
IQNA: Man kann sagen, dass die Übersetzung des Heiligen Korans eine eigenständige Wissenschaft mit ihren eigenen Regeln und Prinzipien ist. Dies erfordert, dass der Übersetzer ehrlich, vertrauenswürdig und im Besitz umfassender Kenntnisse von mindestens zwei Sprachen (Ausgangssprache und Zielsprache) ist. Außerdem muss der Übersetzer mit anderen Sprachen und deren verwandten Disziplinen vertraut sein, damit er durch Vergleich seiner Arbeit mit anderen Übersetzungen von ihnen profitieren kann. (Quelle: Dem Abbasiden-Heiligtum (Al-Abbas Holy Shrine) angeschlossenen Islamischen Zentrum für strategische Studien)
Der Übersetzer muss bei der Übersetzung des Heiligen Korans mit Koranswissenschaften und Überlieferungen vertraut sein sowie einen ständigen Kontakt zu Religionsgelehrten verschiedener Rechtsschulen pflegen und sich mit ihnen beraten. Zudem ist der Übersetzer verpflichtet sich der Fehler in vergangenen Übersetzungen vollkommen bewusst zu sein, um deren Wiederholung zu vermeiden.
Heute sind die meisten Studien in den Koranwissenschaften in Russland stark von orientalistischen Traditionen beeinflusst; Bildungs- und Propagierungsaktivitäten muslimischer Forscher zwingen die Orientalisten sich auf Überlieferungen und historische Texte zu konzentrieren und manchmal auf unvollständige Koranexegesen zu verzichten. Diese Übersetzungen fanden unter russischsprachigen muslimischen Gemeinschaften, die bestrebt waren die Bedeutungen der Koranworte zu verstehen, eine beachtliche Akzeptanz.
Die erste Übersetzung des Heiligen Korans ins Russische wurde von der Professorin für russische Sprache am Fachbereich slawische Sprachen an der Fakultät für Sprachen der Ain-Shams-Universität in Kairo Dr. Somaya Afifi durchgeführt. Sie begann diese Übersetzung im Jahr 1995 und vollendete sie im Jahr 2000 unter Aufsicht eines Komitees der Al-Azhar. Diese Übersetzung stieß auf ein gutes Echo bei russischsprachigen Muslimen, die bestrebt waren die Bedeutungen des Heiligen Korans zu verstehen.
Die russische Sprache ist eine der lebendigen Sprachen der Welt in die der Heilige Koran übersetzt wurde. Die Entwicklung der Phasen der Übersetzung des Heiligen Korans ins Russische war mit Entwicklung der Phasen der russischen Orientalistik verbunden. Die Religion des Islam und Muslime spielten eine große und wichtige Rolle in der Geschichte Russlands.
Den Beginn der russischen Orientalistik kann man der Regierungszeit Peters des Großen und Katharinas der Großen zuschreiben, die den Beginn eines echten Interesses an der arabischen Kultur erlebten.
In dieser Epoche wurde die arabische Sprache neben Französisch, Englisch und Deutsch als eine der Hauptsprachen Russlands aufgenommen. Dies geschah im ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts, zur Zeit der Regierungszeit Peters des Großen (1725 n. Chr.), dessen Herrschaft Reformen und grundlegende Schritte erlebte und einen beachtlichen Einfluss auf die Zukunft Russlands und dessen Wiederaufbau hatte.
Historische Quellen zeigen, dass ein ganzes Jahrhundert nach Aufkommen der russischen Fürstentümer in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts nach Christus dieser neue Staat begann nach einer Religion unter monotheistischen Religionen zu suchen.

Prinz Wladimir bat darum, dass Könige und Prinzen mehrerer Länder Gesandte zu ihm schickten, um ihn über ihre Religionen zu informieren, damit er und andere russische Prinzen mit dem Ziel größerer Einheit und Stärkung der Legitimität ihrer Herrschaft eine dieser Religionen als offizielle Staatsreligion auswählen konnten.
Die Russen und Ostslawen kannten die Grundprinzipien dieser Religionen und hatten ständigen Kontakt zu den jüdischen Khasaren und waren außerdem mit den Prinzipien des orthodoxen Christentums in Byzanz und des Katholizismus unter ihren westlichen Nachbarn vertraut.
Die Russen hatten auch einige der Lehren des Islam kennengelernt und durch muslimische Bulgaren, die in den Gebieten entlang des Wolga-Flusses (dem heutigen Tatarstan) lebten, Dinge über ein Buch namens Koran gehört.
