sich weigern sich der Tyrannei zu unterwerfen bestätigen sie die Souveränität Gottes über autoritäre Macht. Aus dieser Perspektive präsentierte sich die Islamische Revolution Irans von 1979 als eine Rückkehr zu diesen ursprünglichen Prinzipien: Ablehnung der Vorherrschaft externer Mächte, Wiederbelebung moralischer Autorität über politische Macht, erneute Betonung von Gerechtigkeit als Regierungsethik und Bevorzugung von Unabhängigkeit gegenüber Unterwürfigkeit.

Diese Revolution stellte den politischen Kampf als Fortsetzung des koranischen Widerstands gegen Unterdrückung und Tyrannei dar. Ob wir mit all ihren Konsequenzen einverstanden sind oder nicht, ihr ideologisches Fundament war bewusst in koranischen Konzepten verwurzelt, nicht in importierten säkularen Revolutionsmodellen.

IQNA: In den Versen des Korans gilt der Kampf gegen Unterdrückung und Taghut (Götzen, Tyrannen) als eine der grundlegendsten Missionen der Propheten. Wie konnten die Regierung der Islamischen Revolution diese Lehren aus dem Bereich der Theorie in die Arena des Handelns und des sozialen Kampfes übertragen?

Der Koran stellt die Propheten wiederholt als Herausforderer der Tyrannei dar: Moses gegen Pharao, Abraham gegen Götzendienst und despotische Herrschaft.

Die Regierung der Islamischen Revolution setzte dieses prophetische Modell auf drei wesentliche Weisen um:

Erstens die Neudefinition politischen Widerstands als religiöse Pflicht Der Widerstand gegen Ungerechtigkeit wurde nicht als Parteipolitik dargestellt. Vielmehr wurde er als moralische und religiöse Pflicht auf Grundlage von „Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen“ (Amr bil-Ma'ruf wa Nahi anil-Munkar) eingeführt.

Zweitens die Mobilisierung der Massen durch spirituelles Bewusstsein: Moscheen, Predigten und religiöse Versammlungen wurden zu Räumen des politischen Erwachens. Religiöse Symbolik wurde nicht von sozialer Gerechtigkeit getrennt, sondern in sie integriert.

Und drittens Sakralisierung von Opferbereitschaft und Hingabe: Das Konzept des Martyriums (Schahadat), das tief in der islamischen Geschichte verwurzelt ist verwandelte Angst in moralischen Mut. Dieser psychologische Wandel ermöglichte es einfachen Menschen ein tief verwurzeltes Regime herauszufordern.

Im Wesentlichen überbrückten sie die Kluft zwischen dem edlen Koran und der Straße und verwandelten Verse über Gerechtigkeit und Widerstand in kollektives soziales Handeln.

IQNA: Der Koran betont stets die „innere Wandlung des Menschen“ als Voraussetzung für gesellschaftlichen Wandel. Wenn wir die Islamische Revolution als Fortsetzung einer koranischen Wandlung betrachten, welche Anzeichen dieser inneren Wandlung sind in der heutigen iranischen Gesellschaft sichtbar?

Der Koran sagt: „Gott ändert den Zustand eines Volkes nicht bis sie ihren eigenen Zustand ändern!“ (Sure 13, Vers 11). Wenn wir die iranische Gesellschaft nach der Revolution betrachten lassen sich mehrere Indikatoren für innere Wandlung identifizieren, darunter: starke Kultur des politischen Bewusstseins unter einfachen Bürgern, hohe Beteiligung an öffentlichen Diskussionen über Regierungsführung und Unabhängigkeit, tief verwurzelte Erzählung des Widerstands gegen fremde Vorherrschaft und Standhaftigkeit angesichts von Sanktionen und wirtschaftlichem Druck.

Dennoch ist innere Wandlung niemals statisch. Sie ist dynamisch und Gegenstand von Diskursen. Die iranische Gesellschaft von heute spiegelt sowohl Resilienz als auch interne Debatten über Regierungsführung, Freiheiten und Reformen wider. Dies ist selbst ein Zeichen einer aktiven und nicht einer passiven Gesellschaft. Wandlung im koranischen Sinne bedeutet nicht Vollkommenheit, sondern kontinuierliches Bemühen darum.

IQNA: Welche konkreten Auswirkungen hatte die Islamische Revolution Irans auf das Niveau des politischen und sozialen Bewusstseins der freiheitsliebenden Allgemeinbevölkerung in der Welt?

In Bezug auf die politische Wirkung stellte die Revolution die Annahme in Frage, dass pro-westliche autoritäre Regime unerschütterlich seien und brachte die Idee hervor, dass islamische Identität politisch mobilisierend sein kann.

Hinsichtlich der kulturellen Wirkung belebte sie den Diskurs über Regierungsführung, Souveränität und islamischen Widerstand. In der gesamten islamischen Welt begannen Bewegungen ihre Beziehung zu Macht und ausländischem Einfluss neu zu überdenken.

Und was die soziale Wirkung betrifft so inspirierte die Revolution basisdemokratischen Aktivismus unter unterdrückten Gemeinschaften, nicht nur unter Muslimen. Anti-imperialistische Bewegungen in Lateinamerika, Afrika und Asien ließen sich oft vom iranischen Modell des Kampfes gegen Unterdrückung inspirieren.

Die Wirkung der Revolution auf militärische Aspekte zu reduzieren ist falsch. Ihre nachhaltigste Wirkung war zweifellos psychologischer und ideologischer Natur! Die Wiederherstellung des Selbstvertrauens, dass Widerstand möglich ist!

IQNA: In Anbetracht dessen, dass Iran sich selbst als Vorreiter im Kampf gegen die globale Arroganz (insbesondere gegen die USA und das zionistische Regime) betrachtet, inwieweit war diese klare und beständige Positionierung erfolgreich darin die regionalen Machtgleichgewichte zu verändern?

Irans anhaltende Ablehnung der Vorherrschaft der USA und des zionistischen Regimes hatte messbare regionale Auswirkungen, darunter:

Erstens: Strategische Abschreckung

Iran ist zu einem bedeutenden regionalen Akteur geworden der in der Lage ist Ereignisse im Irak, Syrien, Libanon und Jemen zu beeinflussen. Das Machtgleichgewicht in Westasien verschob sich von einer unipolaren Vorherrschaft zu einer wettbewerbsorientierten Multipolarität.

Zweitens: Ausweitung der Widerstandsnetzwerke

Die Entstehung dessen, was oft als "Achse des Widerstands" beschrieben wird, verkomplizierte die strategischen Kalkulationen Israels und der USA.

Drittens: Auferlegung von Kosten

Das israelische Regime agiert nicht mehr in einem folgenlosen Umfeld. Die regionale Abschreckung veränderte seine Sicherheitsgleichung verändert.

Der Erfolg muss jedoch im Kontext folgender Punkte betrachtet werden:

    Sanktionen erlegten wirtschaftliche Härten auf.

    Regionale Konflikte bleiben instabil.

    Diplomatische Isolation in einigen Bereichen hält an.

Die regionale Gleichung veränderte sich zweifellos. Der Nahe Osten von heute wird nicht mehr ausschließlich von einseitigen Entscheidungen der USA oder des zionistischen Regimes geprägt. Die Region ist fragmentierter, wettbewerbsintensiver und multipolarer geworden. Ob dies zu langfristiger Stabilität führt hängt von politischer Klugheit, wirtschaftlicher Resilienz und internen Reformen in der gesamten Region ab.

 

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