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Grundlegende Entwicklungen des Begriffs „«Fiqh»=«Jurisprudenz»“ in der islamischen Kultur

9:22 - July 19, 2023
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Teheran (IQNA)- Das Wort «fiqh» bedeutet wörtlich «tiefes Verständnis und Wissen» aber in seiner idiomatischen und vertrauten Bedeutung wurde es auf tiefes religiöses Verständnis und Wissen übertragen.

«Fiqh» gehört zu den Wörtern, die im Laufe der Geschichte eine starke konzeptionelle Entwicklung erlebten und deren Bedeutung sich mindestens drei oder vier Mal weiterentwickelte und dementsprechend sich auch ihre Definition änderte. Begriffe schaffen Kultur und definieren die Agenda der Gesellschaft. Ein tiefgründiger Satz wurde von Konfuzius zitiert und zwar: Ich werde Reformen in meinem Land einleiten, indem ich die Wörter reformiere, denn bis die Wörter reformiert sind werden keine anderen Reformen im Land wirksam sein.

Das ist ein Problem, das wir in unserer Geschichte haben: Die Konzepte änderten sich und wenn sich die Konzepte ändern so ändert sich auch die Agenda der Gesellschaft. Zum Beispiel war das Wort «Führer» einmal großartig aber wer wird es heute jemand Gerechten und Guten als «Führer» bezeichnen? Natürlich wirkt sich dieser Begriffswandel auch auf die Kultur der Gesellschaft aus.

Die erste Übersetzung der Bedeutung des Wortes «Fiqh» erfolgt von der wörtlichen Bedeutung in die idiomatische Bedeutung; Das heißt mittels dieses Wortes wird «Verständnis und tiefes Wissen» definiert. Aber dieses Wort erhielt die Bedeutung von tiefem religiösem Wissen. Nach mehreren Jahrhunderten wurde das Wort «Fiqh» von der Kenntnis der Religion auf die Kenntnis der Regeln und Zweige der Gesetze der Religion übertragen. Im Laufe der Zeit wurde die Bedeutung auf das Wissen der Religionszweige übertragen. Das waren die Veränderungen der Bedeutung des Wortes «Fiqh».

Als das Wort «Fiqh» von der wörtlichen Bedeutung in die idiomatische Bedeutung übertragen wurde, umfasste es zunächst sämtliches religiöses Wissen. Die Religionswissenschaft bestand aus drei Teilen und auf alle wurde die Vokal «Fiqh» angewandt. Nicht nur in Worten sondern ebenfalls in Büchern und Überlieferungen. Wenn das Wort «Fiqh» in Überlieferungen verwendet wird umfasst es Moral und Überzeugungen und ist nicht nur der Jurisprudenz vorbehalten.

Die Auswirkungen dieser konzeptionellen Transformation sollten berücksichtigt werden. Der erste Effekt dieser Transformation ist die zentrale Bedeutung praktischer Aspekte in den religiösen Lehren. Das heißt Prinzipien wurden mittels deren Ableitungen umgesetzt. Nach und nach erlangten Glaube, Weltanschauung und Ethik einen untergeordneten Platz und selbst in Seminaren und Religionsschulen wurde sie zu einem optionalen Nebenfach so dass heute jemand Mujtahid (religiöse Autorität) werden kann aber nicht weiß wie man den Koran rezitiert. Diese konzeptionelle Änderung führte dazu, dass unter den drei Teilen des Religionsunterrichts, die für das menschliche Glück zusammengehören sollten zwei vergessen wurden und als zweitrangig und zeremoniell bewertet wurden und die Ableitungen als Prinzipien praktiziert werden.

Eine große Plage der Gesellschaft besteht darin, dass sich die Menschen dem Schein zuwenden. Basiert das Kriterium der Religion der Gesellschaft auf dem Schein? In Überlieferungen heißt es: Wenn man die Religiosität einer Person testen möchte, muss man den Grad der Wahrhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit einer Person messen. Das Äußere ist zwar wichtig aber kein Kriterium.

Eine weitere Katastrophe bestand darin dass Liebe und Zuneigung in der Gesellschaft abnahmen. Das Gesetz ist trocken und sagt einfach dass diese Grenze zwischen dir und mir liegt und niemand sie überschreiten sollte. So kann man nicht leben. Das Leben in einer Gesellschaft, die nicht nur auf der Grundlage von Gesetzen und Rechtsprechung regiert wird erfordert daher Überzeugungen und Ethik um Liebe und Zuneigung zu vermitteln.

Die Idee des Märtyrers Sadr um die Auswirkungen dieser Änderungen zu beseitigen besteht darin die Art und Weise zu überdenken wie wir die bestehende Jurisprudens (Fiqh) neu präsentieren.

  • Märtyrer von Sadr: Seyyed Muhammad Baqir Sadr war Jurist, prinzipientreuer Mujtahid (religöse Autorität), Philosoph, Denker, Marja Taqlid (hatte Anhänger, die seiner Jurisprudenz folgen), Erneuerer und Theoretiker der Schiiten sowir ein irakischer Politiker, der im Jahr 1935 in der Stadt Kazmin geboren wurde.
  • Ein Auszug aus den Worten von Mohsen Esmaili, Professor an der Universität Teheran in der Fachtagung „Historische Entwicklungen des Konzepts der Rechtswissenschaft und die Auswirkungen der Trennung von der Ethik“

 

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Stichworte: Rechtsprechung ، Fiqh ، Jurisprudenz
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