
Die Entwicklungen, die die Welt erlebt, Auftreten neuer Machtzentren sowie Mitwirkung des Iran an Abkommen wie BRICS, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und weiteren Vereinbarungen mit Russland und China riefen bedeutende weltweite Veränderungen hervor und zeichneten viele wirtschaftliche und politische Landkarten neu.
Jede Idee, Ideologie oder jeder Kampf benötigt für seinen Erfolg günstige Voraussetzungen; wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind ist Niederlage das wahrscheinlichste Ergebnis. Die Geschichte ist voll solcher Beispiele – unter anderem all jene Gefechte, die klassische arabische Armeen gegen den zionistischen Feind führten und die wegen fehlender angemessener Bedingungen auf regionaler oder internationaler Ebene mit Niederlage endeten. Doch die gegenwärtigen Ereignisse zeigen: Die historischen Umstände stehen heute – im Krieg gegen USA und Israel – auf Seiten des Iran.
Die Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer Stellung, ihrer Kultur, ihres allgemeinen Temperaments, ihrer Sitten und ihrer Traditionen. Deshalb kann eine Idee oder Ideologie, wenn sie keine aufnahmefähige und verwurzelte Umgebung findet am Ende scheitern. Das liegt nicht immer an einem inhärenten Mangel der Idee selbst, sondern vielleicht daran dass die Gesellschaft noch nicht bereit ist sie aufzunehmen, zu begreifen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Wir sind der Auffassung, dass die islamische Doktrin im Iran – mit ihren djihadistischen und gedanklichen Dimensionen – ein geeignetes Muster für das Volk darstellt, um seine Lage zu verbessern.
Der Kampf „Sturm auf al-Aqsa“ zwischen dem zionistischen Regime und dem Widerstand im Gazastreifen dauert – mit Unterstützung der Achse des Widerstands – seit nahezu drei Jahren an und seine Flammen brennen weiterhin. Zuvor hatte der Widerstand in Gaza sechs Gefechte gegen die zionistische Armee geführt, wobei das längste 55 Tage andauerte. Dies hebt das Ausmaß der Weiterentwicklung der Ideologie der Gesellschaft Palästinas und des Widerstands hervor, der durch Hamas und den Islamischen Dschihad vertreten wird.
Das Scheitern der Kriege der Araber gegen den zionistischen Feind liegt nicht an ihrer Kriegsdoktrin, den von ihnen eingesetzten Waffen oder Größe ihrer Armeen. Vielmehr standen die historischen Umstände auf Seiten ihres Feindes (Israel) und sie konnten ihre Lage nicht so verändern, dass sie den Lauf der Geschichte beeinflussen.
Seit dem Beginn der Islamischen Revolution im Jahr 1979 nahm der Iran eine Doktrin der Konfrontation mit den USA und Israel an und pflanzte diese Doktrin in das Herz seines Volkes. Danach setzte er all seine Fähigkeiten ein um sich auf mögliche Auseinandersetzungen mit dem Regime Israels und den USA vorzubereiten; anders gesagt: Er verließ sich nicht nur auf Slogans.
Nach dem Zerfall des kommunistischen Blocks im Jahr 1991 und Aufstieg der USA zur einzigen Supermacht versuchte der Iran eine strategische Tiefe für seine islamische Ideologie in der Region aufzubauen – ob im Libanon, Irak, Syrien, Jemen oder besetzten Palästina. Das wurde zu einem ideologischen, politischen, militärischen und gesellschaftlichen Schutzschild für die gesamte arabische Welt, nicht nur für den Iran.
Der Iran wandelte die Sanktionen der USA, Europas und anderer Länder gegen sein Volk und seine Führung in eine Chance um, auf Ressourcen, Humankapital, wirtschaftlichen Reichtum und die geographische Lage des Landes zu setzen. Das Land übernahm eine Doktrin der Selbstversorgung die es unabhängig von anderen Staaten machte. Die Menschen im Iran ernähren, kleiden und bauen sich heute mit den Ressourcen des Landes selbst auf und entwickeln sie weiter. Außerdem baute der Iran seine militärischen Fähigkeiten aus um allen Eventualitäten zu begegnen.
