
Die Haddsch ist eines der gottesdienstlichen Riten des Islam und gehört zu den religiösen Pflichten; sie besteht aus einer Reihe von Ritualen und wird durch die Reise nach Mekka al-Mukarrama im Hidschaz vollzogen. Der Muslim verrichtet dort eine Reihe von gottesdienstlichen Handlungen die auch soziale, wirtschaftliche und politische Dimensionen haben. Ebenso ist die Haddsch die größte Versammlung der Muslime bei der sich in einer bestimmten Jahreszeit Gruppen aus allen islamischen Richtungen in Mekka al-Mukarrama versammeln.
Im Hinblick auf die Bedeutung der Rolle der Haddsch bei Annäherung der islamischen Rechtsschulen, Einheit der islamischen Gemeinschaft, Philosophie dieser Pflicht und ihren sozialen sowie weltweiten Auswirkungen führte IQNA ein Gespräch mit der marokkanischen Journalistin und SchriftstellerinHayat Lallab:
Die Haddsch hat verschiedene religiöse, politische, wirtschaftliche und kulturelle Dimensionen und ist eine Jahreszeit in der Muslime mit verschiedenen Sprachen, Ethnien und Rechtsschulen zusammenkommen. Der Islam lehrt uns, dass die Haddsch ein religiöser Treffpunkt ist an dem die Bande der Brüderlichkeit der Muslime untereinander, unabhängig von sprachlichen oder konfessionellen Unterschieden gestärkt werden; ein Ort an dem alle Unterschiede verschwinden und die Muslime gemeinsam für Gottesdienst und Einzigkeit Gottes des Erhabenen verschmelzen. Auch Imam Khomeini betonte, dass die Haddsch eine Jahreszeit der Einheit und großen politischen und sozialen Auferstehung für die islamische Gemeinschaft ist.
Muslime aus verschiedenen Regionen kommen zusammen um eine Pflicht zu erfüllen die Gott ihnen allen auferlegte. Die Haddsch ist eine große Reise die viele Bedeutungen in sich trägt und eine jährliche Konferenz bei der Muslime in einem heiligen Land zusammenkommen.
Was die Wirkung der Haddsch auf die Seelen der Pilger betrifft so haben sie, wenn sie in ihr Land zurückkehren eine stärkere Beziehung als zuvor zu Gott dem Erhabenen. Die Rituale der Haddsch nähren die Seele und lassen Ruhe in den Seelen der Pilger einfließen; ebenso lehrt uns die Haddsch Eigenschaften wie Bescheidenheit, Verantwortungsbewusstsein und andere Dinge, die die Pilger auf ihrer Reise zum heiligen Haus Gottes lernen.
Das Verweilen in Arafat ist eine der Säulen der Haddsch und wird mit der Absicht vollzogen Gott den Erhabenen nahe zu kommen und in völliger Demut vor Ihm. Der Tag von Arafat hat viele Bedeutungen, die ich nicht alle nennen kann, aber auf einige werde ich hinweisen:
Die Szene des Verweilens in Arafat erinnert uns an das Stehen der Menschen vor Gott dem Erhabenen und Majestätischen am Tag der Auferstehung. An diesem Tag wurde auch der Vers der Vervollständigung der Religion offenbart (die Wilaya von Imam Ali as ist). Der größte Punkt in Arafat ist, dass der Herr des Zeitalters und der Zeit (Imam Mahdi) unter den Pilgern anwesend ist und sie mit dem Segen seiner Existenz umgibt.
Andererseits ist das Verweilen der Pilger in Arafat ein Bekenntnis zu Sünde und Versäumnis gegenüber Gott dem Erhabenen und der Tag von Arafat gilt für die Pilger als Tag voller Segen und Gnade Gottes.
Nach der Überlieferung von Amir al-Mu’minin Ali (as) geht der Grund für das Werfen auf die Jamarat auf die Geschichte des Propheten Abraham (as) zurück; als Gabriel (as) ihm die heiligen Stätten zeigte erschien ihm Iblis gegenüber und Gabriel befahl ihm sieben Steine auf ihn zu werfen.
Aus dem Werfen der Steine auf den Satan verstehen wir, dass diese Handlung ein Symbol des Widerstands gegen das Böse ist; jenes Böse das sich in der Gestalt des Satans, seiner Gefährten und jedes Menschen manifestiert, der die Leute zu etwas anderem als dem Weg Gottes aufruft.
Das Opfer in der Haddsch ist eine der Pflichten der Haddsch wonach das Opfer aus Vierfüßlern wie Schaf, Rind oder Kamel bestehen muss.
Das Opfer am zehnten Tag des Dhul-Hidscha dient einerseits der Entlastung des Lebensunterhalts der Familien und weist andererseits auf die Aufmerksamkeit gegenüber Bedürftigen und Armen hin, die keinerlei Kraft und Möglichkeit haben und diese sind zahlreich, besonders angesichts der großen Zahl von Waisen der Märtyrer und Verwundeten. Daher muss man auf diese Menschen achten und die Festzeit zu einem Fest für die Armen, für Waisen die ihre Väter in der Kindheit verloren und für Frauen die ihre Ehemänner ohne Ernährer und Lebensunterhalt verloren machen; daher müssen wir die Bedeutung des Opferns mit einem tiefen und umfassenden Verständnis begreifen.
Der Islam ermutigt uns stets zu gutem Charakter, zu einem guten Umgang mit den Menschen und zum Respekt gegenüber allen Altersgruppen und lehrt uns Demut und Barmherzigkeit. Wie der Gesandte Gottes (s) sagte: „Die vollkommensten Gläubigen im Hinblick auf Glauben sind die besten von ihnen im Charakter.“ Zu den Vorteilen guten Charakters gehört, dass die Abrechnung der Taten am Tag der Auferstehung erleichtert wird und wie Imam as-Sadiq (as) sagte, erwählte Gott seine Propheten wegen der edlen Charaktereigenschaften. So ist die Haddsch ein Feld in dem der Gläubige geprüft wird um die Werte von Toleranz und Vergebung zu beweisen und um die Moral sichtbar werden zu lassen, zu der der Islam aufruft.
Die Jahreszeit der Haddsch ist eine Gelegenheit zur Stärkung des Zusammenlebens, Annahme anderer Kulturen und Aufgeschlossenheit gegenüber Bräuchen und Sitten anderer Völker. Die Haddsch ist ein jährlicher Anlass bei dem eine riesige Menschenmenge aus verschiedenen Ländern der Welt zusammenkommt; daher wird dieser Anlass wie eine Oase inmitten der Wüste sein in der eine Vielzahl von Kulturen aufeinandertrifft. Hier nutzen die Pilger diese Begegnung, damit diese Zusammenkunft eine Grundlage für Nähe und Zusammenleben in einer brüderlichen Atmosphäre wird.
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