IQNA

Professor an der University of Oregon im Interview mit IQNA:
0:14 - May 09, 2022
Nachrichten-ID: 3006084
Teheran (IQNA)- Die Palästinenser haben Befugnisse die die (palästinensische) Führung nicht verantwortungsvoll ausübte. Die Palästinenser müssen ein wirklich demokratisches System aufbauen und effektivere Strategien anwenden. Mahmud Abbas und die derzeitige Führung sind ebenfalls alt und die meisten Palästinenser betrachten sie als Verbündete der israelischen Armee somit ist eine bessere Führung erforderlich.

Seit Beginn des Ramadan erreichten die Spannungen zwischen den Palästinensern und den Zionisten in der Al-Aqsa-Moschee ihren Höhepunkt und diese Zusammenstöße weiteten sich auf die Städte des besetzten Palästina aus.

David Frank, Professor an der University of Oregon in den Vereinigten Staaten glaubt, dass die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern neben dem Scheitern von Plänen wie den Zweistaatenplan auch auf interne Spannungen zwischen den Palästinensern und den unsicheren Prozess der Demokratisierung in Palästina zurückzuführen ist. David Frank ist seit 1981 Professor an der University of Oregon und ist derzeit Fakultätsmitglied am Clark College of Honor und angeschlossenes Mitglied der Abteilung für englische Rhetorik.

Er publizierte im Bereich der internationalen Studien insbesondere zur Palästina-Frage und das bekannteste davon ist das Buch „Shared Land / Conflicting Identity: Trajectories of Israeli and Palestine Symbol Use“. In einem Interview mit IQNA sprach Frank über die jüngsten Spannungen in den besetzten Gebieten, die im Folgenden beschrieben werden.

IQNA – Seit Beginn des heiligen Monats Ramadan erlebten wir neue Spannungen in den palästinensischen Gebieten. Was wissen Sie über die Ursache dieser Krise?

Die jüngste Krise ist das Produkt alter Spannungen. Der Antisemitismus in Europa und der Holocaust brachten den Zionismus hervor. Der Zionismus wiederum gründete den Staat Israel, der bei seiner Gründung 800.000 Palästinenser vertrieb und so die Katastrophe oder Tragödie Palästinas letztendlich verursachte.

In diesen noch nicht verschwundenen historischen Schäden können neue Spannungen wurzeln. Die Israelis leugnen oder ignorieren weiterhin das Leiden der Palästinenser und die Palästinenser müssen angesichts der schrecklichen Besetzung durch die israelische Armee weiterhin an ein lebensfähiges demokratisches System denken.

Die aktuellen Spannungen in den palästinensischen Gebieten haben ihre Wurzeln auch in den heiligen Stätten des Islam und des Judentums in Jerusalem. Während Ramadan und Eid al-Fitr werden diese Orte instabil und explosiv insbesondere durch die israelische Besatzung zusammen mit der palästinensischen Verzweiflung und der Zurschaustellung israelischer Macht die eine Kombination aus Gewalt ist.

IQNA – Was ist der Unterschied zwischen diesen jüngsten Spannungen?

Die Wurzeln der jüngsten und vergangenen Spannungen sind dieselben: Antisemitismus, Zionismus, Nakba (Tag der Besetzung Palästinas), palästinensischer Nationalismus, die Besetzung der Westbank und des Gazastreifens, Scheitern der Demokratie in Palästina und Unfähigkeit der zwischen der internationalen Gemeinschaft und der palästinensischen Führung eine tragfähige Beziehung aufzubauen.

IQNA – Einige glauben, dass die Wurzel der anhaltenden Spannungen in den palästinensischen Gebieten das Scheitern des Zwei-Staaten-Plans aufgrund der israelischen Siedlungen ist. Was denken Sie darüber?

Der Tod einer Zwei-Staaten-Lösung in einem Land kann auf die Weigerung Israels zurückgeführt werden, den palästinensischen Nationalismus vollständig anzuerkennen und auf die Unzulänglichkeit der palästinensischen Führung. Angesichts der Tatsache, dass die Israelis viel mehr Macht und Unterstützung von den Vereinigten Staaten haben sind die Israelis für diese Niederlage mehr verantwortlich als die Palästinenser.

Wie Rashid Khaledi (palästinensisch-amerikanischer Historiker des Nahen Ostens) und Edward Said (Professor für moderne Arabistik an der Columbia University 24) betonten haben die Palästinenser Befugnisse die die palästinensische Führung nicht verantwortungsvoll ausübte. Die Palästinenser müssen ein wirklich demokratisches System aufbauen und effektivere Strategien anwenden.

Der Bau israelischer Siedlungen ist Zeichen dieser langen und historischen Trends und eine der Wurzeln der anhaltenden Spannungen in den palästinensischen Gebieten. Dieser israelische Schritt untergräbt jegliche Aussicht auf ein dauerhaftes und aktives Palästina.

