Das hochrangiges Mitglied der islamischen schiitischen Bewegung Nigerias und einer der Schüler von Scheich Zakzaky Scheich Yaqub Yahya Katsina erläuterte im Vorfeld von Arba'in al-Husseini in einem Gespräch mit IQNA die Philosophie der Arba'in-Pilgerreise und die Würdigung dieses Anlasses durch Schiiten sowie Begleitung durch Anhänger verschiedener Religionen, Konfessionen und Riten. Er beantwortete die Fragen von IQNA zu diesem Thema, deren ausführliche Fassung im Folgenden dargelegt wird.

Gott der Allmächtige versprach, dass die Religion des Islam siegen und ewig bleiben wird. Gott bricht sein Versprechen niemals und um dies zu verwirklichen ebnete Gott die Mittel und den Weg. Er ernannte Imam Hussain (a.s.) zur Verwirklichung des Ideals der Propheten und Gesandten, nämlich die Einheit der Menschheit und Führung zu ihrem Schöpfer. Diese Führung wird entweder durch den Glauben an Gott oder aufgrund der menschlichen Natur, die Isolation und Einsamkeit verabscheut, erreicht. Vielleicht kann die Philosophie der Arba'in-Pilgerreise von Imam Hussain (a.s.) aus dieser Perspektive verstanden werden.
Wir alle wissen, dass Imam Hussain (a.s.) aufstand, um Reformen in der islamischen Gemeinschaft seines Großvaters durchzuführen. Reformen sind nicht nur auf politische Veränderungen beschränkt. Die Teilnehmer an dieser Pilgerreise müssen die islamische Ethik beachten und durch das Üben von Geduld und das Schöpfen von Kraft aus Glauben, Aufrichtigkeit und Opferbereitschaft sowie Folgen von Imam Hussain (a.s.) und seinen Gefährten ein Vorbild an ihnen nehmen.
Sie sollten auch Ehrlichkeit in der Rede, Vertrauenswürdigkeit, Verrichten des Gebets zum Beginn der Zeit und gutes Verhalten gegenüber Nachbarn, ungeachtet ihrer Rasse, Farbe oder sogar Religion, berücksichtigen und wissen, dass Imam Hussain (a.s.) allen gehört und die Liebe zu ihm uns vereint. Darüber hinaus ist Barmherzigkeit und Mitleid gegenüber schutzbedürftigen Menschen, einschließlich Frauen, Kindern und sogar Tieren sehr wichtig.
Da diese Pilgerreise ein Akt des Gottesdienstes ist durch den wir Gott näher kommen, ist die beste Vorbereitung für diese Reise Frömmigkeit und die Einhaltung der empfohlenen Gottesdienste (Mustahabbat). Zu den edelsten dieser Handlungen gehört Rezitation mit Tadschwid des Korans und ohne die korrekte Aussprache der Buchstaben und Einhaltung anderer Rezitationsregeln kann die spirituelle Belohnung dieser empfohlenen Handlung nicht vollständig erreicht werden; daher ist es angemessen, dass der gläubige Pilger die notwendige Fertigkeit im Buch Gottes besitzt. In der Nacht des zehnten Muharram bat Imam Hussain (a.s.) seine Mörder ihm eine Nacht Aufschub zu gewähren, damit er beten und den Koran rezitieren kann und diese Bitte wurde erfüllt.
Einer der wichtigen Aspekte der Husseini-Riten – insbesondere des Arba'in-Marsches – ist die Einheit verschiedener Religionen, Sekten und Konfessionen. Unterschiede verschwinden beim Arba'in-Marsch durch gemeinsame Hingabe an diesen freien Diener Gottes (Imam Hussain (a.s.)) und Retter und es herrscht eine Atmosphäre der Reinheit, Liebe und Brüderlichkeit. Es wäre sehr großartig, wenn dieses Gefühl füreinander nach unserer Rückkehr in unsere Länder als Zeichen der Loyalität gegenüber Imam Hussain (a.s.) und als Spiegelbild seines Wunsches die islamische Gemeinschaft seines Großvaters (Friede sei mit ihm) zu reformieren fortbestehen würde und auf diese Weise werden wir sein Herz und das der anderen unfehlbaren Imame (Friede sei mit ihnen) erfreuen.
Die Botschaft der spirituellen Bewegung des Arba'in-Marsches beinhaltet wie die Hadsch-Zeremonie, Austausch von Ansichten und Kulturen unter den Teilnehmern was für sie von Vorteil ist. Auch der Austausch von Kontaktinformationen für die Kommunikation in sozialen Medien weltweit ist durch Anwesenheit von Menschen verschiedener Rassen, Sprachen und Farben bei diesem spirituellen Ereignis möglich.
Diese Szene wiederholt sich jedes Jahr und stärkt die Harmonie und Verständnis zwischen der Menschheit im Einklang mit der Verwirklichung des Wortes Gott des Allmächtigen, der sagte:
إِنَّا خَلَقْنَاكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَأُنْثَىٰ وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوبًا وَقَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا»
Wahrlich, Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt.“ (Sure Al-Hujurat, Vers 13).
Imam Hussain (a.s.) ist ein Symbol der Einheit und seine Botschaft weicht niemals vom Pfad Gottes ab; der Aufruf von Imam Hussain (a.s.) zur Reform verkörpert die koranischen Botschaften. Heute nach mehr als tausend Jahren sehen wir die Früchte seiner Bewegung; beim Arba'in-Marsch steht der Christ neben dem Muslim, der Sabäer (Mandäer) neben dem Zoroastrier. Sie alle wünschen sich ein friedliches Zusammenleben und dies verwirklicht das Wort des Vaters von Imam Hussain (a.s.), der sagte: Die Menschen sind zweierlei: entweder dein Religionsbruder oder dein Ebenbild in der Schöpfung.
Die Arba'in-Pilgerreise fungiert als eine Art öffentliche Diplomatie zur Verbreitung der Friedenskultur in einer Welt voller Herausforderungen, insbesondere in diesem Jahrhundert und einer Ära die gleichzeitig von Sektierertum, Rassismus und einem Wettrüsten geprägt ist. Millionen von Menschen kommen in Kerbala, Nadschaf und an verschiedenen heiligen Stätten zusammen; dennoch ist es selten, dass man einen Streit sieht oder etwas von Diebstahl oder Veruntreuung hört. Dies steht im Einklang mit dem ultimativen Ziel des Islam, nämlich die Menschheit in eine einzige Familie zu verwandeln, die durch Frieden, Harmonie und gegenseitiges Verständnis definiert ist, so wie Imam Rida (a.s.) sagte: „Wenn die Menschen die Schönheit unserer Worte hören würden, würden sie uns folgen.“
Humanitäre Hilfe wurde in allen Religionen immer hoch geschätzt und der Islam bildet da keine Ausnahme; tatsächlich ist der Islam in dieser Tugend ein Pionier. Beim Arba'in-Marsch sieht man niemanden der zögert den Pilgern zu dienen; die Diener von Arba'in haben nur die Zufriedenheit Gottes des Allmächtigen im Sinn und nicht Lob oder Überlegenheit gegenüber anderen.
Der Irak ist das Land der Großzügigkeit und des Mutes, wo der Empfänger des Dienstes oft von der großen Großzügigkeit des Dienenden in Erstaunen versetzt wird. Dennoch macht der Dienende dem Empfänger für seinen Dienst keinen Vorwurf, sondern diente nur und dankt dem Empfänger sogar dafür, dass er den Dienst annahm den er selbst für geringfügig hält, auch wenn der Empfänger ihn als groß ansieht.
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