Seit den 1980er-Jahren bis heute konnten die Araber keinen beispielhaften Staat oder eine verbindende, symbolische Persönlichkeit hervorbringen. Daher entfaltete sich die Erfahrung der Islamischen Revolution im Iran inmitten des Fehlens der Araber und der Hegemonie Israels in der Region. Die Islamische Revolution im Iran, ihre Akteure und die von ihr unterstützten Anführer der Achsen des Widerstands wurden trotz einer erheblichen Medienzensur zu religiösen, nationalen und panarabischen Symbolen für die Menschen der Region.
Andererseits bot das Scheitern der USA bei der Besetzung Afghanistans und des Irak – und zuvor in Vietnam – sowie ihr Scheitern eine alternative Ideologie zur kommunistischen Ideologie vorzulegen, die von den Ländern des Ostblocks und Russland unterstützt wurde der Islamischen Republik Iran eine passende Gelegenheit: Sie konnte die Doktrin des „Muhammadisch-Husainitischen Islam“ als Alternative und Muster für die islamischen und insgesamt internationalen Schauplätze präsentieren.
Die wiederholten Fehlschläge der USA in Iran inneres Chaos zu stiften – durch Anheizen von Unruhen und Ausnutzen von Themen wie Kopftuch und Lebenshaltungskosten – stärkten lediglich die Stabilität des Iran und erhöhten die Unterstützung des Volkes für seine Regierung.
Die lange Dauer von „Sturm auf al-Aqsa“ und fortgesetzte Unterstützung des Iran für die Achse des Widerstands – verbunden mit seiner unerschütterlichen Verpflichtung zu dieser Unterstützung – machten die Sache Palästinas zum wichtigsten weltweiten Thema. Nun hängt jede Wahl weltweit davon ab wie ein Land zur Sache Palästina steht.
Die Standhaftigkeit der Menschen in Gaza und ihr Widerstand sowie die Unfähigkeit der Besatzungsarmee das militärische oder soziale Gleichgewicht über fast drei Jahre hinweg zu zerstören – trotz der großen Opferbereitschaft, Völkermord, Hungerpolitik und Brutalität des Feindes – weckten weltweit Vertrauen in den Widerstand und in die Standhaftigkeit des Volkes Palästina.
Die Entwicklungen, die die Welt beobachtet, Auftreten neuer Machtzentren und Beteiligung des Iran an Abkommen wie BRICS, Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und weiteren Vereinbarungen mit Russland und China riefen bedeutende weltweite Veränderungen hervor und gestalteten viele wirtschaftliche und politische Karten neu.
Das Erstarken linksgerichteter Bewegungen in dem, was als „Hinterhof der USA“ bezeichnet wird (Länder Südamerikas), sowie deren offene Feindseligkeit gegenüber Washington – zusammen mit der Dominanz Chinas im Handelsvolumen dieses Kontinents, das mittlerweile rund 500 Milliarden Dollar jährlich erreicht, verglichen mit dem Rückgang des Handelsvolumens der USA auf etwa 150 Milliarden Dollar – markieren einen bedeutsamen geopolitischen Wandel.
Der Aufstieg Donald Trumps in den USA, seine Parole „America First“ und die Einführung umfassender globaler Zölle zwischen 10 und 15 Prozent auf die meisten Importe – verbunden mit der Drohung diese weiter zu erhöhen – führten zu Handelskonflikten mit vielen Ländern weltweit, einschließlich befreundeter Staaten. Dies veranlasste zahlreiche Länder sich China als verlässlicherem Handelspartner zuzuwenden.
Die Vereinigten Staaten verloren aufgrund der Politik Trumps seiner konfliktreichen Art im Umgang mit anderen Staatsführern, seiner Bemühungen die NATO zu schwächen und seinem Versuch Grönland zu erwerben zahlreiche ihrer traditionellen Verbündeten in Europa. Dies wirkte sich auch auf ihre Beziehungen zu weiteren Ländern wie Kanada und Indien aus.
Aufgrund der globalen Politik von Präsident Trump vertrauen die meisten Länder weder ihm persönlich, noch seinen Versprechen, noch generell der US-Politik.
