Der Dozent des Dars-e Charedsch (Forschungsseminar) an der Hawza Hojjatoleslam Seyed Ali Hosseini Amoli befasste sich im Interview mit IQNA mit der Analyse von Begriffen wie „wissenschaftlicher Unwissenheit“ und „rationaler Unwissenheit“ im Ereignis von Karbala sowie der Untersuchung der Wandlung der Rolle von Arba'een von einer Pilgerzeremonie zu einem Zentrum der Einheit der Widerstandsfront und Demonstration der Macht der revolutionären Gemeinschaft gegenüber den Arroganten der Welt befasst.

Im Folgenden lesen Sie den ausführlichen Text dieses Interview:
Die Bewegung von Arba'een setzt die Bewegung des Hadsch fort; und denselben Blick den wir auf den Hadsch haben, müssen wir auch auf Arba'een anwenden; freilich mit jener Breite, die die verschiedenen islamischen Richtungen in den Grundlagen der Religion haben wie die Asch'ariten und Dschabariten, die Mu'taziliten, die Adliyya oder auch die fünf sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen.
Allerdings stelle ich neben diesem Ansatz – also Dschabriyya, Adliyya, Tafwid und ... sowie den Rechtsschulen – noch eine andere Einteilung vor in der es zwei Ansätze gibt; auf der einen Seite steht ein aufgerichteter, revolutionärer Islam, der auf Überzeugungen in politischen und sozialen Fragen beruht und auf der anderen Seite ein Islam der die Muslime nicht zu politischer und sozialer Präsenz in den Gemeinschaften führt und diese Art der Einteilung umfasst sowohl Schiiten als auch Sunniten. Deshalb findet das Ereignis von Karbala und Ashura in den muslimischen Gesellschaften Raum, sogar unter denen die äußerlich sagen wir sind Sunniten, bei denen aber ein revolutionären Geist und Präsenz in politischen und sozialen Fragen zu sehen ist.
Viele junge Menschen, selbst unter den Gebildeten, denken in politischen und sozialen Fragen mit einer ashuraischen Sichtweise, auch wenn sie aus religiöser Sicht sunnitisch sind. Daher hat das Denken von Ashura heute über die schiitische Konfession hinaus unter Sunniten und sogar in den Religionen des Judentums und des Christentums Anhänger und wir erleben zahlreiche Beispiele dieser Verehrung. So kommen die Muslime durch die Nutzung des Ereignisses von Karbala und mit Hilfe des Hadsch zusammen und lernen einander in verschiedenen Dimensionen kennen, damit sie im Bedarfsfall eine revolutionäre Bewegung in Fortsetzung der Bewegung von Ashura gestalten.
Da Ashura aufgrund der Ganzheit des Korans und der menschlichen Fitra eine umfassende Kultur ins Feld brachte, die mit der Ganzheit des Korans und den rechtlichen Erfordernissen des Menschen übereinstimmt, sagte Imam Hussein (Friede sei mit ihm) deshalb: „Wenn die Religion Mohammeds nicht außer durch meine Tötung Bestand haben kann, dann, ihr Schwerter! Ergreift mich!“ Oder der Mond der Banu Haschim sagte: „Bei Gott, wenn ihr meine rechte Hand abschneidet, werde ich meine Religion immer verteidigen.“ Oder Hazrat Ali Akbar (Friede sei mit ihm) sagte: „Sind wir denn nicht auf der Wahrheit?“
Diese Art von Aussagen führte den Rahmen über den Rahmen der schiitischen Rechtslehre hinaus; das heißt, man darf die Umayyaden nicht als sunnitisch betrachten und sagen, die Schiiten seien in Karbala mit den Sunniten aneinandergeraten; Karbala war die Front der Wahrheit gegen die Front der Falschheit und das geht weit darüber hinaus, dass wir aufstehen und die Sünden eines sunnitischen Muslims verhindern wollen. Wenn manche Ashura so stark reduzieren, sagen sie danach: "Habt ihr denn unter Schiiten und Sunniten keine Sünder, dass ihr ausgerechnet gegen Yazid vorgingt, der doch auch nur einer wie die anderen war?" Man darf Yazid nicht bloß als Weintrinker ansehen, sodass jemand zu uns sagt: "Habt ihr unter den Schiiten denn keine Weintrinker? Habt ihr keine betenden Schiiten?" Imam Hussein (Friede sei mit ihm) sagte: „Seht ihr denn nicht, dass nach der Wahrheit nicht gehandelt wird und von der Falschheit nicht abgelassen wird?“ Karbala ist in Wirklichkeit die Darlegung der koranischen Wahrhaftigkeit, die von der menschlichen Fitra (Natur/Wesen) kündet; daher müssen wir diese Sichtweise auf Karbala haben.

