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Warum die US-Strategie des „maximalen Drucks“ gegen Iran scheiterte

16:13 - July 02, 2026
Nachrichten-ID: 3015002
Vom jordanischer Autor und Forscher für politische Angelegenheiten Mahdi Mubarak Abdullah

Seit dem Ende des Kalten Krieges verfügen die USA über eine außergewöhnliche Stellung im internationalen System. Diese Stellung beruhte nicht nur auf militärischer Überlegenheit, sondern auch auf Kontrolle der Infrastruktur der Weltwirtschaft. Der Dollar wurde zur Währung des internationalen Finanzsystems und Finanzinstitutionen, Zahlungsnetzwerke sowie globale Handelsketten wurden Teil eines umfassenden US-Einflussystems das Washington erlaubte seine Macht jederzeit auszuüben ohne die Armee einsetzen zu müssen.

Die Strategie des maximalen Drucks, die die USA gegen Iran verfolgten, war nicht lediglich eine Sanktionspolitik, sondern integriertes strategisches Projekt mit dem Ziel das Verhalten eines Staates umzuformen und das Machtgleichgewicht in einer als äußerst sensibel betrachteten Region neu zu definieren. Washington setzte darauf, dass die Kombination aus wirtschaftlicher Erstickung, diplomatischer Isolation und militärischen Drohungen einen grundlegenden Wandel in der iranischen Entscheidungsstruktur hervorrufen und Teheran dazu bewegen würde bedeutende Zugeständnisse zu machen, die seine tiefsten souveränen Entscheidungen beeinflussen.

Dennoch offenbarte das was in den folgenden Jahren geschah eine tiefe Kluft zwischen der theoretischen Wahrnehmung der US-Entscheidungsträger und komplexen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Realitäten Irans sowie sogar den umfassenderen Entwicklungen, die im internationalen System selbst stattfinden.

Bemerkenswert ist, dass sich mit der Anhäufung der tatsächlichen Ergebnisse dieser Politik die Frage nicht mehr nur darauf beschränkt wie sehr Iran durch die Sanktionen geschwächt wurde, sondern sich zu einer tieferen Frage hinsichtlich der Grenzen der US-Macht selbst in einem internationalen Umfeld entwickelte, das sich schrittweise in Richtung Multipolarität bewegt. Dies führte zur Reproduktion von Widerstandssystemen innerhalb Irans und zwang zugleich internationale und regionale Mächte dazu ihre Berechnungen hinsichtlich der Zweckmäßigkeit einer Beteiligung an wirtschaftlichen Isolationspolitiken zu überdenken.

In diesem sich wandelnden Kontext ist diese Konfrontation nicht mehr lediglich ein Druckmittel, sondern zu einem umfassenden Test der Fähigkeit von Sanktionen als zentrales Instrument der US-Außenpolitik in einer Welt geworden in der die Netzwerke von Wirtschaft, Energie und Bündnissen zu stark verflochten und komplex geworden, um allein mit traditionellen Zwangsmitteln gelöst zu werden.

 

Fähigkeit Irans zur Anpassung an Krisen und Reproduktion von Widerstandsfähigkeitsinstrumenten

Tatsächlich war die Strategie des maximalen Drucks, die die USA gegen Iran verfolgte, trotz harter Sanktionen, diplomatischen Drucks und direkter militärischer Drohungen nicht erfolgreich darin ihre erklärten Ziele zu erreichen. Diese Strategie beruhte auf der einfachen Annahme, dass Verschärfung der wirtschaftlichen Blockade und internationale Isolierung Irans dessen innere Struktur schwächen und das Land dazu bringen würden sein politisches und strategisches Verhalten zu ändern. Die Ereignisse der letzten Jahre zeigten jedoch, dass diese Annahme nicht zutreffend war und die Natur des iranischen Staates sowie dessen Fähigkeit zur Anpassung an Krisen und zur Reproduktion von Widerstandsfähigkeitsinstrumenten außer Acht ließ.

Das wiederkehrende Problem war nicht die Intensität der Sanktionen, sondern Washingtons Wahrnehmung der Natur der iranischen Gesellschaft und ihres politischen Systems. Die US-Entscheidungsträger gingen davon aus, dass wirtschaftlicher Druck zum schrittweisen Zerfall des inneren Zusammenhalts führen würde, doch das Gegenteil war das Ergebnis, da in Iran ein alternatives Wirtschaftssystem entstand das auf Anpassung an Sanktionen, Ausweitung nichttraditioneller Handelskanäle und Stärkung der Eigenständigkeit beruhte. Dies verringerte die Wirkung der Sanktionen und verwandelte sie in einen Faktor wirtschaftlicher Neuordnung statt in Instrument des politischen Umsturzes.

