
IQNA: Inmitten der Nachkriegstage Gazas während im Schatten der Waffenruhe immer noch die Geräusche von Bombardierungen und Mörsergranaten zu hören sind, wurde das offenbarte Licht des Korans und sein himmlischer Klang zu einem Balsam für die unzähligen Schmerzen der Bewohner Gazas. (Quelle: Palestine News)
Einer der Verantwortlichen des Dar al-Quran in Gaza Abu Sha'ban spricht über eine Initiative, die er „Phase der Wiederbelebung des Korans“ nennt; eine Anstrengung bei der die Verantwortlichen schnell handelten, um Gebetsräume und provisorische Zelte in der Nähe der zerstörten Moscheen zu errichten. Diese temporären Bauten wurden nicht nur zu Orten des Gottesdienstes, sondern auch Zufluchtsstätten für den Wissenserwerb und Koranmemorierung (Hifz).
Laut Abu Sha'ban wurden neben diesen Bemühungen strenge Sicherheits- und Bildungsstandards entwickelt, damit die Koran-Memorierungszirkel (Halaqat) selbst inmitten von Unsicherheit und Vertreibung weitergeführt werden konnten. Er verweist auf die schwierigen Bedingungen vor Ort und sagt: Wir sind mit einem schweren Mangel an Koran-Exemplaren, Beleuchtung und einer ruhigen Umgebung konfrontiert, aber anstatt die Dunkelheit zu verfluchen setzen wir Kreativität an die Stelle der Mängel; wir leihen uns Korane von den Menschen, halten die Sitzungen tagsüber ab um das Tageslicht zu nutzen und das Licht des Korans in die Herzen scheinen zu lassen. Hier wird das Lernen auf mehrere Schichten verteilt damit alle einen Anteil an diesem Licht haben.
Auch der Mangel an Lehrkräften für Koranmemorierung hinderte die Bildung von Lernzirkeln nicht. Die Kräfte der Koran-Gedächtnisträger (Hafiz) wurden auf verschiedene Gebiete verteilt, Freiwillige kamen hinzu und junge Assistenten wurden ausgebildet. Ihm zufolge: Diese Aufgabe steht über jeder Schwierigkeit; denn wir bewahren die VerseGottes, nicht nur in Büchern, sondern in der Seele der Generationen.
Schutzschild für müde Herzen
**Abu Sha'ban** beschreibt die Koran-Zirkel als "Schutzschild für müde Herzen" und sagt: "Hier finden vertriebene Kinder wieder eine Ordnung in ihrem Alltag, sie werden ruhig und lernen Lektionen in Geduld und Aufopferung. Diese Sitzungen sind Balsam für die Wunden der Vertreibung." Ihm zufolge "ist der Koran vor allem eine Gabe für die Ruhe der Seele und der Psyche der Menschen."
Nun, mit der Herstellung einer vorübergehenden Waffenruhe, ergab sich eine neue Szene. Abu Sha'ban verglich diese Situation mit einem menschlichen Tsunami, der auf die Koran-Memorierungszelte zustürzte: Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen suchten Zuflucht in den provisorischen Gebetsräumen; als ob sie durstig nach einer Rückkehr zur Spiritualität wären, durstig danach die Monate wettzumachen in denen im Lärm der Auseinandersetzungen die Stimme des Gebetsrufs (Adhan) und Koranrezitation verstummt war.
Die Gebetszelte sind gefüllt mit Anwesenden. Vom Morgengebet (Fadschr) bis zum Sonnenuntergang werden die Koran-Memorierungszirkel in mehreren Schichten fortgesetzt um den Wissensdurst zu stillen.
Abu Sha'ban sagt: Wenn du ein barfüßiges Kind siehst das von der Wasserschlange zurückkommt, aber seinen Koran im Arm hält begreifst du, dass wir die Schlacht des Bewusstseins gewannen. Diese Zelte sind jetzt ein Zentrum für das Aufblühen der Gesellschaftsseele; ein Ort an dem Zusammenhalt, Mitgefühl und Hoffnung sich der Zerstörung entgegenstellen.
Ein Fahrplan für morgen
Das Dar al-Quran wa as-Sunna in Gaza durchläuft nun eine neue Phase. Abu Sha'ban sagt: Im ersten Schritt wiederholen die Koranschüler die gelernten Verse und festigen das Memorierte. Dann planten wir zeitgleich mit dem gesegneten Monat Ramadan Zusammenkünfte für die Rezitation von Teilen (Juz') geplant, um den gesamten Koran in Anwesenheit von begabten jugendlichen Rezitatoren zu rezitieren. Danach beginnt die Festigungsphase mit Schwerpunkt auf Wissenschaften der Rezitationsregeln (Tadschwid) und Interpretation (Tafsir), um eine Generation heranzubilden, die im Koranwissen bewandert und verwurzelt ist.
Er sagte einen Satz, der das Wesen dieser Anstrengung offenbart: Wir restaurieren nicht nur Steine und Ziegel, sondern bauen die Seele einer Generation neu auf. Jeder Schüler ist ein Stein in der Mauer des Widerstands und jeder Vers, der inmitten der Zelte rezitiert wird ist eine Botschaft an die Welt, dass Gaza gegen die kulturelle und geistige Niederlage steht.
Abu Sha'ban beendet seine Worte mit einer hoffnungsvollen Botschaft: Selbst wenn die Minarette Gazas einstürzen hallt die Stimme des Korans immer noch wider. Die Menschheitsbildung mit dem Licht des Korans ist die stärkste Form der Widerstandsfähigkeit und des Überlebens.
Übersetzer ins Persische: Aschraf Basiri
Übertragen vom Persischen ins Deutsche: Stephan Schäfer
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