Dieser Ausdruck bedeutet, dass diejenigen, die nicht im Sinne von Karbala denken, unwissend sind; allerdings hat Unwissenheit auch zwei Bedeutungen. Manchmal steht Unwissenheit dem Wissen gegenüber und manchmal der Vernunft. Unwissenheit gegenüber Wissen bedeutet, dass die Menschen angesichts eines bestimmten Ereignisses verwirrt sind, welche Entscheidung sie treffen sollen, doch Unwissenheit gegenüber Vernunft ist nicht so. Unwissenheit gegenüber Wissen könnte in Syrien vorgekommen sein; das heißt, viele Menschen konnten aufgrund der täuschenden Propaganda von Yazid und Mu'awiya die Wahrheit nicht erkennen und hatten grundsätzlich keine große Kenntnis vom Islam und von Imam Hussein (Friede sei mit ihm). In Syrien waren die Menschen wirklich verwirrt darüber, welche Seite die Wahrheit und welche die Falschheit war, aber in Kufa war das nicht so! In Kufa entschieden sich viele Menschen bewusst und auf Grundlage von Wissen und Erkenntnis dafür, sich Imam Hussein (Friede sei mit ihm) entgegenzustellen oder ihn nicht ausreichend zu unterstützen.
Die Unwissenheit gegenüber der Vernunft – jener Vernunft über die gesagt wurde: „Die Vernunft ist das womit der Barmherzige verehrt und das Paradies erworben wird“ –, an der die Kufier litten ist selbst eine Art von Handlung und handelten in der Praxis gegen ihr Herz, während die Syrer Unwissenheit gegenüber Wissen hatten. Daher ist Unwissenheit in der Sprache der aristotelischen Logik, wenn sie dem Wissen gegenübersteht, Mangel und Disposition; aber Unwissenheit gegenüber der Vernunft ist nicht Mangel und Disposition, sondern beide sind Seinsbestimmungen; deshalb unterstützten in Karbala einige bewusst die Falschheit und auch heute besteht diese Lage in den islamischen Gesellschaften und ich bezeichne sie als Infiltrierte, weil sie wissen was sie für einen Unsinn tun. Heute sind diese Länder am Persischen Golf deren Herrscher sich selbst als Muslime betrachten, Sklaven der USA und Zionismus und deren Milchkuh und stehen bewusst der Wahrheit entgegen und dienen der Front der Falschheit; daher sind sie unwissend und besitzen keine Vernunft.
Im Inneren unseres Landes bereuten nach dem Martyrium des Märtyrer-Oberhaupts einige, die wirklich keine Kenntnis und kein Bewusstsein für seine Stellung und seinen ethischen, mystischen, asketischen Rang und seine Lauterkeit besaßen und auch falsche Positionen eingenommen hatten, zum Teil und schlugen sich aus tiefstem Herzen auf Kopf und Brust und trauerten. Diese haben Unwissenheit im Sinne von Nichtwissen und waren nicht informiert und vielleicht wären sie, wenn sie schon zwei oder drei Jahre zuvor dieses Bewusstsein erlangt hätten, bereits vorher Anhänger seiner Gesinnung und seines Weges gewesen. Daher müssen wir Karbala aus zwei Blickwinkeln betrachten: Wissensvermehrung und Vernunftvermehrung; denen die verstehen, aber keinen Mut haben muss Vernunft eingegeben werden damit sie den Mut finden die Wahrheit zu unterstützen und auf der anderen Seite steht die Manifestation von Wissensvermehrung und Aufklärung gegenüber Nichtwissen; etwas das einigen der Syrer widerfuhr.
Als in Syrien der edle Zain al-Abidin (Friede sei mit ihm) eine Rede hielt und sich als Angehöriger der Familie des Propheten (Gott segne ihn und schenke ihm Frieden) vorstellte, machten einige als sie das verstanden Lärm und Yazid geriet in Sorge und Angst, dass seine Herrschaft in Schwierigkeiten geraten könnte. Yazid sagte diese seien Chawaridsch, also Aufständische gegen die Regierung, aber der edle Sadschad (Friede sei mit ihm) sagte: „Ich bin der Sohn von Mekka und Mina; ich bin der Sohn Mohammeds, des Auserwählten ...“. In Syrien gab es Nichtwissen der Vernunft und in Kufa Nichtwissen des Wissens.
