IQNA

22:44 - October 24, 2018
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Als die Khadija-Moschee vor zehn Jahren gebaut wurde, hagelte es wütende Proteste seitens der Heinersdorfer. Davon ist heute - auch wenn es noch Vorbehalte gibt - nichts mehr zu spüren. Und durch die Debatte sind sich Bürger auch näher gekommen. Von Matthias Bertsch

Fünf Mal am Tag ertönt der Gebetsruf in der Khadija-Moschee, allerdings nur innerhalb des Gotteshauses. Während drinnen eine Handvoll Gemeindeglieder betet – voll ist die Moschee meist nur zum Freitagsgebet oder an den islamischen Feiertagen – sind draußen vor allem die Flugzeuge im Landeanflug auf Tegel zu hören und die Krähen.

Von den wütenden Protesten, die den Bau der Moschee bis zu ihrer Einweihung vor zehn Jahren begleiteten, ist nichts mehr zu spüren, sagt Imam Said Ahmed Arif. Der 33-Jährige, der in Pakistan geboren und in Wiesbaden aufgewachsen ist, leitet die Gemeinde der Ahmadiyya-Muslimen seit fünf Jahren.

"Keine dieser Ängste oder Sorgen hat sich bewahrheitet. Weder ist der Verkehr zusammengebrochen, noch wurde ganz Pankow von Muslimen unterwandert. Wir haben maximal ungefähr sechs, sieben Familien, die in Pankow leben. Alle Mitglieder, die zu uns kommen, leben in ganz Berlin verteilt und im direkten Umkreis von Berlin."

 

Warum wird ausgerechnet hier eine Moschee gebaut?

In Pankow und im Ortsteil Heinersdorf leben eher weniger Muslime. Wieso wurde ausgerechnet hier eine Moschee gebaut? Diese Frage habe sich damals jeder gestellt, betont Sandra Caspers, die rund 500 Meter von der Moschee entfernt lebt.

Dass der günstige Preis des Grundstücks, in der Nähe der vielbefahrenen Prenzlauer Allee, ausschlaggebend war, wollte man als Argument nicht gelten lassen. Nach Bekanntwerden des Bauvorhabens hatte sich schnell eine Bürgerinitiative gegen die Moschee gegründet, erinnert sich die Graphikdesignerin. Aus dem anfangs sachlichen Ton sei ein zunehmend hetzerischer geworden. Gemeinsam mit anderen rief Caspers deswegen die Initiative "Heinersdorf Öffne Dich" ins Leben.

 

"Wir haben gesagt, wir gehen sachlich damit um"

"Wir haben gesagt, wir gehen sachlich damit um. Wir tolerieren eine Moschee, was nicht heißt, dass wir uns riesig darüber freuen: Wir brauchen die nicht, keiner ist Moslem. Aber wenn sie da steht und es Gründe dafür gibt, dann steht sie eben da", blickt Caspers zurück. Dann aber sei der Konflikt in der Bürgerschaft so richtig hochgekocht, weil klar geworden sei, "dass nicht alle einer Meinung sind, sondern dass das durchaus differenziert betrachtet wird".

Die Reaktionen der Moscheegegner reichten von anonymen Briefen bis zu Drohungen gegenüber ihrer Tochter auf dem Spielplatz: Man wisse ja, wer ihre Eltern seien. "Das verunsichert einen schon. Dass Nachbarn einem auf die Schuhe spucken, wenn man über den Weg geht, nur weil man anderer Meinung ist. Das sind Sachen, die werde ich nicht vergessen, weil das einschneidend war. Die Nachbarn sind Leute wie du und ich, mit denen man sich gut verstanden hat. Plötzlich so eine Konfrontation ist schon hart."

 

 

Motor für gute Entwicklungen

Heute kann man die Beziehung zwischen den Heinersdorfern und der Khadija-Moschee als friedliches Nebeneinander bezeichnen, aus dem bei Bürgerfesten oder Baumpflanzaktionen manchmal auch ein Miteinander wird. Und aus der Gruppe "Heinersdorf Öffne Dich" ist inzwischen ein Bürgerverein hervorgegangen, der Feste organisiert und Veranstaltungen aller Art anbietet.

"Das ganze Viertel ist sehr Einfamilienhaus-geprägt, und da macht jeder so seins hinterm Gartenzaun, und solche Gemeinschaftsaktionen hat es in der Form nie gegeben", sagt Caspers. "Dank dieses Bürgervereins, der sich aus der toleranten Gruppe entwickelt hat, ist wahnsinnig viel Positives in den zehn Jahren passiert. Also eigentlich ist die Moschee ein Glücksfall für Heinersdorf, weil sie ein Motor für ganz viele gute Aktionen gewesen ist."

Beitrag von Matthias Bertsch

 

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2018/10/10-jahre-khadija-moschee-berlin-pankow-ahmadiyya-muslim-jamaat-.html

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