Das Interesse an orientalistischen Studien in Russland nahm seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Christus zu. Zu jener Zeit richteten mehrere russische Universitäten, darunter die Universität Kasan, die Staatliche Universität Moskau, die Universität Sankt Petersburg und das Lasarew-Institut, Arabischkurse ein. Verschiedene russische Regierungen förderten zudem das Studium des arabisch-islamischen Erbes, insbesondere des Erbes das sich auf muslimisch besiedelte Gebiete unter russischer Kontrolle bezog, um das Wissen der muslimischen Bevölkerung zu erweitern.
Das formelle Studium der arabisch-islamischen Orientalistik begann in der Regierungszeit Peters des Großen und die erste Übersetzung des Heiligen Korans ins Russische wurde im Jahr 1716 n. Chr. fertiggestellt. Diese Übersetzung wurde von Dr. Peter Postnikov anhand der französischen Koranübersetzung angefertigt, die vom französischen Orientalisten Du Ryer im Jahr 1643 durchgeführt worden war.
Die erste direkte Koranübersetzung aus dem Arabischen ins Russische erfolgte jedoch im Jahr 1878 n. Chr. durch Sablukow (1854–1880 n. Chr.), der die arabische Sprache beherrschte. Diese Übersetzung wurde von 1879 bis 1898 n. Chr. mehrmals nachgedruckt.
Der Arabist Muchlinski (1808–1877 n. Chr.) übersetzte ebenfalls den Koran in die belarussische und polnische Sprache für die muslimischen Tataren, die in den Regionen Belarus, Polen und Litauen lebten.
Im Jahr 1778 n. Chr. wurde die arabische Schrift in den russischen Druckereien weitgehend eingeführt. Im selben Jahr wurde der Heilige Koran in der Hauptstadt Russlands Sankt Petersburg in schöner arabischer Schrift gedruckt.
Der Heilige Koran wurde zwischen den Jahren 1789 und 1798 n. Chr. mehrmals in arabischer Schrift nachgedruckt und es ist erwähnenswert, dass dies später eine wichtige Rolle bei den islamischen Veröffentlichungen in Kasan spielte, die im Jahr 1802 n. Chr. gegründet wurden. Während des neunzehnten Jahrhunderts n. Chr. wurden zudem zehntausende Koranexemplare und eine große Anzahl islamischer Werke von diesen Verlagen gedruckt.
Zu jener Zeit wurden zwei Koranübersetzungen ins Russische, die aus dem Französischen und Englischen stammten, gedruckt und veröffentlicht. Die erste Übersetzung wurde von Werjowkin im Jahr 1790 n. Chr. anhand der alten französischen Übersetzung von „Du Ryer“ und die zweite im Jahr 1792 n. Chr. anhand der englischen Übersetzung von „Kolmakow“ angefertigt. Diese beiden Übersetzungen hatten im Vergleich zu vergangenen Übersetzungen ein gutes Niveau.
Eine dieser beiden Übersetzungen inspirierte später den berühmten russischen Dichter Puschkin, der sie adaptierte, um seine berühmten Gedichte zu verfassen und 33 Suren des Korans in diesen Gedichten verwendete. Dieser russische Dichter gestand ein: „Der Koran das erste religiöse Buch ist, das meinen Verstand in Erstaunen versetzte.“
Puschkin war sehr erfolgreich darin ein genaues Bild philosophischer und religiöser Konzepte in seinen Gedichten darzustellen. Diese Gedichte wurden zum ersten Mal in der russischen Literatur zum Schlüssel für das richtige Verständnis des Heiligen Korans und trugen in sehr hohem Maße dazu bei das Interesse am Heiligen Koran innerhalb der russischen Gesellschaft fortzuführen.
Das Interesse des großen russischen Dichters Puschkin am Islam und dem Heiligen Koran entsprang nicht einem Vakuum oder Fantasterei; vielmehr war es die Frucht seines tiefen Studiums der Geschichte, Zivilisation, literarischen und koranischen Werke der Araber sowie Wurzeln des Islam.
Die Übersetzung war eine der wichtigsten Kommunikationsbrücken in der russischen Orientalistik und die Übersetzung der Konzepte des Heiligen Korans hatte einen herausragenden Stellenwert unter den russischen Übersetzungen. Die frühen Koranübersetzungen erfolgten über europäische Vermittlersprachen. Nach einiger Zeit infolge Vermittlung von Arabisch an russische Übersetzer wurde auch die Übersetzung der Konzepte des Korans aus dem Arabischen ins Russische möglich. Daher wurde der Heilige Koran zu einem entscheidenden Faktor für das Verständnis der Beziehungen zwischen Russland und der islamischen Welt.
