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Restaurierung des Korans – Symbol des Widerstands in Trümmern Gazas

17:32 - July 16, 2026
Nachrichten-ID: 3015075
IQNA- Jamil Miqdad ist ein 71-jähriger Palästinenser, der sich inmitten der Kriegstrümmer Gazas der Restaurierung von Koranexemplaren widmet. Jedes Exemplar das er wiederherstellt ist ein kleiner Sieg über einen Krieg, der sämtliche Lebensbereiche im Gazastreifen erfasste.

IQNA: Der 71-jährige Jamil Miqdad sitzt jeden Morgen in einem Viertel der Stadt Gaza an seinem kleinen Holztisch, umgeben von Dutzenden alten Koranexemplaren. Einige wurden durch den Krieg beschädigt und zerrissen, andere durch jahrelangen Gebrauch abgenutzt. (Quelle: Palestine Online)

Neben ihm liegen eine Schere, eine kleine Säge, Klebstoffbehälter und dicke Kartonstücke in verschiedenen Größen. Dieser Ort ist weit mehr als eine einfache Buchreparaturwerkstatt: Er ist ein stiller Zufluchtsort des Widerstands gegen die Zerstörungen des Krieges. Hier werden zerrissene Seiten zu Zeugnissen von Widerstandskraft und Standhaftigkeit. Jedes Exemplar dem Jamil neues Leben einhaucht ist ein kleiner Sieg über einen Krieg der sämtliche Bereiche des Lebens im Gazastreifen beeinträchtigte.

 

Restaurierung des Korans – Symbol des Widerstands in Trümmern Gazas

 

45 Jahre Erfahrung als Buchbinder

Miqdad wurde im Flüchtlingslager al-Schati („Strand“) im Westen der Stadt Gaza geboren und wuchs dort auf. Er verfügt über mehr als 45 Jahre Erfahrung in der Buchbinderei. Vor dem Krieg besaß er eine Buchhandlung und eine Druckerei die seinen Lebensunterhalt und den seiner Kinder sicherten – bis die Maschinerie der Zerstörung kam und das Ergebnis jahrelanger Mühe in einen Trümmerhaufen verwandelte.

Im Gespräch mit der Zeitung Palestine erinnert sich Miqdad an jene Zeit: Vor dem Krieg besaß ich eine Buchhandlung und eine Druckerei. Als wir nach der ersten Vertreibung zurückkehrten stellten wir fest, dass die Druckerei vollständig niedergebrannt war. Ich musste eine gebrauchte Maschine kaufen damit ich die Druckerei für meine Söhne wieder in Betrieb nehmen konnte, denn sie war ihre einzige Einkommensquelle. Ich selbst beschloss wieder Bücher zu restaurieren, weil mein Alter und körperlicher Zustand es mir nicht mehr erlaubten lange Stunden in der Druckerei zu arbeiten.

Seine Entscheidung zur Buchbinderei und Buchrestaurierung zurückzukehren bedeutete nicht lediglich eine Veränderung seiner Tätigkeit. Vielmehr kehrte er zu einem Beruf zurück mit dem er seit Jahrzehnten verbunden war – diesmal allerdings unter außergewöhnlichen Bedingungen die der Krieg schuf.

Da aufgrund der geschlossenen Grenzübergänge kaum neue Koranexemplare in den Gazastreifen gelangen sah sich Jamil vor eine neue Aufgabe gestellt: die vorhandenen Exemplare zu bewahren und so zu restaurieren, dass sie weiterhin gelesen werden können.

Jeden Morgen beginnt er seine Arbeit auf die gewohnte Weise. Er legt die Koranexemplare vor sich aus, deren Einbände durch Bombardierungen und ständigen Gebrauch beschädigt oder deren Seiten zerrissen wurden. Anschließend ordnet er die Seiten, misst die erforderlichen Maße für den Einband aus und beginnt sie von Hand zusammen zu nähen. Danach verklebt er sie und fertigt aus stabilem Karton einen neuen Einband an.

 

Im Streben nach Gottes Wohlgefallen

Er berichtet: Ich holte die verbliebenen Koranexemplare aus meinem Haus und meiner Bibliothek hervor – Exemplare die von Granatsplittern zerfetzt und durch den Krieg abgenutzt worden waren – und legte sie auf meinen kleinen Tisch. Ich begann allein um Gottes willen sie zu reparieren ohne dafür Geld zu verlangen oder zu erwarten, dass daraus einmal ein Dienst entstehen würde den die Menschen in Anspruch nehmen.

Weiter sagt er: Mit der Zeit brachten auch die Nachbarn ihre Exemplare zu mir und die Moscheen schickten mir Dutzende durch den Krieg beschädigte Korane. So verwandelte sich dieser einfache Tisch schließlich in eine Werkstatt die dem Buch Gottes neues Leben einhaucht.

Miqdad betont, dass sein wichtigstes Ziel darin besteht die Koranexemplare vor dem Verfall zu bewahren: Das Buch Gottes muss erhalten bleiben – insbesondere deshalb weil wegen der geschlossenen Grenzübergänge keine neuen Exemplare nach Gaza gebracht werden können. Statt zuzulassen, dass sie infolge des Krieges verloren gehen begannen wir daher damit Beschädigte zu reparieren und wiederherzustellen.

Seine Fähigkeiten beschränken sich nicht auf die Reparatur von Einbänden oder erneute Zusammenfügen loser Seiten. Er rekonstruiert auch fehlende Teile eines Korans. Wenn Seiten fehlen sucht er nach einem vollkommen identischen Exemplar, fertigt Kopien der entsprechenden Seiten an und näht sie in den ursprünglichen Band ein sodass sie sich nahtlos und harmonisch in das Original einfügen.

Obwohl Jamil seit seiner Geburt an einer Behinderung des rechten Beins leidet und auf eine Beinprothese angewiesen ist, setzt er seine Arbeit jeden Tag fort. Sein körperlicher Zustand schränkt allerdings die Zeit ein die er ohne Unterbrechung arbeiten kann.

Mit einem Lächeln, hinter dem sich die Erschöpfung vieler Jahre verbirgt, sagt er: Meine körperliche Kraft reicht nicht mehr aus. Ich kann höchstens fünf Stunden arbeiten, doch die Nachfrage übersteigt meine Möglichkeiten. Derzeit warten etwa zweihundert Koranexemplare darauf restauriert zu werden.

Diese Exemplare stapeln sich auf dem Tisch und in den Ecken des Raumes. Einige benötigen einen neuen Einband, andere müssen sorgfältig gebunden und vernäht werden und wieder anderen fehlen ganze Seiten.

Jamil bewegt sich ruhig und geduldig zwischen ihnen. Er weiß genau, dass seine Aufgabe nicht allein darin besteht mit Papier zu arbeiten, sondern darin ein heiliges Buch in einer Zeit zu bewahren in der selbst die grundlegendsten Dinge knapp wurden. In Gaza wo Bibliotheken zerstört, Druckereien beschädigt und Grenzübergänge geschlossen sind fand Jamil seine eigene Form des Widerstands.

Er baut weder Häuser noch Straßen wieder auf. Stattdessen restauriert er beschädigte Koranexemplare und gibt sie ihren Besitzern zurück. Auf diese Weise schenkt er Hunderten Exemplaren des heiligen Buches ein zweites Leben. Diese Korane legen Zeugnis davon ab dass das was der Krieg zerstört durch menschliche Entschlossenheit Seite für Seite wiederhergestellt werden kann.

 

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