IQNA

17:16 - July 01, 2026
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Blick auf Film, der für die 98. Oscarverleihung ausgewählt wurde

„Der Kuchen des Präsidenten“ mit bitterem Geschmack von Diktatur und Albtraum der Sanktionen

IQNA- Die Handlung des Films „The President’s Cake“ (Der Kuchen des Präsidenten) in den 1990er Jahren während der Herrschaft des ehemaligen Diktators Saddams; eine Zeit in der der Irak einerseits mit der Diktatur der Baath Partei konfrontiert war und andererseits unter Bombardierungen der USA sowie Druck wirtschaftlicher Sanktionen und einem schweren Mangel an Lebensmitteln litt.

Verfasst von Ruhangiz Anoushi

Ein neun Jahre altes Mädchen namens Lamia wird in der Schule per Los ausgewählt um für den Geburtstag des Präsidenten Saddam Hussein einen Kuchen zu backen; diese Auslosung hat jedoch – anders als gewöhnliche Lose – nichts mit Gewinn oder Glück zu tun, sondern ist eine verpflichtende Aufgabe deren Ablehnung schwere Folgen haben kann. Zusammen mit ihrer Großmutter, ihrem Freund Saeed und ihrem Haushahn begibt sie sich auf die Suche nach Mehl, Zucker und Eiern auf eine Reise die zu einem Bild des Lebens der Menschen im Irak jener Zeit wird.

In vielen politischen Filmen wird Macht von hinter Rednerpulten, Kommandozentren oder durch Entscheidungen von Führungspersonen dargestellt; doch Hassan Hadi wählte einen anderen Weg. Er sucht die Macht im Alltagsleben – dort wo ein kleines Mädchen gezwungen ist für den Geburtstag des Präsidenten einen Kuchen zu backen; eine Aufgabe, äußerlich einfach erscheinend, aber im Inneren einer von Sanktionen, Armut und Angst geprägten Gesellschaft zu einem regelrechten Albtraum wird.

Dieser Film zeigt, dass man zur Darstellung der Gewalt einer Diktatur und eines Krieges nicht immer ein Schlachtfeld und blutige Szenen braucht. Manchmal liefern das Backen eines Kuchens und die Angst eines Kindes ein präziseres Bild – ein Bild, das zugleich bitter und zutiefst menschlich ist.

Der Film betrachtet die Welt klugerweise durch die Perspektive eines Kindes. Gerade diese Entscheidung führt dazu, dass das Publikum statt politischer Analysen den psychischen Druck unmittelbar spürt.

Die größte Leistung des Films besteht darin, dass er die Politik nicht auf bloße Parolen reduziert.

Eine weitere Stärke des Films ist Verzicht auf übertriebene Schwarzmalerei. Der Autor und Regisseur Hassan Hadi schafft inmitten dieser bitteren Atmosphäre Momente von Humor, Freundschaft und Hoffnung. Die Beziehung zwischen den Kindern, Anwesenheit des sie begleitenden Hahns und die bisweilen humorvollen Begegnungen mit Menschen unterwegs verhindern, dass der Film zu einer einheitlichen Klage wird. Gerade dieser Kontrast zwischen Unschuld der Kinder und Gewalt der umgebenden Welt vervielfacht die emotionale Wirkung des Werkes.

Auch visuell ist der Film bemerkenswert. Weite Einstellungen, die Landschaft des Irak und eine Stille die manchmal wirkungsvoller ist als jede Musik schaffen eine Atmosphäre die zugleich Schönheit und Beklemmung in sich trägt. Die Kamera manipuliert die Gefühle nie um eine übermäßige Wirkung zu erzielen! Vielmehr zwingt sie das Publikum mit einer wohlüberlegten Distanz dazu die Bitterkeit der Situation selbst zu entdecken.

Der vielleicht einzige Kritikpunkt am Film ist sein relativ ruhiges Tempo. Die Erzählung stützt sich weniger auf aufeinander folgende dramatische Wendungen als auf Beobachtung und Erleben des Lebens in dieser Umgebung. Für Zuschauer die ein ereignisreiches Drama erwarten kann diese Langsamkeit eine Herausforderung sein; doch gerade diese Pausen geben dem Film die Möglichkeit seine Welt mit Details aufzubauen.

„Der Kuchen des Präsidenten“ ist letztlich ein Film über den Verlust der Kindheit; über eine Generation die Angst lernte noch bevor sie das Träumen lernen konnte. Hassan Hadi zeigt mit seinem ersten Langfilm, dass das irakische Kino ohne Rückgriff auf übliche Übertreibungen eine universelle Geschichte über Diktatur, Überleben und menschliche Würde erzählen kann. Deshalb ist der Film nicht nur ein politisches Werk, sondern ein menschliches Drama das noch lange nach seinem Ende im Gedächtnis des Publikums bleibt.

Länder, die Macht für sich beanspruchen – wie die USA – erlauben sich mit einer Geste des Mitgefühls und humanitären Parolen sich in die Angelegenheiten eines Landes einzumischen und werden unter dem Vorwand des Kampfes gegen Diktatur und Befreiung der Menschen selbst zu einem weiteren Druckmittel das das Leben gewöhnlicher Menschen zur Hölle macht. Ein Krieg der durch Bombenabwürfe und Schüsse das Leben unschuldiger Menschen nimmt und Sanktionen die direkte Auswirkungen auf das Leben und den Lebensunterhalt gewöhnlicher Menschen haben – und am Ende sind die Opfer von Politik und Krieg genau jene die den geringsten Anteil an ihrer Entstehung hatten, nämlich Kindern die größten seelischen und psychischen Schäden zugefügt werden.

 

„Der Kuchen des Präsidenten“ mit bitterem Geschmack von Diktatur und Albtraum der Sanktionen

 

Der Film erlebte seine Weltpremiere in der Sektion Directors’ Fortnight der Filmfestspiele von Cannes 2025 und gewann dort die Caméra d’Or für den besten Debütfilm des Festivals. Außerdem erhielt er den Publikumspreis dieser Sektion. Danach wurde er auch auf den Filmfestivals von Sydney, Melbourne, Calgary, Adelaide und mehreren anderen renommierten Festivals gezeigt und fand große Anerkennung bei Kritikern. Der Film wurde als irakischer Beitrag für den besten internationalen Spielfilm bei der 98. Oscarverleihung ausgewählt und am 6. Februar 2026 von Sony Pictures Classics in den USA veröffentlicht.

 

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Stichworte: Saddam Hussein ، Oscar ، Film
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