IQNA

Interview:
20:51 - December 09, 2019
Nachrichten-ID: 3001991
IQNA - Sayyed Ali Sayyed Qasim, Koordinator des Zentrums für interreligiösen Dialog im Libanon, betonte: „Imam Musa al-Sadr galt als Fahnenträger des interreligiösen Dialogs und verfügte über umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich. Wir verstehen uns als integraler Bestandteil dieser dialogbasierten Charta und sind bestrebt, die Forderungen der Charter in die Tat umzusetzen.“

Sayyed Ali Sayyed Qasim, Koordinator des libanesischen Zentrums für interreligiösen Dialog und Mitglied der Internationalen Akademie für Dialog zwischen Islam und Christentum „Al-Maryamiyah“ in der Stadt Baalbek im libanesischen Gouvernement Bekaa, hat in einem Exklusiv-Interview mit IQNA einige Fragen zu den Aktivitäten dieses Zentrums und seinen Errungenschaften beantwortet. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung des Interviews in deutscher Übersetzung:

Frage: Bitte erklären Sie uns zunächst einige Ihrer Aktivitäten im Zentrum für interreligiösen Dialog im Libanon und in der Internationalen Akademie für Dialog zwischen Islam und Christentum „Al-Maryamiyah“!

Antwort: Das libanesische Zentrum für interreligiösen Dialog wurde im Jahr 2010 gegründet. Seine Hauptaufgabe besteht darin, eine Reihe von religiösen Treffen zwischen muslimischen Gelehrten oder interreligiösen Treffen zwischen christlichen Geistlichen und muslimischen Gelehrten abzuhalten. Unsere Aktivitäten umfassen die Koordination vom islamisch-christlichen Dialog im Libanon und unsere Aufgabe ist es, den einheitsstrebenden Diskurs und die Annäherung zwischen verschiedenen Religionen und Konfessionen zu fördern.

Frage: Was sind Ihre wichtigsten Maßnahmen, um die Anhänger des Christentums mit dem Heiligen Koran und den Grundlehren des Korans und des Islam bekannt zu machen?

Antwort: Wir haben schon mehrere religiöse bzw. interreligiöse Treffen abgehalten, wobei der Schwerpunkt auf der Darstellung einiger muslimischer und christlicher Persönlichkeiten, einschließlich dem Propheten Isa (Jesus) und und Hazrat Maryam (Maria), und der Untersuchung  der Lebensgeschichte dieser geehrten Persönlichkeiten im Koran und in der Bibel lag. An diesen Treffen, wobei in der Regel biblische Themen den gleichen Themen aus dem Koran und anderen Heiligen Schriften gegenübergestellt und diskutiert werden, nehmen sowohl Muslime als auch Christen teil. Zu den Themen, die bereits auf diesen Treffen behandelt worden sind, gehören unter anderem das Leben der Propheten, der Dialog der Offenbarungsreligionen, das friedliche Zusammenleben der Anhänger verschiedener Religionen und die Sichtweise des Heiligen Korans über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Offenbarungsreligionen.

Frage: Was war die wichtigste Errungenschaft des Zentrums für interreligiösen Dialog im Libanon und in der islamischen Welt seit dem Jahr 2010?

Antwort: Wir glauben, dass wir immer noch am Anfang stehen, weil diese Arbeit viel Aufwand erfordert. Wir tun unser Bestes, um unsere Ziele im Libanon zu erreichen und um mit anderen Ländern, einschließlich der Islamischen Republik Iran, dem Irak oder anderen islamischen und nicht-islamischen Ländern, weiterhin im Gespräch zu bleiben. In den letzten Jahren haben wir es geschafft, eine Reihe von Gesprächen und Treffen zwischen Muslimen und Christen zu organisieren, die in christlichen Kirchen, in den Tempeln und Bethäusern der  Drusen oder in den Moscheen der sunnitischen Glaubensgeschwister stattfanden. Diese Maßnahme hat uns den gewünschten Zielen näher gebracht.