Bei der Beerdigung des geehrten Märtyrers zeigte die Gesellschaft ihre iranisch-islamische Rationalität; das Volk zeigt sich seit beinahe 50 Jahren vernünftig und hat vernünftige Verhaltensweisen. In der Hölle sind einige von ihnen gebildet und studiert und einige ungebildet und im Paradies ist es genauso; aber alle Paradiesbewohner sind vernünftig und alle Höllenbewohner sind unwissend. Paradies und Hölle sind der Gegensatz von Vernunft und Unwissenheit, nicht von Wissen und Nichtwissen und so können Gebildete und Ungebildete sowohl im Paradies als auch in der Hölle nebeneinander sein.
Die von Sayyid al-Shuhadas (Friede sei mit ihm) geschaffene Bewegung führte dazu, dass sich diese Kultur verbreitete, dass man den Umayyaden entgegentreten kann. In jüngster Zeit gab sie der Welt in den drei Kriegen, die die verbrecherische USA und Israelis uns auferlegen den Mut zu wissen, dass man USA entgegentreten kann. Das Märtyrer-Oberhaupt hielt in den Jahren 1981–1991 eine Rede in einem afrikanischen Land und sagte, dass einige Staatsoberhäupter ihm sagten: Diese Positionen und Worte der Islamischen Republik Iran sind auch unsere Worte, aber welchen Mut habt ihr, dass ihr diese vortragt, während wir nicht den Mut haben sie auszusprechen; also sind auch diese Menschen nicht ungebildet und sie verstehen USAs Unterdrückung und Verbrechen, aber haben nicht die praktische Vernunft für den Widerstand gegen USA und nicht den erforderlichen Mut.
Das, was die Islamische Revolution tat, besonders nach diesen drei Kriegen, führte dazu, dass die Welt versteht, dass man USA entgegentreten und ihnen eine Ohrfeige verpassen kann und dies tat die Revolution und unser Oberhaupt verwirklichte mit seinem Martyrium diesen Slogan auf Weltebene und wir bewiesen mit dem Rückhalt von Ashura und dem Koran, dass man dem Unterdrücker entgegentreten und ihm eine Ohrfeige geben muss und alle Schiiten und Sunniten nahmen diese Botschaft auf und unterstützen diesen Ansatz; daher muss man den Islam heute in zwei Fronten einteilen: revolutionäre Muslime und nichtrevolutionäre und diejenigen, die in der Widerstandsfront gegen Tyrannen und Unterdrücker stehen, gehören unabhängig von ihrer Religion und Konfession zur Front der Wahrheit und der Revolution.
Hier geht es nicht um Schiiten und Sunniten und die Islamische Revolution räumte Schiiten und Sunniten beiseite und schuf zwei Fronten: die Feiglinge und Ängstlichen gegenüber den Feinden Gottes und die mutigen Revolutionäre und wir sahen dies in der Schule des Märtyrer-Oberhaupts und auch beim Arba'een-Fußmarsch müssen wir diese Botschaft mit einer deutlicheren Sprache neu verkünden.
In diesem Jahr muss der Arba'een-Fußmarsch, so wie es bei der Beisetzung unseres verehrten Oberhaupts gezeigt wurde und wie Millionen Menschen in Karbala und Nadschaf an den Zeremonien teilnahmen, noch großartiger als in den Vorjahren die Manifestation dieses Ansatzes und der Einheit der Widerstandsfront sein. Dieses Ereignis der großartigen Beisetzung darf man freilich nicht auf Iran und Irak beschränken; wenn in Pakistan, Kaschmir, Afghanistan, Ägypten, Medina und Mekka und einigen anderen Orten der Welt ebenfalls die Bedingungen gegeben gewesen wären, hätten sich dieselben Epen ereignet. Heute standen die Muslime auf; die Gemeinschaften standen auf und so Gott will wird genau dies die Front der Arroganz mehr als zuvor herausfordern. Allerdings hat der Islam neben dem sozialen Ansatz auch individuelle Bindungen und Gottesdienste und unser Gebet, unser Fasten und unsere Koranrezitation usw. verleihen der islamischen Gemeinschaft lichtvolle Energie; daher müssen wir zur Zeit des Gemeinschaftsgebets die Moscheen mit Menschen füllen.
Heute müssen auch unsere Plätze in den verschiedenen Städten gefüllt werden und müssen die Arba'een-Reise verkürzen, damit wir sowohl ein großartiges Arba'een haben als auch Karbala und ein großartiges Arba'een die Macht der revolutionären islamischen Gemeinschaft den Menschen der Welt, besonders den Arroganten, wie schon zuvor erneut vor Augen führen.
4366113