IQNA – Was kann die internationale Gemeinschaft Ihrer Meinung nach tun, um den palästinensischen Gebieten dauerhaften Frieden zu bringen?

Die internationale Gemeinschaft trug bisher zu der schlimmen Situation bei die die Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland durchlitten:

1.Bereitstellung von mehr wirtschaftlicher und infrastruktureller Unterstützung für die Menschen in Gaza. Der Marshall-Plan (Kapital- und Geldspritzen in den Gazastreifen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation) lindert das Leiden der palästinensischen Bevölkerung.

2- Die Arabische Friedensinitiative von 2002 kann erneuert werden. Diese Initiative enthält ein pragmatisches Friedensversprechen das zumindest für Israelis und Palästinenser akzeptabel sein könnte.

3- Fortsetzung der Genfer Initiative. Obwohl die Schweiz ihre Finanzierung aus der Initiative zrückzog ist die Vision im Herzen des Projekts dennoch hoch da es das Ergebnis eines Problemlösungsrahmens ist der Palästinenser und Israelis vor Ort einbezieht. Die internationale Gemeinschaft kann von den innovativen Lösungen dieses Projekts profitieren.

4.Indien und die großen Länder Ostpalästinas und der besetzten Gebiete müssen sich um Vermittlung bemühen. Die Vereinigten Staaten werden als Verbündeter Israels gesehen daher sollten sie keine große Rolle als Vermittler spielen.

 

IQNA – Einige glauben dass die Normalisierung der Beziehungen zwischen mehreren islamischen Ländern und Israel wirklich zu Lasten der Palästinenser ging. Was denken Sie darüber und wohin wird die Zukunft dieser Normalisierung der Beziehungen führen?

Die wirtschaftliche Normalisierung der Beziehungen zwischen mehreren islamischen Ländern und Israel dauert seit dreißig Jahren an. Dieses sogenannte „Abraham-Abkommen“ dient als offizielle Anerkennung dieses historischen Paradigmas und als Beschleuniger. Das Abkommen deckt den Mangel an Bemühungen ab eine praktische, ausgehandelte, vermittelte Beziehung zwischen den Palästinensern und den Israelis zu fördern sowie die Normalisierung der schlimmen wirtschaftlichen Situation die die Palästinenser erleben. Diese Probleme führen schließlich zu einer Reihe von Intifadas oder anderen Aufständen die zu Gewalt und Tod führen werden.

Die Palästinenser sind allerdings nicht die einzigen Leidtragenden. Wie der Arabische Frühling zigte bleiben viele in der arabischen Welt unglücklich und wütend auf ihre autoritären Regime. Wenn die wirtschaftliche Normalisierung nicht zu einer demokratischen Modernisierung und sozialen Programmen zur Förderung der wirtschaftlichen Gleichheit führt wird das Ergebnis immer die Fortsetzung der Intifada und einer Reihe anderer arabischer Frühlinge sein.

 

IQNA – Welche Alternative wird es Ihrer Meinung nach angesichts des Scheiterns des Zwei-Staaten-Plans für die Palästinenser geben?

1- Aufbau einer echten palästinensischen Demokratie. Die Palästinenser streben nach einem Regierungssystem das die Ansichten der Mehrheit widerspiegelt. Die derzeitige Führung in der PA gilt als inkompetent und korrupt. Die Alternative das neue System und der Zeitpunkt der Wahl sind gültig.

2- Schaffung einer neuen palästinensischen Führung. Mahmud Abbas und die derzeitige Führung sind alt und die meisten Palästinenser betrachten sie als Verbündete der israelischen Armee. Jüngere und bessere Führung ist erforderlich. Meinungsumfragen zeigen dass Marwan Hasib Ibrahim Barghouti (ein palästinensischer Politiker und Militärkommandeur, der Mitglied der Fatah-Bewegung ist und seit 2002 wegen Mordes an vier Israelis und einem Griechen in israelischer Haft ist) jetzt ein beliebter palästinensischer Politiker ist und bleibt in israelischen Gefängnissen.

3- Erstellen einer neuen und kodifizierten Botschaft an die internationale Gemeinschaft. Die Palästinenser konnten gut mit Progressiven und einigen Mitgliedern der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten kommunizieren. Aufbauend auf diesem Erfolg müssen die Palästinenser entweder einen neuen Plan vorlegen oder etwas mit voller Zustimmung zur Arabischen Friedensinitiative oder zum Genfer Projekt unternehmen.

4.Teilnahme an systematischen gewaltfreien Protesten nach dem Modell von Martin Luther King und Gandhi. Es gibt Hinweise darauf dass die Anwendung von Gewalt beruhigend aber letztendlich unwirksam ist oder sich oft ins Gegenteil umkehrt. Es gibt eine Alternative zur Gewalt einschließlich einer viel ausgefeilteren diplomatischen Anstrengung der Palästinenser. Wie Eduard Saeed und Rashid Khaledi wiederholt erlebten ist der Zugang der Palästinenser zur englischsprachigen Welt oft ineffektiv.

 

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