IQNA

0:18 - March 30, 2019
Nachrichten-ID: 3001009
Das erste Mal erstellt ein Papst Regeln für den Vatikanstaat im Kampf gegen Missbrauch.

Papst Franziskus steht unter Druck. Wegen schwerwiegender Missbrauchsskandale in mehreren Ländern wird erwartet, dass er seinen klaren Worten auch Taten folgen lässt. Erstmals stellte mit Franziskus nun ein Papst umfassende Regeln für den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch für den Vatikanstaat auf.

Der Vatikan veröffentlichte dazu am Freitag insgesamt drei von Papst Franziskus unterzeichnete Dokumente – einen Erlass, ein Gesetz und einen Richtlinienkatalog. Unter anderem legt Franziskus fest, dass im Vatikan vom Sommer an bereits der Verdacht auf Missbrauchsfälle unverzüglich angezeigt werden muss. Zudem sollten verurteilte Täter von ihren Posten entfernt werden, hieß es.

Die Maßnahmen waren nach der historischen Antimissbrauchskonferenz im Vatikan Ende Februar in Aussicht gestellt worden und sollen am 1. Juni in Kraft treten. Auch wenn die Regelungen nur den Kirchenstaat betreffen, sendet Franziskus damit ein Signal – schließlich ist der Vatikan das Machtzentrum der katholischen Kirche.

„Wir haben alle ... die Pflicht, Minderjährige und schutzbedürftige Personen mit Selbstlosigkeit aufzunehmen und für sie ein sicheres Umfeld zu schaffen“, erklärte das Katholikenoberhaupt in dem päpstlichen Erlass („Motu proprio“). Der Schutz von Kindern sei „wesentlicher Bestandteil“ der Botschaft des Evangeliums.
Pflicht, Verdacht auf Missbrauch unverzüglich anzuzeigen

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ begrüßte die neuen Antimissbrauchsregeln. „Auf dem Missbrauchsgipfel waren konkrete Schritte versprochen worden. Es ist ein gutes Zeichen, dass jetzt etwas folgt“, sagte Sprecher Christian Weisner in Würzburg. Es seien aber noch weitere Schritte nötig. „Auf dem Krisengipfel in Rom ist deutlich geworden, dass längst noch nicht alle Länder und Bischöfe aufgewacht sind.“

Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht und in vielen Ländern kleingeredet oder vertuscht – auch in Deutschland. In einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie waren beispielsweise etliche Missbrauchsfälle dokumentiert worden.

 

https://www.welt.de/politik/ausland/article191029027/Missbrauch-in-Kirche-Papst-stellt-erstmals-Regeln-fuer-Vatikan-auf.html

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