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Muslimische Frau und Islamstudentin im Interview mit IQNA:
1:06 - October 24, 2021
Nachrichten-ID: 3004950
Teheran (IQNA)- Frau Faten, die die Isamwissenschaften studiert hat und in Deutschland lebt, sagte im Interview mit IQNA: „Muslim*innen haben auch ein Anrecht auf ein Gebetsruf, wie zum Beispiel die christlichen Mitbürger*innen, die genauso ein Anrecht auf ein Kirchenglocken haben.“

Seit dem 8. Oktober erlaubt Köln allen 45 muslimischen Gemeinden, jeden Freitag für wenige Minuten öffentlich zum Gebet zu rufen. Das Modellprojekt hat aber für hitzige Debatte gesorgt. Die Internationale Koran-Nachrichtenagentur IQNA hat diesbezüglich ein Interview mit Frau Faten geführt. Frau Faten hat die Isamwissenschaften studiert und lebt in Deutschland.

IQNA: Zunächst möchte ich Ihnen ganz herzlich zum Geburtstag des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden mit ihm und seiner Familie) gratulieren.

Frau Faten: Danke, ich wünsche auch Ihnen und allen Muslim*innen alles Gute zur Geburt unseres ehrenwerten Propheten Muhammad (sas).

IQNA: In Deutschland sind öffentlich hörbare Muezzin-Rufe bis auf einige Ausnahmen Seltenheit. Aber die Stadt Köln hat jetzt ein Modellprojekt gestartet. Im Rahmen dieses Modellprojekts dürfen die Moscheen jeden Freitag über Lautsprecher zum Gebet rufen. Wie ist Ihre Meinung zum Modellprojekt?

Frau Faten: Ich begrüße dieses Modellprojekt und finde, es ist ein positiver Schritt den Muslim*innen in Deutschland gegenüber. Die Muslim*innen sind Teil der Gesellschaft in Deutschland und sollen sich zugehörig fühlen. Der Gebetsruf ist nicht nur ein Zeichen von Toleranz und Vielfalt, sondern auch ein Zeichen des Respekts.

IQNA: Das Modellprojekt bzw. der Muezzin-Ruf hat für hitzige Debatten gesorgt. Unter den Kölner Passanten gehen die Meinungen auseinander. Manche sind dafür und manche sind dagegen. Manche haben das mit Kirchenglocken verglichen. Wie ist es bei Ihnen (in Ihrem Wohnort)? Wie finden die Bewohner von anderen Städten dieses Projekt?

Frau Faten: Es ist in der Tat so, dass die Meinungen auch in anderen Städten auseinander gehen. Wir haben eine Religionsfreiheit in Deutschland und ich finde, dass Muslim*innen auch ein Anrecht auf einen Gebetsruf haben, genauso wie zum Beispiel die christlichen Mitbürger*innen ein Anrecht auf Kirchenglocken. Es gibt Städte, die schon länger einen Gebetsruf eingeführt haben. In Düren (NRW) erklingt er drei Mal am Tag und das seit den 90er Jahren.

IQNA: Der Publizist und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad sieht in der Zulassung des Muezzinrufs in Köln die verfassungswidrige Bevorzugung einer Minderheit und einen weiteren Schritt auf dem Weg zu mehr Einfluss des Islam.

Er sagte: "Jeder Muslim darf beten, fasten und nach Mekka pilgern, wie er das möchte. Aber warum sollen einige Menschen das Recht bekommen, per Lautsprecher ihre Stadtviertel zu beschallen?"

Was meinen Sie dazu? Ist der öffentliche Gebetsruf „verfassungswidrig“?

Frau Faten: Nein, es ist nicht verfassungswidrig. Im Gegenteil, Muslim*innen haben verfassungsrechtlich Anspruch auf einen Gebetsruf, weil wir in Deutschland die Religionsfreiheit haben, die für jede*n deutsche*n Bürger*in gilt. Außerdem leben über 5 Millionen Muslim*innen in Deutschland, das macht einen Anteil der Gesamtbevölkerung von über 6 Prozent aus. Der Gebetsruf ist freitags, anlässlich des Freitaggebets zu hören. Das sollte in einer vielfältigen Stadt wie Köln toleriert werden.

IQNA: Werden öffentliche Gebetsrufe in ganz Deutschland bald Normalität? Könnte der Muezzin-Ruf künftig auch in anderen Städten ertönen?

Frau Faten: Das Modellprojekt ist auf zwei Jahre befristet. Es wird sich mit der Zeit zeigen, ob es in anderen Städten umsetzbar sein wird und wie die Bürger*innen darauf reagieren werden. Ich denke, dass man nach diesem Projekt die Bürger*innen dazu befragen sollte. Wenn das Projekt positiv ausfällt, können eventuell andere Städte das gleiche Projekt in Erwägung ziehen.

IQNA: Warum kritisieren manche Experte dieses Projekt? Warum sind manche Bürger gegen den öffentlichen Gebetsruf?

Frau Faten: Der Gebetsruf kann von Bürger*innen als politisches Symbol missverstanden werden und führt daher zur Kritik. Viele Bürger*innen möchten auch wissen, wer und was hinter dem Gebetsruf "steckt" und Aufklärung findet medial oder in Bildungsinstitutionen kaum statt.

Leider trägt die negative Berichterstattung dazu bei, dass unter den Bürger*innen Angst geschürt wird und somit Worte wie Islamisierung nicht mehr von dem Bild der Moscheen getrennt werden kann.

IQNA: Ich bedanke mich bei Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

 

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