Das Märtyrer-Oberhaupt der Islamischen Revolution betrachtete den Koran während der im Amt des Oberhaupts nicht nur als Buch zum Rezitieren, sondern als Charta des Lebens, Fortschritts und Würde der islamischen Gemeinschaft. Die beständige Betonung des täglichen Umgangs mit dem Koran, Ausbildung von Hāfizen (Koranauiswendig-Lerner), Stärkung koranischer Versammlungen und Verknüpfung der Lehren der Offenbarung mit aktuellen Fragen der Gesellschaft waren Teil seines koranischen Ansatzes.

Der internationale Rezitator unseres Landes Hadi Movahedamin sprach im Gespräch mit IQNA über die wichtigsten koranischen Anliegen und Forderungen des Märtyrer-Oberhaupts. Der Infalt im Folgenden:
Sein wichtigstes koranisches Anliegen und wichtigste Forderung waren Verwirklichung von Einheit, Fortschritt und umfassender Unabhängigkeit der islamischen Länder im Lichte des Handelns nach dem Koran. Das Märtyrer-Oberhaupt bemühte sich stets darum, dass die Muslime zu ihrer Identität und ihren Fähigkeiten zurückkehren, ihr Selbstvertrauen wiederfinden und sich durch Festhalten am Koran und Einheit der islamischen Gemeinschaft von der Herrschaft und Druck der Arroganzmächte befreien.
Er war der Überzeugung dass, wenn die islamischen Gesellschaften die Lehren des Korans zur Grundlage ihres Handelns machen die wahre Würde des Islam in der Welt sichtbar und eben dies den Boden für Verbreitung und richtige Vorstellung des Islam in der ganzen Welt bereiten wird.
Das was stets im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Märtyrer-Oberhaupts stand, war Schutz des Stroms der Koranrezitation vor jeglichem Schaden und jeder Abweichung. Wann immer er das Gefühl hatte, dass dem koranischen Raum ein Schaden zugefügt werden könnte wies er mit Genauigkeit und Sensibilität darauf hin.
Andererseits legte er besonderen Wert auf das Selbstvertrauen der koranischen Gemeinschaft des Landes und war der Ansicht, dass iranische Rezitatoren an ihre eigenen Fähigkeiten glauben und sich nicht lediglich damit begnügen sollten die gängigen Stile nachzuahmen, sondern unter Wahrung der fachlichen Grundsätze in Richtung Kreativität und Innovation schreiten sollten.
Die Betonung einer „wirkungsvollen Rezitation“ gehörte ebenfalls zu seinen wichtigen Schwerpunkten. Aus Sicht des Märtyrer-Oberhaupts war das Ziel der Rezitation nicht nur Schönheit von Stimme und Vortrag, sondern Rezitation musste die Botschaft des Korans in das Herz des Zuhörers setzen und ihn verwandeln.
Darüber hinaus analysierte und erläuterte er bei koranischen Begegnungen unter Berufung auf Koranverse auch die aktuellen Fragen der islamischen Welt und bot koranische Lösungswege für den Umgang mit den Herausforderungen der islamischen Gesellschaft an.
Was mir mehr als jede andere Aussage im Gedächtnis blieb ist seine wiederholte Betonung, dass alle koranischen Aktivitäten einschließlich Auswendiglernen, Rezitation und Schönzitieren des Korans nur eine Einleitung sind; eine Einleitung zur Reflexion über die Verse Gottes und schließlich gelangen zum Handeln nach Geboten des Korans.
Er erinnerte stets daran, dass das letztendliche Ziel koranischer Aktivitäten die Erziehung eines Menschen ist, der seinen Lebensstil auf Grundlage der koranischen Rechtleitung ordnet und auf diesem Wege zu wahrem Glück und wirklicher Vervollkommnung gelangt.
Eine seiner wichtigsten Maßnahmen war Ermutigung zur Ausweitung von Zusammenkünften der Koranrezitation im ganzen Land. Der Märtyrer-Oberhaupt betonte sowohl Erhöhung der Zahl dieser Zusammenkünfte als auch Steigerung ihrer Qualität.
Sogar über die Art und Weise der Durchführung koranischer Sitzungen gab er konkrete Hinweise und war der Ansicht, dass Sitzungen deren Hauptachse Koranrezitation ist und bei denen vor der Rezitation auch Begriffe und Botschaften der Verse für die Anwesenden erläutert werden eine größere Wirkung haben.
Ein weiteres wichtiges Thema war die allgemeine Ermutigung zum Auswendiglernen des Korans, deren Höhepunkt sich in der strategischen Forderung nach Ausbildung von 10 Millionen Koran-Hāfizen (Koran-Auswendig-Lerner) zeigte; eine Forderung die er im Jahr 1390 des iranischen Kalenders erhob und die zu den wichtigsten strategischen Programmen des Systems im Bereich des Korans zählt, auch wenn bis zu ihrer vollständigen Verwirklichung noch ein weiter Weg ist.
