IQNA

Libanesische Zeitung:

Geschichte vom »Abendessen der Journalisten«; niemand glaubt Trump

16:25 - May 02, 2026
Nachrichten-ID: 3014715
IQNA- Die Prahlerei USA-Amtsträger, insbesondere von Trump bei der Vereitelung dieses Angriffs wurde in den sozialen Medien mit einer Welle des Spottes aufgenommen. Einige hielten den Vorfall für »fabriziert« und darauf ausgelegt von den sinkenden Beliebtheitswerten des Präsidenten abzulenken, während andere ihn mit dem wachsenden Zorn über Trumps Außenpolitik, insbesondere im Hinblick auf einen möglichen Krieg mit dem Iran in Verbindung brachten.

IQNA: Trump nutzte erneut die Gelegenheit um sich seiner eingebildeten Errungenschaften zu rühmen, während seine Beliebtheitswerte auf einem Tiefpunkt anlangte. Der US-Präsident instrumentalisierte die Schießerei, die sich im Sicherheitskontrollbereich vor dem Hauptballettsaal ereignete, wo am Samstag das Abendessen der Korrespondentenvereinigung des Weißen Hauses stattfand und behauptete solche Angriffe zielten gewöhnlich auf die »einflussreichsten Personen« ab. Nachdem der Saal evakuiert und er zusammen mit anderen Gästen hinaus gebracht worden war während seine Assistenten stolperten bevor sie ihm halfen, gab Trump bekannt, dass der »Angreifer festgenommen« worden sei. Die Behörden identifizierten den Verdächtigen als den 31-jährigen Cole Thomas Allen aus Torrance / Kalifornien. (Quelle: libanesische Zeitung Al-Akhbar)

Trump bezeichnete den Bewaffneten bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus als »einsamen Wolf« und fügte hinzu, er sei »von einigen sehr mutigen Beamten des Secret Service festgenommen worden«. Der Verdächtige, der laut Behörden nicht angeschossen wurde, wurde ins Howard University Hospital gebracht. Berichten zufolge wurde ein Beamter während des Einsatzes angeschossen, doch seine kugelsichere Weste rettete ihm das Leben. Informationen über den Verdächtigen zeigen, dass er Absolvent des California Institute of Technology (Caltech) ist und halbtags als Lehrer, freiberuflicher Spieleentwickler und Maschinenbauingenieur bei IJK Controls arbeitet. Im Jahr 2016 gewann er mit seinem Team einen Robotikwettbewerb in Caltech und sein Profil deutet auf sein Interesse an Wissenschaft und Technik hin.

Der kommissarische Polizeichef der Hauptstadt Jeffrey Carroll erklärte bei einer Pressekonferenz der Vorfall sei »beispiellos« gewesen und wies darauf hin, dass der Hotelgast Allen beim Passieren eines Sicherheitskontrollpunkts auf dem Weg zum Ballsaal in dem das Abendessen stattfand mit einem Gewehr, einer Pistole und einem Messer bewaffnet erschien. Die Generalstaatsanwältin des District of Columbia Jenine Pirro gab ebenfalls bekannt, dass der Verdächtige in zwei Anklagepunkten beschuldigt wird: Gebrauch einer Schusswaffe bei Begehung eines Gewaltverbrechens und Angriff auf einen Bundesbeamten mit einer gefährlichen Waffe. Er sollte heute (Montag) vor Gericht erscheinen.

Dennoch stieß die Prahlerei der Amtsträger, insbesondere Trumps, bei der Vereitelung dieses Angriffs auf eine Welle des Spottes in den sozialen Medien. Einige hielten den Vorfall für »fabriziert«, darauf ausgelegt von den sinkenden öffentlichen Beliebtheitswerten des Präsidenten abzulenken, während andere ihn mit der wachsenden Empörung über Trumps Außenpolitik, besonders im Hinblick auf einen möglichen Krieg mit dem Iran, in Verbindung brachten.

Trump sagte in seiner Pressekonferenz nach dem Vorfall: Das wird meinen Sieg im Krieg gegen den Iran nicht aufhalten.

Er fügte hinzu: Ich weiß nicht ob es damit in Verbindung steht oder nicht. Ich denke nach dem was wir wissen eigentlich nicht.

Zuvor hatte Trump jedoch erklärt niemand könne wissen ob der Vorfall mit dem Iran-Krieg in Verbindung stehen könne oder nicht und wies darauf hin, dass Ermittler die Motive des Angreifers untersuchen.

 

Vorwand für Bau des Trump-Ballsaals

Trump schürte Zweifel und Spott rund um die Schießerei weiter und nutzte sie sofort aus, um die Notwendigkeit eines Weiße-Haus-Ballsaals zu betonen, den er zuvor vorgeschlagen hatte und behauptete dieser Ort wäre sicherer als das Hotel in dem das Abendessen stattfand; ein Projekt das seit Monaten in Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist.

Der US-Präsident erklärte, die Schießerei auf die Korrespondenten des Weißen Hauses habe »die Notwendigkeit des geplanten Ballsaals des Weißen Hauses unterstrichen«, verwies auf »seine Sicherheitsmerkmale wie kugelsicheres Glas und Drohnenabwehrmaßnahmen«, bezeichnete das Washington Hilton Hotel in dem das Abendessen stattfand als »besonders unsicheres Gebäude« und eine Gruppe konservativer Amtsträger und rechter Kommentatoren nutzte den Vorfall um dieses 400-Millionen-Dollar-Projekt zu verteidigen.