Es soll betont werden, dass Imam Musa al-Sadr als Fahnenträger des interreligiösen Dialogs galt und über umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich verfügte. Er hatte sich immer wieder für Christen eingesetzt, um das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Christen und die Schaffung nationaler Einheit im Libanon zu ermöglichen. Imam Musa al-Sadr hat herrliche Sprüche über den interreligiösen Dialog hinterlassen. Beispiele dafür sind folgende Sprüche: „Das islamisch-christliche Zusammenleben ist ein Reichtum, den man nicht aus der Hand geben sollte“ und „Religion ist ein Segen und Konfessionalismus ist eine Strafe.“

Wir verstehen uns als integraler Bestandteil dieser dialogbasierten Charta und als Zentrum für den interreligiösen Dialog im Libanon sind wir bestrebt, uns auf die Charta von Imam Musa al-Sadr für den Dialog der Religionen zu stützen und diese zu befolgen und um so mehr Erfolge erzielen.

Frage: Was hat die „Al-Maryamiyah“-Akademie bisher erreicht?

Antwort: Diese Akademie ist nach Hazrat Maryam (Maria) benannt und nach islamischer Auffassung ist die Lebensgeschichte Marias (a.) im Heiligen Koran anders als in anderen Heiligen Büchern, weil die Lebensgeschichte Marias im Heiligen Koran vollständig darstellt ist, während ihre Lebensgeschichte in einer solchen Vollständigkeit in anderen himmlischen Büchern nicht vorhanden ist.

An der „Al-Maryamiyah“-Akademie sprechen wir über die hohe Stellung dieser reinen Frau, Hazrat Maryam (Friede sei mit ihr), und die Umstände, unter denen sie lebte, über die Unterdrückung, die ihr zugefügt wurde, und über die ihr zugefügte grundlose Anschuldigung, wodurch man ihr Ansehen herabzusetzen suchte. Wir erklären dann, wie Gott die Anschuldigung zurückwies und ihr einen hochverehrten Sohn mit dem Namen Isa (Jesus) schenkte. Unser Motto in dieser Akademie und im Zentrum für religiösen Dialog lautet, dass wir uns auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen konzentrieren sollten, um positive Aspekte zu bekräftigen und Unterschiede in den Vordergrund der Debatte zu rücken und auf diese Weise die geistigen und erkenntnisbezogenen Werte zu erreichen.

Zu den Voraussetzungen der „Al-Maryamiyah“-Akademie für interreligiösen Dialog gehört sowohl die konstruktive Kritik als auch der Respekt gegenüber anderen. Das heißt, wenn einer von uns seine Meinung zu einem bestimmten Thema zum Ausdruck bringt, haben die anderen kein Recht dazu, ihm gegenüber respektlos zu sein, sondern wir sollten die in anderen Weltreligionen für heilig Anerkannten respektieren. Den Dialog der Religionen führen wir entsprechend den Lehren des Imam Ali (a.), und bei diesem Dialog gibt es gar keinen Platz für Beleidigung und Respektlosigkeit; denn es heißt im Koran ausdrücklich: „Und schmäht nicht diejenigen, die sie außer Allah anrufen, damit sie nicht in Übertretung ohne Wissen Allah schmähen!“ (Sure 6:108). Das heißt, wenn Sie die in anderen Religionen als heilig verehrten Personen oder Objekte respektlos behandeln, werden die Anhänger anderer Religionen das Gleiche Ihnen gegenüber tun. Tatsächlich werden wir mit Beleidigung und Schmähung nicht das gewünschte Ergebnis erzielen.

Wenn wir mit einem Menschen einen Dialog führen, zwingen wir ihn nicht dazu, unsere Meinung zu akzeptieren, sondern wir versuchen, ihm das Bild eines reinen Islam zu vermitteln und das wahre Bild des Propheten Muhammad (s.), der in der Ära der Unwissenheit zum Propheten berufen wurde, darzustellen.

 

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