Das Märtyrer-Oberhaupt lud die Menschen außerdem stets zur täglichen Koranrezitation ein und sein berühmter Satz wonach „ihr, wenn auch nur eine Seite am Tag Koran rezitieren sollt“, ist der koranischen Gemeinschaft noch immer im Gedächtnis.
Viele Male war ich aus der Nähe Zeuge dieser praktischen Lebensweise; bei Programmen die im Büro des Märtyrer-Oberhaupts der Revolution abgehalten wurden holte er zwischen den beiden Gebeten seinen Taschenkoran hervor und rezitierte den Koran. Dieses Verhalten zeigte, dass seine Empfehlung zum täglichen Umgang mit dem Koran nicht nur eine mündliche Mahnung war, sondern dass er sich auch selbst in seinem persönlichen Leben daran hielt.
Die wichtigste noch nicht vollständig verwirklichte Forderung ist der Plan zur Ausbildung von 10 Millionen Koran-Hāfizen. Dieser Plan war nicht nur statistisches Ziel, sondern eine kulturelle und zivilisatorische Strategie die tiefe Wirkungen in der Gesellschaft hätte hinterlassen können.
Daneben war eine weitere wichtige Forderung von ihm den Koran zu einem Teil des täglichen Lebenskorbs der Menschen zu machen. Das Märtyrer-Oberhaupt betonte stets, dass jeder Mensch ebenso wie er für die Fortsetzung seines körperlichen Lebens Wasser und Nahrung braucht auch täglich mit dem Koran vertraut sein sollte; sei es durch Rezitation, Rezitieren der Übersetzung, Nachdenken über die Bedeutungen oder Auswendiglernen der Verse.
Solange der Mensch sein wahres Bedürfnis nach dem Koran nicht empfindet wird kein beständiger Umgang mit diesem Buch Gottes entstehen. Wir dürfen den Koran nicht als etwas bloß Empfohlenes und Randständiges betrachten; für das Leben des Menschen hat der Koran dieselbe Stellung wie Wasser und Nahrung für das Fortbestehen des Körpers. Wenn die Gesellschaft zu der Überzeugung gelangt, dass die Qualität des individuellen und sozialen Lebens ohne Rechtleitung des Korans unvollständig ist, wird sie sich von selbst auf ihn zubewegen.

Die koranische Gemeinschaft trägt heute zwei wichtige Verantwortungen: Erstens die Vertiefung und Ausweitung koranischer Aktivitäten und zweitens Einfordern praktischer Unterstützung dieses Bereichs von den Verantwortlichen.
Die Regierung, Parlament und anderen zuständigen Stellen müssen die Unterstützung koranischer Aktivitäten in eine feste und verbindliche Politik verwandeln. Diese Unterstützung kann sich in Form von Gesetzen, Zuweisung von Mitteln, Schaffung von Bildungs- und Hochschulanreizen sowie auch in der Beseitigung der finanziellen Sorgen koranischer Einrichtungen und Aktivisten verwirklichen.
Koranisch Tätige sollten nicht den größten Teil ihrer Kraft für die Deckung laufender Kosten, Miete oder finanzielle Fragen aufwenden müssen; diese Sorgen müssen ihnen abgenommen werden damit sie sich mit größerer Konzentration der Entwicklung der Korankultur widmen können.
Der noch wichtigere Punkt ist jedoch, dass wir den Begriff „koranische Aktivität“ nicht lediglich auf die Durchführung von Klassen, Zusammenkünften, Wettbewerben oder Ausbildungskursen beschränken dürfen. Meiner Ansicht nach ist jede Maßnahme die dazu führt, dass der Koran in individuellen, gesellschaftlichen, administrativen und sogar im Bereich der Staatsführung eine wirksame und zentrale Rolle spielt eine koranische Aktivität.
Das letztendliche Ziel koranischer Aktivitäten muss sein, dass die Menschen zur Überzeugung gelangen, dass sie für die Gestaltung ihres Lebens die Rechtleitung des Korans brauchen. Wenn dieses Bedürfnis in der Gesellschaft entsteht, wird die Einladung zum Koran keine bloße Empfehlung mehr sein, sondern die Menschen werden sich selbst mit Sehnsucht ihm zuwenden.
Das größte koranische Vermächtnis des Märtyrer-Oberhaupts war Schaffung eines Geistes von Selbstvertrauen und Würde unter den muslimischen Völkern. Er stärkte in der islamischen Gesellschaft den Glauben daran, dass die Muslime wenn sie wirklichen Glauben an den Koran haben und seine Lehren in ihrem Leben anwenden die Probleme überwinden und sich von der Herrschaft der Arroganzmächte befreien können.