Der Gouverneur von Louisiana Jeff Landry schrieb auf der Website X: Leider mussten die First Lady und ich zusammen mit dem Präsidenten und dem gesamten Kabinett den Saal des Abendessens der Korrespondenten des Weißen Hauses evakuieren. Das ist ein weiterer Grund einen Ballsaal für Präsident Trump zu bauen!

Der republikanischer Abgeordneter aus Florida Randy Fine schrieb: Wir sollten besser von niemandem mehr etwas über einen Ballsaal im Weißen Haus hören.

Konservative Kommentatoren wie Megan McCain, Tom Fitton und Nick Adams schlossen sich der Forderung nach Bau dieses Ballsaals an um die Sicherheit der Präsidenten und ihrer Gäste zu gewährleisten.

Es sei darauf hingewiesen, dass Richter Richard Leon im vergangenen Monat entschied, dass Trump dieses Projekt ohne Zustimmung des Kongresses nicht fortsetzen darf, mit Ausnahme von »Maßnahmen, die absolut notwendig sind um die Sicherheit des Weißen Hauses zu gewährleisten«. Seitdem erklärte Trump, dass diese Ausnahme es ihm erlaube die Bauarbeiten ohne Unterbrechung fortzusetzen und behauptet dass »der Ballsaal über fortschrittliche Sicherheitsmerkmale verfügen wird«.

Nutzer der sozialen Medien verbreiten ebenfalls Erklärungen zu diesem Thema. Unter den Kommentaren zu diesen Äußerungen lautete einer: Ein inszeniertes Attentat um einen 400-Millionen-Dollar-Ballsaal zu rechtfertigen und von den schlechtesten Beliebtheitswerten des Präsidenten in der Geschichte abzulenken.

 

Geschichte vom »Abendessen der Journalisten«; niemand glaubt Trump

 

USA mit wütender und polarisierter Gesellschaft

Gleichzeitig zeichnet der Bericht der britischen Zeitung The Guardian über die Schießerei beim jährlichen Bankett der Korrespondenten des Weißen Hauses ein besorgniserregendes Bild der USA; ein Land das sich nach Aussage seiner eigenen Sicherheitsbeamten in eine »wütende und polarisierte Gesellschaft« verwandelte und in dem politische Gewalt zunehmend normalisiert wird.

Das Medium betonte ebenfalls, dass sich der Vorfall zu einem Zeitpunkt ereignet da USA in den letzten Jahren eine Zunahme politischer Gewalt, von Massenerschießungen und Drohungen gegen Politiker erlebte; vom Angriff auf das Kapitol am 6. Januar bis hin zu Attentaten und politischen Morden.

Der Guardian schrieb unter Hinweis auf Trumps frühere Positionen, er sei wiederholt des Gebrauchs einer scharfen und hetzerischen Rhetorik beschuldigt worden; ein Punkt den Kritiker als Faktor für Verschärfung des gewalttätigen Klimas in USA betrachten.

Der ehemalige Beamte des US-Heimatschutzministeriums John Cohen sagte als Reaktion auf den Vorfall: Wir sind eine wütende und polarisierte Nation und immer mehr Menschen, insbesondere junge Männer stellen sich vor, dass Gewalt der einzige Weg sei Unzufriedenheit auszudrücken.

Der Bericht kommt am Ende zu dem Schluss, dass selbst eine der wichtigsten politischen und medialen Veranstaltungen der USA nun wie viele Ereignisse dieses Landes mit dem Klang von Schüssen endet.

 

Politische Gewalt alltägliche Angelegenheit

Auch das Magazin Newsweek veröffentlichte einen Artikel über den Schießerei-Vorfall, der das Abendessen der Korrespondenten des Weißen Hauses erschütterte und beschrieb wie ein Ereignis das Politik und Medien zusammenbringen sollte zu einem Moment wurde der die Zerbrechlichkeit der Sicherheit und Aufkommen politischer Gewalt in den USA offenbarte.

Doch die eigentliche Frage ist nicht ob die letzte Verteidigungslinie erfolgreich war oder nicht sondern: Warum benötigt die US-Politik zunehmend so viele letzte Verteidigungslinien? Die Polizei geht davon aus, dass der Verdächtige allein handelte und die Behörden gaben sein Motiv nicht öffentlich preis.

Das Muster der Gewalt verschärfte sich in der Trump-Ära und der Präsident selbst war mehrmals direktes Ziel davon, aber diese Gewalt ist größer als eine Partei, ein Präsident oder Ereignis.

Die Polizei des US-Kongresses gab bekannt, dass die Abteilung für Bedrohungsbewertung dieser Behörde im Jahr 2025 14.938 Fälle von Äußerungen, Verhaltensweisen und Kommunikationen prüfte, was einen Anstieg gegenüber 9.474 Fällen im Jahr 2024 darstellt und dass Mitglieder beider Parteien per Post, E-Mail, Telefon und in sozialen Medien bedroht werden.

Die leichte Lektion ist dass Rhetorik Konsequenzen hat. Die schwierigere Lektion ist dass die USA eine politische Kultur aufbauten in der isolierte Individuen Unzufriedenheit nahezu augenblicklich in Taten umsetzen können oder in fanatische Bevölkerungsgruppen die von ideologischem Hass angetrieben moralisch abwegig Gewalt als politisches Werkzeug einzusetzen.

 

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Stichworte: Trump ، Journalisten
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