In einem tieferen Zusammenhang kann gesagt werden, dass Erfahrung des maximalen Drucks zeigte, dass Washington nicht nur einem sanktionierten Staat gegenübersteht, sondern einem politischen und wirtschaftlichen Modell mit langer Erfahrung im Umgang mit wirtschaftlicher Blockade. Die iranische Wirtschaft reagiert nicht mehr als direkte negative Reaktion auf Sanktionen, sondern funktioniert als System das sich an sie anpasst e und ihre Auswirkungen im Inneren verteilt. Dadurch wurde die Schockwirkung der Sanktionen abgeschwächt und sie wurden zu einem Faktor dauerhaften Drucks statt zu einem Instrument schnellen Zusammenbruchs, wie es die US-Strategie angenommen hatte.

Die gegenwärtigen Entwicklungen im internationalen System spielten eine zentrale Rolle bei der Schwächung der Wirksamkeit dieser Strategie. Die Welt folgt nicht mehr der unipolaren Logik wie in den 1990er Jahren. Vielmehr enstanden große und regionale Mächte, die sich weigerten vollständig an der US-Sanktionspolitik teilzunehmen, insbesondere China und Russland sowie weitere Staaten die in der Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Iran eine strategische Chance im Hinblick auf Energiesicherheit und geopolitische Interessen sahen. Diese Vielzahl von Machtzentren begrenzte Washingtons Fähigkeit eine vollständige Isolation durchzusetzen und beraubte den maximalen Druck einer seiner wichtigsten Erfolgsvoraussetzungen.

Aus einer breiteren strukturellen Perspektive weist das Scheitern dieser Strategie auf eine Krise in der strategischen Sichtweise der USA selbst hin, die auf dem Glauben beruht, dass wirtschaftliche und militärische Macht allein das Verhalten von Staaten verändern können. Die jüngsten Erfahrungen zeigen jedoch, dass das internationale Umfeld komplexer und stärker verflochten wurde und Staaten in der Lage sind alternative Netzwerke außerhalb des westlichen Systems aufzubauen. Dies begrenzt die Wirksamkeit traditioneller Zwangsinstrumente und macht die Ergebnisse von Druck weniger vorhersehbar und anfälliger für Misserfolge.

Ebenso trat der geopolitische Faktor im Zusammenhang mit der globalen Energiesicherheit als entscheidendes Element bei der Neubewertung der Lage hervor. Entwicklungen bezüglich lebenswichtiger Seewege, insbesondere der Straße von Hormus zeigten, dass jeder Versuch einer vollständigen Blockade Irans große Risiken für die Stabilität der globalen Energiemärkte mit sich bringt. Dies machte die Option einer umfassenden Eskalation nicht nur für Iran, sondern auch für große Volkswirtschaften kostspielig, wodurch internationale Akteure vorsichtigere Positionen einnahmen und sich weniger an der US-Druckpolitik beteiligten.

Vielleicht besteht eine der wichtigsten Lehren aus der Fortsetzung des US-Drucks darin, dass die anhaltende Abhängigkeit von der Politik des maximalen Drucks langfristig zu gegenteiligen Ergebnissen führen kann, da sie die betroffenen Staaten dazu bewegte ihre Abschreckungsfähigkeiten zu stärken, ihre Partnerschaften außerhalb des westlichen Rahmens auszuweiten und die Suche nach wirtschaftlichen und finanziellen Alternativen zu beschleunigen, die die Verwundbarkeit gegenüber Sanktionen verringern. Dies bedeutet, dass diese Politik möglicherweise zur Schaffung eines internationalen Umfelds beiträgt, das weniger vom US-Einfluss geprägt ist und sich stärker in Richtung strategischen Multilateralismus bewegt statt zur Reproduktion traditioneller Hegemonie.

 

Iran; Wegbereiter der Entwicklung multidimensionaler Abschreckung

Nach all diesen eskalierenden Politiken gelang es Iran ein multidimensionales Abschreckungsmodell zu entwickeln, das nicht auf den militärischen Aspekt beschränkt war, sondern politische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Instrumente umfasste, die die Kosten einer direkten Konfrontation mit ihm sehr hoch machten. Diese asymmetrische Abschreckung gab Teheran die Fähigkeit sein regionales Umfeld zu beeinflussen und Krisen so zu steuern, dass die Wirksamkeit äußeren Drucks reduziert und verhindert wurde, dass Sanktionen zu einem Instrument vollständigen Zusammenbruchs werden wie es geplant war.

Auf der innenpolitischen Ebene der USA offenbarte diese Erfahrung die zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Kosten der Fortsetzung dieser Konfrontation, da Teile der US-Eliten – insbesondere angesichts ihrer zunehmenden Auswirkungen auf Energiepreise und Weltwirtschaft sowie der sinkenden Fähigkeit klare politische Ergebnisse zu erzielen, was strategische Zweifel in den Entscheidungskreisen Washingtons hervorrief – begannen, die Durchführbarkeit einer langfristigen Zermürbungspolitik infrage zu stellen.

Diese Erfahrung zeigte auch, dass der Einsatz von Sanktionen als zentrales Instrument der US-Außenpolitik nicht mehr die frühere absolute Wirksamkeit besitzt. Die Welt ist stärker vernetzt und multilateraler geworden und die Staaten suchen nach alternativen Wegen, um ihre Abhängigkeit vom von den USA dominierten Finanzsystem zu verringern – einem System, das die Wirkung von Sanktionen allmählich untergraben und ihre Fähigkeit schwächte entscheidende politische Veränderungen herbeizuführen.

