
IQNA: Die Warnung des Papstes erfolgte vor der Möglichkeit, dass die Demokratie in den Abgrund einer Diktatur der Mehrheit abrutscht, zwei Tage nach dem verbalen Angriff des US-Präsidenten Donald Trumps gegen ihn in den sozialen Medien. (Quelle: Al Jazeera)
Der erste amerikanische Papst bemerkte in einem Schreiben an die Teilnehmer einer Konferenz im Vatikan über den Einsatz von Macht in demokratischen Gesellschaften: Demokratien bleiben nur dann gesund, wenn sie in moralischen Werten verwurzelt sind.
Leo fügte in diesem Schreiben hinzu: In Abwesenheit einer solchen Grundlage ist die Demokratie in Gefahr sich in eine Diktatur der Mehrheit zu verwandeln oder als Deckmantel für die Herrschaft wirtschaftlicher und technologischer Eliten zu dienen.
Dieses Schreiben, das gleichzeitig mit der zehntägigen Reise des Papstes in vier afrikanische Länder veröffentlicht wurde, verweist nicht direkt auf die USA und nennt kein bestimmtes demokratisches Land.
Das Oberhaupt der Weltkatholiken fügte in seinem Schreiben hinzu: Die katholische Kirche lernte, dass Macht nicht an sich als Ziel betrachtet werden kann, sondern als ein Mittel um Gemeinwohl zu erreichen.
Leo sagte: Das bedeutet, dass die Legitimität der Autorität nicht von Anhäufung wirtschaftlicher oder technologischer Macht abhängt, sondern von Weisheit und Tugend mit der sie ausgeübt wird.
Der Papst forderte außerdem die Führer demokratischer Gesellschaften auf jeder Versuchung zur Machtanhäufung zu widerstehen.
Er betrachtete Mäßigung als notwendig für den legitimen Einsatz von Macht und sagte: Wahre Mäßigung zügelt übermäßige Selbstüberhöhung und wirkt als Hindernis gegen Machtmissbrauch.
Trump nannte den Papst am Sonntagabend „Ärgernis“ nachdem er ihn kritisiert hatte. Das Oberhaupt der Katholiken verurteilte in den letzten Wochen die Angriffe der USA und des zionistischen Regimes auf Iran scharf.
In politischen Theorien ist die Diktatur der Mehrheit eine bekannte Gefahr in Demokratien. Sie bedeutet, dass eine demokratisch gewählte Mehrheit dennoch undemokratisch handeln, Minderheiten marginalisieren, Institutionen wie Gerichte, Medien und die Verfassung schwächen und schließlich Macht so konzentrieren kann, dass sie einer autoritären Herrschaft ähnelt.
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