
IQNA: Bei einer Veranstaltung im Jahr 2023 mit dem Titel „Night of Tribute [Israel]“, die von der Organisation „Christians United for [Israel]“ (CUFI) veranstaltet wurde, beteten eine überwiegend aus evangelikalen Christen bestehende Menge während sie amerikanische und zionistische Flaggen in den Händen hielten. (Quelle: Non Post)
In einer solchen Atmosphäre erhalten die Worte des dem Premierminister der zionistischen Entität Benjamin Netanjahu bei einem Treffen mit einer Gruppe amerikanischer Influencer im Konsulat der zionistischen Entität in New York (September 2025) eine Bedeutung, die über eine gewöhnliche Aussage hinausgeht.
Er sagte: Soziale Medien sind die Waffen des neuen Zeitalters. Der wichtigste Kauf, der derzeit im Gange ist, ist an erster Stelle TikTok. Ich hoffe, dieser Deal kommt zustande, denn er könnte schicksalhaft sein. Zweitens ist es X. Wenn wir diese beiden kontrollieren, werden wir einen großen Erfolg haben. Wir müssen in die Schlacht eintreten, um die Gedanken unseres jüdischen Volkes und unserer nicht-jüdischen Freunde zu lenken.
Diese Äußerungen sind ein offenes Eingeständnis der Natur einer Schlacht, die nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld geführt wird, sondern auf dem Feld des öffentlichen Bewusstseins und insbesondere im digitalen Raum entschieden wird; wo Bilder, Videos und Informationen offizielle Narrative herausforderten.
Wenn Netanjahu soziale Medien als Waffe bezeichnet und sie mit der Logik des Kaufs und Kontrolle betrachtet, um ihr Eigentum oder ihren Einfluss zu erlangen, legt er in Wirklichkeit das Ausmaß der tiefen Besorgnis Israels über den Verlust der Kontrolle über die öffentliche Meinung, insbesondere in den USA, offen.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs bildete sich eine tiefe Kluft zwischen der zionistischen Entität und der öffentlichen Meinung der USA. Die Bilder von Massakern, Belagerung und Hunger in Gaza, die ungefiltert in sozialen Medien verbreitet wurden, schwächten die Fähigkeit Tel Avivs erheblich sich als „ständiges Opfer“ darzustellen.
Das Ergebnis dieses Trends war ein beispielloser Einbruch der öffentlichen Unterstützung für das israelische Regime in USA und Europa. Laut einer Umfrage des Pew Research Centers im September 2025 haben mehr als 53 % der Amerikaner eine negative Sicht auf das Regime! Eine Zahl, die im Jahr 2022, also vor dem Gaza-Krieg, bei 42 % lag.
Eine Umfrage des Gallup-Instituts zeigte auch, dass etwa 60 % der US-Amerikaner gegen die militärischen Operationen der Zionisten in Gaza sind, während nur 32 % sie unterstützen.
Diese Veränderungen sind nicht nur auf Demokraten beschränkt! Selbst bei Republikanern unter 50 Jahren entstand eine ernsthafte Kluft in der Unterstützung für die zionistische Entität und junge Anhänger der MAGA-Bewegung zeigen nicht mehr die gleiche traditionelle Unterstützung wie früher.
Angesichts dieses Wandels kam das israelische Regime zu dem Schluss, dass die traditionellen Werkzeuge der „Hasbara“ (PR-Bemühungen des Regimes positive Informationen über Zionisten zu verbreiten) nicht mehr effektiv sind. Daher begann es ein umfangreiches Projekt zur Neugestaltung seines Narrativs in den USA, das auf drei Hauptachsen basiert: soziale Medien, künstliche Intelligenz und Infiltration in sozio-religiöse Strukturen.
Der erste Schritt in diesem Wettbewerb war der Abschluss von Verträgen mit großen amerikanischen und europäischen PR-Firmen, von denen die auffälligste Vereinbarung die von Tel Aviv mit dem Unternehmen „Clock Tower X“ ist; ein Unternehmen das von Brad Parscale, dem ehemaligen Leiter der digitalen Kampagne von Donald Trump bei den Wahlen 2016 und 2020, geleitet wird und gleichzeitig die Position des Chief Strategic Officer im christlich-konservativen Mediennetzwerk „Salem Media“ innehat; ein Netzwerk, das über 200 Medienplattformen verwaltet.
Gemäß dieser Vereinbarung verpflichtete sich das Unternehmen „strategische Kommunikationsdienstleistungen“ mit besonderem Schwerpunkt auf Ansprache junger Generationen über digitale Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube und Podcasts anzubieten. Das Ziel dieser Strategie ist es monatlich mindestens 50 Millionen Aufrufe mit Inhalten zu erreichen, die ein unterstützendes Narrativ für die zionistische Entität widerspiegeln.
Gemäß den registrierten Dokumenten wurde mit diesem Unternehmen ein Vertrag über einen Wert von etwa 6 Millionen US-Dollar für eine Laufzeit von vier Monaten abgeschlossen, um eine umfangreiche Kampagne mit dem Titel „Kampf gegen Antisemitismus“ in den USA durchzuführen; eine Kampagne, die im Rahmen der Unterstützung und Koordination mit der Rolle des „Havas Media Network“, eines globalen Giganten in Werbung und PR, durchgeführt wird.
Das Havas-Netzwerk fungiert in diesem Zusammenhang als wichtigster Vermittler zwischen Tel Aviv und einer Reihe US-Unternehmen; so dass es Verträge mit den ausführenden Unternehmen unterzeichnet und die Durchführung von Werbe- und Medienkampagnen Israels im Auftrag der Besatzungsmacht übernimmt.

Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist der Versuch die Ergebnisse von Suchmaschinen und generativen KI-Systemen, einschließlich Chatbots wie ChatGPT zu beeinflussen so dass Antworten im Zusammenhang mit Gaza und dem Krieg mit Vokabeln gestaltet werden, die das besetzende Regime unterstützen, wie „Selbstverteidigung“, „Kampf gegen Terrorismus“ und „humanitäre Hilfe“.
Zu diesem Zweck wurden Dutzende Millionen Dollar für gezielte Werbung auf Google, YouTube, X und Content-Verteilungsnetzwerken ausgegeben. Diese Maßnahmen sind Teil eines größeren Projekts mit dem Titel „Projekt 545“, dessen Budget im Jahr 2025 auf über 545 Millionen Schekel anstieg.
Der Hauptfokus der israelischen Kampagnen liegt auf der Generation Z; einer Generation, die am stärksten in sozialen Medien präsent ist und die größte Empathie für die Palästinenser zeigt. Kurze, emotionale und informelle Inhalte werden für diese Gruppe von Influencern und nicht von offiziellen Konten produziert.
Diese Kampagnen werden in einem Umfeld durchgeführt in dem die öffentliche Unterstützung für die zionistische Entität unter US-amerikanischen Jugendlichen deutlich zurückging. Daten zeigen, dass jüngere Generationen im Vergleich zu älteren Generationen ein wesentlich geringeres Maß an traditioneller Unterstützung für das israelische Regime zeigen. Dieser Trend wurde auch in Umfragen des Gallup-Instituts bestätigt; diesen Umfragen zufolge fiel die Unterstützung für die militärischen Operationen des israelischen Regimes in Gaza in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen auf weniger als 10 %; diese Zahl deutet auf eine deutliche Veränderung der Gefühle und Einstellungen der jungen Generation im Vergleich zu früheren Generationen hin.

Neben dem Fokus auf die junge Generation versuchte die zionistische Entität ihre traditionelle Basis, die evangelikalen Christen, zu erhalten. Diese Gruppe gilt immer noch als eine der wichtigsten Stützen der Unterstützung für das besetzende Regime, steht aber selbst mit inneren Veränderungen und zunehmendem generationsbedingtem Druck konfrontiert. Gerade diese Entwicklungen führten dazu, dass sich die Aktivitäten des israelischen Regimes direkt auf die evangelikalen Kirchen ausweiteten; ein Versuch den Rückgang der Unterstützung in dieser einflussreichen christlichen Basis einzudämmen.
Offizielle Dokumente zeigen, dass mehrfache Millionendollar-Verträge mit christlichen Werbeunternehmen abgeschlossen wurden, die direkt evangelikale Kirchen und christliche Universitäten ins Visier nehmen, um das besetzende israelische Regime als ewiges Opfer darzustellen und Palästinenser mit Extremismus und Terrorismus in Verbindung zu bringen.
In einigen Fällen wurden sogar organisierte Reisen für US-amerikanische Pastoren und christliche Oberhäupte in die besetzten Gebiete arrangiert, damit das gewünschte Narrativ Tel Avivs direkt von den Kanzeln der Kirchen reproduziert wird.
In diesem Rahmen ist die zionistische Entität nicht nur darauf aus, das Mitgefühl der evangelikalen Christen zu gewinnen; sie verfolgt ein höheres Ziel: die Kirche selbst in eine Plattform für politische Propaganda und die Pastoren in Agenten eines Israel-freundlichen Narrativs zu verwandeln, die innerhalb einer relativ geschlossenen sozialen Umgebung agieren; einem Raum in dem es schwierig ist alternative Narrative zu infiltrieren.
Trotz der Ausweitung der Propaganda und enormen Kosten dieser Operation bleibt die grundlegende Frage bestehen: Können derart kostspielige und organisierte Anstrengungen ausreichen um das beschädigte Image der zionistischen Entität in der amerikanischen öffentlichen Meinung wiederherzustellen und reinzuwaschen?
Während die Besatzungsmacht in die öffentliche Meinung investierte, könnten diese Kampagnen aufgrund der Berichte der Vereinten Nationen, der Menschenrechtsdokumente und der dokumentierten Zeugnisse, die schwer zu löschen oder zu ignorieren sind, letztendlich in einem kritischen Moment gegen denselben Akteur wirken, der versucht sie in seinen Dienst zu stellen.
Die Realität ist, dass der Gaza-Krieg nicht durch Verlautbarungen, sondern live und in Bildern vor den Augen der Welt erzählt wurde und die junge Generation, die das Hauptziel dieser Kampagnen ist, ist dieselbe Generation die die Fähigkeit hat Widersprüche aufzudecken und sich der Narrative-Engineering zu widersetzen.
Auf einer tieferen Ebene legt diese ganze Reihe kostspieliger Anstrengungen eine strukturelle Krise offen! Ein Israel, das jahrzehntelang auf die kostenlose Unterstützung evangelikaler Christen angewiesen war ist heute gezwungen Millionen von Dollar auszugeben, um ein Publikum zu überzeugen, das einst als garantiert galt. Diese Veränderung ist kein Zeichen für wachsenden Einfluss, sondern zeigt die Angst vor dem Zusammenbruch einer der Hauptsäulen ihrer politischen Unterstützung in den USA. Wenn die Legitimität einmal verloren ist, kann sie weder durch Propaganda gekauft, noch durch Algorithmen zurückgebracht oder durch künstliche Intelligenz repariert werden.
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