Auch seine letzten Empfehlungen bestätigten genau diesen Blick; dort wo er sich auf Vers 139 der Sure Āl-e ʿImrān stützte,
«وَلَا تَهِنُواْ وَلَا تَحزَنُواْ وَأَنتُمُ ٱلأَعلَوۡنَ إِن کُنتُم مُّؤۡمِنِینَ»،
„Und werdet nicht schwach und seid nicht traurig, denn ihr werdet die Oberhand haben, wenn ihr gläubig seid“,
betonte er die Würde, Hoffnung und Überlegenheit der Gläubigen.
Dies ist derselbe Glaube, den Imam Khomeini zu Beginn der Islamischen Revolution begründete und auf den das Märtyrer-Oberhaupt gestützt die Lehren des Korans fortführte. Er lehrte das iranische Volk und die anderen muslimischen Völker, dass der Weg zu Würde und Stärke über Glauben und Handeln nach dem Koran führt.
Der beste Weg die Verdienste des Märtyrer-Oberhaupts um den Koran angemessen zu würdigen besteht darin die Lehren des Korans richtig und praxisbezogen zu vermitteln, die koranische Kultur zu fördern und – wichtiger als alles andere – nach den Geboten dieses Buch des Himmels zu handeln.
Wenn es uns gelingt den Koran von einem rein rituellen Text in ein Buch zu verwandeln, das als Leitfaden für das Leben dient und eine koranische Lebensweise in der Gesellschaft zu verbreiten, dann unternahmen wir tatsächlich Schritte zur Verwirklichung seiner Ideale.
Meine Empfehlung an die junge Generation lautet den Koran wenigstens einmal unvoreingenommen und zusammen mit einer Übersetzung zu lesen. Diejenigen die den Koran als das Wort Gottes betrachten werden erkennen, dass dieses Buch für alle Bereiche des menschlichen Lebens Botschaften und Lösungswege bereithält, wenn sie sorgfältig über seine Inhalte nachdenken.
Die jungen Menschen von heute sind eine intelligente, kritische und wahrheitssuchende Generation. Wenn sie die Gelegenheit erhalten die Inhalte des Korans unmittelbar und ohne Vermittlung kennenzulernen werden sie selbst die Größe und lebenspraktische Bedeutung dieses Buch Gottes erkennen; wiederholte Aufrufe werden dann nicht mehr erforderlich sein.
Koran-Hāfize sollten sich nicht allein mit Auswendiglernen und Wiederholen der von ihnen eingeprägten Verse begnügen. Die Aufgabe eines Koran-Hāfiz besteht nicht nur darin die Verse auswendig zu lernen; vielmehr sollte er auch anderen Menschen den Zugang zum Koran ermöglichen.
Mir ist stets eine Aussage von Hojjatoleslam wal-Muslimin Mohsen Qara'ati im Gedächtnis. Er sagte: Wenn jeder religiöse Mensch jedes Jahr auch nur eine weitere Person mit der Moschee und dem Gebet vertraut machen könnte, würde sich die Gesellschaft schrittweise verändern. Diese Sichtweise gilt ebenso für das Auswendiglernen des Korans.
Wenn sich jeder Koran-Hāfiz dazu verpflichtet fühlte im Laufe eines Jahres nur eine Person auf den Weg des Auswendiglernens des Korans zu führen und sie bis zum Erreichen des Ziels zu begleiten, würden wir innerhalb kurzer Zeit ein beachtliches Wachstum der Gemeinschaft der Koran-Hāfize erleben.
Nehmen wir an im Land gäbe es mehrere Hunderttausend Koran-Hāfize: Wenn jeder von ihnen nur eine einzige Person auf diesen Weg führte, würde sich diese Bewegung exponentiell ausbreiten und die Gesellschaft dem Ziel näherbringen, zehn Millionen Koran-Hāfize auszubilden – einer der strategischen Forderungen des Märtyrer-Oberhaupts.
Diese Forderung war äußerst weise und zukunftsorientiert, wurde jedoch bedauerlicherweise nicht in dem erforderlichen Maße weiterverfolgt. Die Verwirklichung dieses Ziels könnte das Land gegen zahlreiche kulturelle, gesellschaftliche, geistige und glaubensbezogene Gefahren wappnen und ein bedeutendes Kapital für die Zukunft des islamischen Iran bilden.
Eine koranische Gesellschaft lässt sich nicht allein durch Veranstaltung von Zusammenkünften und Wettbewerben verwirklichen. Dem Ideal des Märtyrer-Oberhaupts können wir uns erst dann annähern wenn der Koran im alltäglichen Leben der Menschen bei individuellen und gesellschaftlichen Entscheidungen sowie im Regierungssystem des Landes wirksam präsent ist. Der tägliche Umgang mit dem Koran, Ausbildung von Koran-Hāfizen, Nachdenken über die Verse und Handeln nach den Lehren Gottes sind die vier tragenden Säulen zur Verwirklichung jener Gesellschaft, die das Märtyrer-Oberhaupt am Horizont der neuen islamischen Zivilisation entworfen hatte.
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