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Experten sagen nach Wahlen am Sonntag Intensivierung der Islamfeindlichkeit in Frankreich voraus

0:24 - June 27, 2022
Nachrichten-ID: 3006372
TEHERAN (IQNA) – Experten sagen, dass eine Intensivierung der antimuslimischen Rhetorik und Islamfeindlichkeit, nachdem grundlegende Durchbrüche des rechten Flügels die Mehrheit der Regierung in der Nationalversammlung bei den Wahlen am Sonntag abgeschnitten hatten, möglich sei.

Trotz einer ordentlichen Zunahme bei den Präsidentschaftswahlen im April erfuhr Emmanuel Macrons regierendes Zentralparteiensemble einen Verlust von 350 Sitzen auf 245 Sitzen, deutlich unter den für eine Mehrheit nötigen 289 Sitzen, wobei rechte und link Parteien klar zugenommen hatten. Das berichtete Arab News.

Jean-Luc Melenchons links-grüne Koalition erhielt 131 Sitze, aber es war der Sprung von 7 auf 89 Sitzen von Marine Le Pens rechtsextremen National Rally, welcher die Kommentatoren überraschte.

Paul Smith, außerordentlicher Professor und Sektionsleiter für Französisch und französische Studien, moderne Sprachen und Kulturen an der Universität Nottingham sagte, dass die Rechte da sein wird, wo Macron eine Regierungskoalition aufstellen möchte.

Er sagte Arab News: „Macron braucht mindestens 40 Stimmen, um diese Mehrheit zu erhalten, und ich denke, dass er wohl kaum auf der linken Seite nach dieser Unterstützug suchen wird. Er hatte sich mit Parteivorsitzenden getroffen, um mit ihnen über ihre Präferenzen zu diskutieren. Die Parteien, denen er am nächsten steht, sind UDI (Union der Demokraten und Unabhängigen) und ein Teil der Republikaner. Ihre Wahlkampagnen konzentrieren sich auf die Lebenhaltungskosten gemischt mit Identitätspolitik- und einem fehlenden Anliegen hinsichtlich eines Bündnisses mit den Rechtsextremen.“

Emmanuel Godin, Hauptdozent an der Universität Portsmouth, Schule für Gebietsstudien, Geschichte, Politik und Literatur, war mit Smith einverstanden und sagte Arab News: „Macron wird wohl eher mit der Rechten als der Linken zusammenarbeiten wollen.“

Smith glaubt, dass dadurch, dass Macron zur Rechten tendiert, der politische Stil mit einer Normalisation der Stimmung gegen Muslime, der Frankreich in den letzten Jahren dominiert hat, erhalten bleiben wird. Er sagte: „ Islamfeindlichkeit im Gewand des Säkularismus wird wohl bald auf der Oberfläche auftauchen. Wir hatten dies vor kurzem in Grenoble mit dem Rückschlag gesehen, den Burkini in öffentlichen Schwimmbädern zu erlauben.

„Leute sollen so zum Schwimmen gehen können, wie sie es mögen, aber diese Rhetorik des Säkularismus übernimmt eigentlich die gesetzliche Handlung, die vorgenommen werden müsste, und bläst alles völlig aus dem Verhältnis anstatt dass über Realität gesprochen wird. Und diese Realität ist, dass wenn Säkularismus richtig ausgespielt wird, er eine starke Unterstützung von den Muslimen erhält, das heißt, dass sie ungestört ihr Leben führen können.“

Eine Meinungsumfrage vom Französischen Institut für Öffentliche Meinung unterstützt Smiths Analyse mit 44% Muslime, die Säkularismus unterstützen würden, verglichen mit 43% Religionslosen und 42% Katholiken.

Indem Godin die Umfrage zitiert, beschrieb er die Realität der Meinung französischer Muslime als einen „weiten Schrei von den in einigen Medien oft karikaturesken Darstellungen dieses Problems.“

In den legislativen Wahlen vom Sonntag waren die Stimmen der Muslime der Schlüssel für die Kandidaten der Linken.

„69% der Muslime hatten in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen für Melenchon gestimmt, und ihr Hauptgrund war Sozioökonomie gewesen.“, sagte Godin: „Sozioökonomisch gesprochen gehört die Mehrheit der französischen Muslime der Arbeiterklasse an.“

Auf die Frage, ob Macron die muslimische Gemeinde Frankreichs verloren hätte, fragte Smith zurück, ob der Präsident diese Gemeinde jemals unterstützt hätte.

Er sagte, dass ein Teil der Probleme, denen Macron gegenübersteht, wenn er es mit dem Islam und der muslimischen Bevölkerung Frankreichs zu tun hat, von der Unfähigkeit kommt, über sie nicht anders zu denken, als ein historisches Überbleibsel des französishcen Kolonialismus in Nordfrankreich: „Ich vermute, dass Macron der großen Unterstützung der Muslime für Melenchon keine Aufmerksamkeit schenken wird.“, sagte Smith.

 

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