Gemäß der US-Strategie für nationale Sicherheit 2025 hat der Nahe Osten für die USA keine Priorität mehr, da sich ihre strategischen Schwerpunkte zunehmend auf andere Weltregionen verlagern – insbesondere auf Lateinamerika.
Die Veränderung in Syrien – mit dem Sturz des Assad-Regimes und dem Aufkommen einer Türkei-freundlichen Regierung – beunruhigte Israel über die Ausweitung des türkischen Einflusses nahe seiner Grenzen. Israel erklärte, dass sich seine Auseinandersetzungen nach dem was es als „schiitischen Islam“ unter iranischer Führung bezeichnet nun möglicherweise in Richtung einer Konfrontation mit dem „sunnitischen Islam“ unter Führung der Türkei und ihrer Verbündeten verlagern könnten, was zunehmende Sorgen über die Zukunft Israels hervorruft.
Die absolute Parteinahme der USA zugunsten Israels veranlasste arabische und islamische Länder sowie Befreiungsbewegungen weltweit dazu ihre Beziehungen zu Washington zu überdenken und nach neuen internationalen Bündnissen zu suchen.
Dass iranische und Widerstands-nahe Kräfte US-Stützpunkte in der Region ins Visier nahmen und dass die USA die Gastgeberstaaten dieser Basen nicht wirksam schützen konnten, erschütterte das Vertrauen dieser Länder in Washingtons Fähigkeit seine Verbündeten zu schützen.
Zudem überstieg die US-Staatsverschuldung Anfang 2026 die Marke von 38,5 Billionen Dollar. Diese Entwicklung, zusammen mit innenpolitischen und gesellschaftlichen Krisen zwischen den beiden großen Parteien sowie Problemen wie Migration, Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen, veranlasste mehrere Denker und Autoren dazu dies als Beginn eines Niedergangs der westlichen Zivilisation zu betrachten.
Die öffentliche Meinung in den USA verändert sich rasch – bedingt durch einen Generationenwechsel, zunehmende Kritik am Gaza-Krieg und wachsende Sympathie für die Palästinenser, besonders unter jungen Menschen und Demokraten. Umfragen weisen auf einen historischen Rückgang der Unterstützung für Israel hin. Studentenproteste und Forderungen nach einem Ende der Militärhilfe für Israel nehmen zu.
Viele betrachteten die Schließung der Straße von Hormus aufgrund möglicher strategischer Risiken als letzte Option für den Iran. Doch diese Gleichung änderte sich nach dem Angriff vom 28. Februar bei dem das Oberhaupt Ayatollah Seyyed Ali Khamenei getötet wurde. Führung und Volk im Iran sehen den Krieg nun als existenzielle Bedrohung. Während europäische Länder Israel während der Operation „Sturm auf al-Aqsa“ stark unterstützten, entzogen sie sich wegen Differenzen mit der US-Israelischen Politik sowie wegen eigener Energieinteressen und ihrer Abhängigkeit von der Straße von Hormus einem direkten Konflikt gegen Iran.
Früher waren die Staaten der Golfregion vollständig auf den Sicherheitsschirm der USA angewiesen. Heute bewegen sich viele von ihnen jedoch in Richtung einer Diversifizierung ihrer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Einige dieser Länder weiteten ihre wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu China und Russland aus und bemühen sich gleichzeitig ihre Spannungen mit Iran zu verringern. Diese Entwicklung deutet auf einen Wandel in der Sicherheitsstruktur der Region hin.
Unter solchen Umständen sieht sich Iran an einem historischen Wendepunkt. Einerseits eröffnen sich beispiellose Möglichkeiten den regionalen und internationalen Einfluss des Landes zu stärken. Andererseits halten politische, wirtschaftliche und militärische Druckmittel weiterhin an und die Zukunft der Region bleibt von vielen Unsicherheiten geprägt.
Der Erfolg Irans in dieser Phase hängt daher von seiner Fähigkeit ab diese Chancen und Herausforderungen klug zu managen – etwa durch Stärkung der inneren Geschlossenheit, wirtschaftliche Entwicklung, Erhalt regionaler Bündnisse und eine weiterhin aktive Rolle in den internationalen Machtgleichgewichten.
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