Der berühmte russische Orientalist Kratschkowski (1883–1951 n. Chr.), dessen Name in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts n. Chr. in Russland sehr glänzte, unternahm viele Anstrengungen im Bereich der Ausbildung und wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Orientalistik und seine Werke unterscheiden sich von anderen Büchern aufgrund seiner Unparteilichkeit und Fairness bei Darstellung des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) Gottes und des Heiligen Korans.
Kratschkowski spiegelte das Bild des zeitgenössischen Orients mit formellem, religiösem und persönlichem Interesse an der Literatur und Kultur des Orients wider.
Im Jahr 1859 n. Chr. wurde sein Buch mit dem Titel „Vollständiges Verzeichnis des Korans oder Einleitung zu seinen Wörtern und Ausdrücken“ veröffentlicht. Dieses Buch ist ein Leitfaden für das Studium der religiösen, scharia-rechtlichen, historischen und literarischen Prinzipien des Heiligen Korans. Einer der Mängel dieses Buches ist jedoch, dass es sich nicht auf den Text des Heiligen Korans stützte, sondern dem Korpus des deutschen Orientalisten „Gustav Flügel“ vertraute.
Im Jahr 1864 n. Chr. übernahm der russische Übersetzer „Nikolajew“ die Aufsicht über eine Übersetzung der Koranonzepte, die aus der französischen Übersetzung von Kasimirski de Biberstein stammte. Die Übersetzung von Nikolajew wurde fünfmal in Moskau nachgedruckt und im Jahr 2001 zudem vom Verlag „Albor Classics“ erneut gedruckt.
Einige Kritiker kritisierten den unangemessenen Zustand der Übersetzungen, besonders wenn wir sehen, dass es keinen allgemeinen gemeinsamen Nenner zwischen den Übersetzungsstandards gibt.
Viele Experten und russische Orientalisten ktitisierten die Übersetzung der Konze[te des Korans durch Sablukow. Krimski wies in seinem Buch „Geschichte des Islam“ darauf hin, dass Sablukows Übersetzung eine wortwörtliche und tote Übersetzung sei und man sie in vielen Fällen nicht verstehen könne, außer durch Rückgriff auf das arabische Original. Darüber hinaus enthält diese Übersetzung unbestreitbare Fehler.
Trotz dieser Mängel erfüllte Sablukows Übersetzung über ein Jahrhundert lang die Bedürfnisse vieler Muslime in Russland und gilt als eine der wichtigsten Quellen über den Islam.
Sablukow veröffentlichte im Jahr 1879 n. Chr. weitere Werke seiner Übersetzung und veröffentlichte danach im Jahr 1884 n. Chr. zwei Artikel mit dem Titel „Informationen über den Heiligen Koran“. Er veröffentlichte zudem im Jahr 1873 n. Chr. einen Artikel mit dem Titel „Vergleich der schönen Namen Gottes im Islam und Christentum“.
Die letzte Übersetzung, die aus einerd dritten Sprache erfolgte, war die Übersetzung von Nikolajew. Danach begannen russische Arabisten mit der direkten Übersetzung aus dem Koran. In diesem Zusammenhang wurden zwei Übersetzungen fast gleichzeitig angefertigt: Die erste Übersetzung stammte von General D. N. Jugoslawski im Jahr 1871 n. Chr., dessen Ausbildung im Bereich der Arabistik an der Universität Sankt Petersburg stattfand und der jahrelang als Übersetzer an der russischen Botschaft in Istanbul arbeitete.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts n. Chr. veröffentlichte der ukrainische Forscher Krimski eine Übersetzung einiger Suren des Korans zusammen mit deren Exegese. Er vollendete sein Projekt jedoch nicht.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nahm das Bestreben den Koran zu übersetzen, insbesondere innerhalb der ehemaligen Sowjetrepubliken in beachtlichem Maße zu.
Abschließend muss gesagt werden, dass der Heilige Koran aufgrund des tiefgreifenden Wandels, den er in arabischen und islamischen Gesellschaften bewirkte, sowie der Lebendigkeit und Dynamik, die er den menschlichen Zivilisationen verlieh, weiterhin ein Grund zum Staunen für die Menschen im Westen war, sowohl für Arabisten als auch für Orientalisten. Sie studierten dieses Buch des Himmels mit Ausdauer und untersuchten dessen Texte genauestens. Infolgedessen verbreiteten sich orientalistische Koranstudien in akademischen Kreisen.
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