 

Umgestaltung des regionalen und internationalen Machtgleichgewichts

Auf Grundlage dieser Tatsachen kann gesagt werden, dass die Strategie des maximalen Drucks nicht nur darin scheiterte ihr Hauptziel – die Verhaltensänderung Irans – zu erreichen, sondern auch zur Umgestaltung des regionalen und internationalen Machtgleichgewichts in einer Weise beitrug, die nicht zugunsten der USA war. Iran ging widerstandsfähiger und mit stärkerer Präsenz in den regionalen Gleichungen aus dieser Konfrontation hervor, während Washington sich mit einem strategischen Dilemma hoher Kosten und abnehmender Ergebnisse konfrontiert sah.

Am Ende dieses Weges scheint es, dass es sich nicht lediglich um eine Fehlkalkulation bei den Drucktaktiken oder falsche Wahrnehmung des Machtgleichgewichts handelt, sondern um einen strukturellen Wandel, der den Kern jener Idee betrifft die jahrzehntelang die amerikanische Strategie beherrschte. Die Kampagne des maximalen Drucks, die als Instrument schneller Unterwerfung konzipiert wurde ist praktisch zu einem offenen Test der Grenzen US-Macht geworden, wenn sie außerhalb ihres historischen Kontextes und gegen einen Gegner eingesetzt wird, der Sanktionen nicht als vorübergehende Krise, sondern als dauerhaftes Umfeld zur Rekonstruktion seiner Überlebensinstrumente betrachtet.

Hier erhält das zwischen Iran und den USA unterzeichnete Memorandum of Understanding seine eigentliche Bedeutung. Dieses Memorandum stellt nicht nur keinen endgültigen Sieg der US-Diplomatie dar, sondern zeigt vielmehr ein wachsendes Verständnis der Tatsache, dass Sanktionen die Grenze ihrer politischen Wirksamkeit erreichten. Wenn Washington sich von der Strategie des maximalen Drucks hin zu Gesprächen über eine umfassende Aufhebung der Sanktionen und Wiederaufbau der iranischen Wirtschaft bewegt, verändert es nicht nur seine Haltung gegenüber Iran, sondern bewertet auch eines seiner wichtigsten Instrumente neu, auf das es sich seit den 1990er Jahren stützte.

Das wichtigste Ergebnis ist, dass Iran nicht nur nicht zusammenbrach, sondern politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Immunität erlangte, die die Idee vollständiger Isolation eher zu einer Illusion als zu einer Politik machte. Im Gegenzug sahen sich die USA mit einer umgekehrten Gleichung konfrontiert: Je mehr Druck ausgeübt wurde, desto höher wurden die Verwaltungskosten und je weiter die Zwangsinstrumente ausgedehnt wurden, desto weniger konnten sie in greifbare politische Ergebnisse umgesetzt werden.

Die Geschichte erinnert sich gewöhnlich nicht nur an große Abkommen, sondern auch an jene Momente in denen Großmächte erkennen, dass die Instrumente die jahrzehntelang ihren Einfluss schufen allein nicht mehr ausreichen um die Zukunft zu gestalten. Vielleicht ist das jüngste Memorandum of Understanding zwischen Washington und Teheran einer dieser Momente, nicht weil es die Krise zwischen Washington und Teheran beendet hätte, sondern weil es die Grenzen einer gesamten Epoche offenlegte, die auf dem Glauben beruhte dass Sanktionen immer in der Lage seien ein System zu schaffen das die USA wollen. Genau darin liegt insbesondere seine wahre strategische Bedeutung.

 

Zum Schluss:

So zeigt sich das große Paradox, das sich nicht leicht überwinden lässt: Ein Land das zum Rückzug gezwungen werden sollte band sich stärker an seine regionale Position und ein internationales System das weiterhin einseitig kontrolliert werden sollte beginnt einen festen Widerstand gegen die Logik traditioneller Hegemonie zu zeigen. Zwischen diesen beiden Entwicklungen scheint Washington nicht nur einem Gegner, sondern einem Wandel in der Natur der Welt selbst gegenüberzustehen in der Sanktionen nicht mehr das Ende des Weges sind und militärische Drohungen nicht der Schlüssel zur Lösung sind, sondern lediglich Instrumente die auf eine neue globale Obergrenze stoßen, die noch nicht entsprechend dem amerikanischen Willen formuliert wurde. Insbesondere aus dieser Perspektive schließt der maximale Druck die Iran-Akte nicht ab, sondern wirft eine weit größere Frage auf: Besitzen die Vereinigten Staaten noch tatsächlich die Fähigkeit ihre Macht in entscheidende Ergebnisse umzuwandeln, oder traten sie in eine Phase der Ohnmacht ein in der die Macht selbst wenn sie außerhalb ihrer realen Bedingungen eingesetzt wird zu einer Last wurde?

 

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Stichworte: US-Druck ، Der Iran ، US-Sanktionen
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