Paris (IQNA)- Die Entscheidung Frankreichs, muslimischen Mädchen das Tragen von Abayas in öffentlichen Schulen zu verbieten, führte dazu, dass sie ihre Ausbildung mit Angst und Sorge fortsetzen. Diese Aktion der französischen Regierung rieft bei Menschenrechtsorganisationen und Muslimen auf der ganzen Welt weit verbreitete Verurteilung hervor.

Laut IQNA unter Berufung auf The New Arab befasste sich diese Website in einem Bericht durch die Feder von Tasnim Nazeer, einem Journalisten, Autor und Botschafter der World Peace Federation mit dem Verbot der Abaya in französischen Schulen.
In diesem Bericht heißt es: Letztem Monat gab die französische Regierung bekannt, dass das Tragen der Abaya (eines langen Umhangs, der von muslimischen Frauen getragen wird) in öffentlichen Schulen verboten ist und behauptet, dass das Tragen dieser Art von Schleier gegen die Gesetze des Säkularismus (Trennung Religion und Politik) verstößt und die Bildungsumgebungen mit Füßen tritt.
Der französische Minister für Bildung und Jugend, Gabriel Atal, sagte gegenüber dem lokalen Fernsehsender TVF1: „Wir haben beschlossen, dass Schüler in Schulen keine Abayas mehr tragen werden.“
Atal behauptete in diesem Interview, dass er der Meinung sei dass die Religion der Menschen nicht erkennbar sein sollte.
Amira, eine 15-jährige Studentin aus Lyon im Südwesten Frankreichs sagt jedoch, dass sie immer noch ihren Abaya trägt.
Amira erzählt The New Arab: Das ist Teil meiner Identität. Der Abaya ist ein Teil von mir und ich habe Angst, dass er mir gewaltsam entfernt wird, sodass ich nicht lernen kann, aber bin entschlossen, ihn nicht aufzugeben. Ich durchlebe gerade ein kritisches akademisches Jahr, in dem ich Prüfungen absolviere und das (Abaya-Verbot) macht mir im Moment zu schaffen.
Diese Schülerin fügte hinzu: „Ich mache mir Sorgen und habe Angst zur Schule zu gehen, weil ich nicht weiß, ob die Schulbehörden mich daran hindern werden oder nicht und welche Konsequenzen es haben wird wenn ich weiterhin den Abaya trage.“
Dutzende Schülerinnen wurden nach Hause geschickt, weil sie Abayas trugen
Amira ist nicht allein, denn zu Beginn des neuen Schuljahres am vergangenen Montag wurden Dutzende Mädchen nach Hause geschickt, die den Abaya trugen. Offiziellen Statistiken zufolge besuchten 298 muslimische Mädchen, meist 15 Jahre und älter die Schule mit Abayas und 67 von ihnen wurden nach Hause geschickt, nachdem sie sich weigerten, ihn für den Schulbesuch auszuziehen.
Amira sagt wütend: „Wenn das am Säkularismus liegt, sollten wir dann nicht alle das Grundrecht haben unsere Kleidung zu wählen? Einige meiner Freunde, die Abayas tragen sind sehr verärgert, manche haben sogar das Gefühl das Land verlassen zu müssen.
Amira sagt: Nicht alle sind mit dem Abaya-Verbot einverstanden, einige meiner Freunde sind wütend auf andere Religionen, sie fragen mich was falsch daran ist, lange Kleidung zu tragen? Ich habe das Gefühl, dass es auch von ihnen Unterstützung gibt.
Eine Organisation, die Muslime vertritt stellte bei der höchsten Justizbehörde Frankreichs einen formellen Antrag um sich über das Vorgehen der Regierung zu beschweren. Die Petition zielt darauf ab das Abaya-Verbot anzufechten und eine von «Action for Muslim Rights (ADM)» eingereichte Beschwerde ist derzeit anhängig.
Laura ist Mutter von drei Töchtern und verschleiert. Sie hat das Gefühl, dass die jüngsten Maßnahmen der französischen Regierung für junge Menschen wie ihre Töchter schädlich sein könnten.
Er sagte gegenüber The New Arab: Wir alle wissen, dass Islamophobie in Frankreich ein ernstes Problem darstellt. Zuerst gab es das Kopftuch-Verbot, dann das Burka-Verbot und jetzt die Abaya. Die Regierung agiert unter dem Deckmantel des Säkularismus, was jedoch in Wirklichkeit eine weitere Spaltung und Isolation junger muslimischer Mädchen bedeutet.
Abaya-Verbot und Erlaubnis Muslime in Schulen zu schikanieren
Auch die Vereinten Nationen kritisierten die Entscheidung Frankreichs den Abaya zu verbieten und erklärten, dass nach internationalen Menschenrechtsstandards Einschränkungen bei der Äußerung von Religion oder Weltanschauung, einschließlich der Wahl der Kleidung nur in sehr begrenzten Fällen etwa bei Gefährdung der Ordnung, Gesundheit, Moral oder öffentliche Sicherheit verhängt werden dürften.
Laura glaubt, dass weltweit mehr Organisationen und Rechtsgruppen ihre Stimme erheben müssen. „Meine Tochter weinte, nachdem sie gehänselt, wurde weil sie in der Schule eine Abaya trug und diese Art von Mobbing wird durch die Unterdrückung der Muslime in Frankreich durch die Regierung und ihre Sorge darum wie wir [muslimische Frauen] uns kleiden noch verstärkt“, sagt sie.
Fatima, Mutter einer Tochter im Teenageralter und zweier Söhne, die in Paris lebt, geht es genauso wie Laura.
Fatema sagte: Es ist eine schwierige Zeit für uns. Meine Tochter trägt einen Abaya und dieses Verbot bereitet ihr Probleme und Ängste. Viele junge muslimische Mädchen haben damit zu kämpfen weil sie einerseits die Regeln befolgen wollen andererseits, aber wenn die Regeln so diskriminierend sind das Gefühl haben, dass die Verbote grundlegende Menschenrechte verletzen.
Der französische Bildungsminister Gabriel Attal schickte ein Schreiben an die Familien der Mädchen, die sich weigerten, den Abaya abzunehmen und erklärte, dass Säkularismus keine Einschränkung sondern eine Freiheit sei.
Fatema fährt fort: Wenn das keine Einschränkung der Menschenrechte ist, weiß ich nicht, was das ist. Meine Tochter kann ihr Studium nicht wegen Abayya abbrechen, aber das ist die traurige Realität, mit der wir konfrontiert sind. Ich hoffe, dass die Regierung diese Entscheidung aufhebt. Ich weiß, dass Aktivisten jetzt mehr darüber reden, aber niemand weiß, was in Zukunft passieren wird.
4167663